Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Kopfsalat - Untersuchungsergebnisse Januar bis April 2008

Hintergrund der Untersuchungen

Kopfsalat oder grüner Salat (Lactuca sativa var. capitata) gehört ganzjährig zu den beliebtesten Blattsalaten. Die äußeren, dunkleren Blätter sind besonders vitaminreich und von leicht bitterem Geschmack, die inneren, gelblichen Teile der Pflanze schmecken milder, oft leicht süßlich. Im Gegensatz zu den im Freiland angebauten Salatköpfen weisen die durch Treibhausanbau gewonnenen Kopfsalate lockere Köpfe von hellerem grün auf.

Die häufigsten Schaderreger bei Kopfsalat sind neben Erdraupen, Schnecken oder Blattläusen vor allem der Falsche Mehltau sowie Viruskrankheiten.

Aufgrund des ungünstigen Verhältnisses von Oberfläche zu Gewicht treten bei dem Blattgemüse Kopfsalat oft deutlich höhere Rückstandsgehalte von Pflanzenschutzmitteln als bei anderen Gemüsesorten auf.

Um die Belastungssituation bei Kopfsalat zu verfolgen, werden Rückstandsuntersuchungen regelmäßig durchgeführt. Der vorliegende Beitrag berichtet über die Ergebnisse der von Januar 2008 bis April 2008 untersuchten Proben.

Zusammenfassung

Im Untersuchungszeitraum Januar bis April 2008 wurden 20 Proben Kopfsalat aus dem Groß- und Einzelhandel sowie von einem Erzeuger untersucht. Die Proben stammten entweder aus Deutschland oder dem europäischen Ausland (Belgien, Italien und Spanien). Zwei Proben enthielten keine Angaben über ihre Herkunft. Es wurde keine Probe aus dem ökologischen Anbau vorgelegt.

Die Rückstandssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr etwas verschlechtert. Keine Probe war rückstandsfrei, im Vorjahr wiesen immerhin 12 % der konventionellen Kopfsalate keine Rückstände an Pflanzenschutzmitteln auf. Zwei Proben (10 %) enthielten Rückstände in Gehalten über der jeweils zulässigen Höchstmenge. Dieser Anteil liegt unterhalb des im Jahr 2007 ermittelten Probenanteils mit Höchstmengenüberschreitungen von 15 % (siehe Abbildung 1).

Das Tortendiagramm zeigt, dass im Jahr 2007 dass im Jahr 2007 der Anteil an rückstandsfreien Proben bei 12 % lag, während 73 % der Proben Rückstände unterhalb der Höchstmengen und 15 % Rückstände über den Höchstmengen aufwiesen. Tortendiagramm: Im Jahr 2008 war keine der Proben rückstandsfrei, 90 % der Proben enthielten Rückstände unterhalb der Höchstmengen und 10 % Rückstände über den Höchstmengen.

Abbildung 1: Anteil rückstandshaltiger Kopfsalate im Jahr 2007 beziehungsweise 01/2008 – 04/2008

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation gibt Tabelle 1. Aufgrund der geringen Probenzahlen sind die statistischen Aussagen bezogen auf die Herkunftsländer nicht zu verallgemeinern. Im Gesamtdurchschnitt wurden 4,5 Rückstände pro Probe gefunden, der mittlere Rückstandsgehalt lag bei 2,33 mg/kg. Der höchste Einzelrückstand betrug 6,38 mg/kg für das Fungizid Iprodion in einem Kopfsalat aus Italien. In 19 Fällen (21 %) lagen die Gehalte der einzelnen Rückstände unter 0,01 mg/kg, demgegenüber sind auch zwölfmal (13 %) höhere Gehalte einzelner Wirkstoffe (mehr als 1 mg/kg) aufgetreten.

Tabelle 1: Ergebnisübersicht Kopfsalat (01/2008 – 04/2008)
Herkunftsland Gesamtzahl ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) [mg/kg]
Belgien 3 0 3 0 8,3 0,41
Deutschland 7 0 7 0 4,7 3,38
Italien 7 0 6 1 3,4 3,04
Spanien 1 0 0 1 4,0 0,17
ungeklärt 2 0 2 0 2,0 0,10
Gesamt 20 0 18 2 4,5 2,33
in Prozent 0 % 90 % 10 %
zum Vergleich: 2007 66 12 % 73 % 15 % 4,7 1,62

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Bei jeweils einer Probe aus Italien und Spanien wurden Höchstmengenüberschreitungen festgestellt und damit im Vergleich zum Vorjahr in einem geringeren Anteil (15 %). Dieser positive Trend ist jedoch auf Grund der bislang niedrigeren Probenzahl im Frühjahr 2008 noch nicht auf das Gesamtjahr übertragbar. Die Höchstmengenüberschreitungen bezogen sich in beiden Fällen auf „allgemeine“, niedrig angesetzte Höchstmengen, da bei den entsprechenden Stoffen eine spezielle Regelung für Kopfsalat nicht vorliegt (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Kopfsalat-Proben mit Höchstmengenüberschreitungen (01/2008 – 04/2008)
Herkunftsland Anzahl HMÜ Stoff Rückstandsgehalt [mg/kg] zulässige Höchstmenge [mg/kg] ARfD-Ausschöpfung
Spanien 1 Chlorthal-dimethyl (H) 0,15 0,01 n.f.
Italien 1 Methamidophos (A, I) 1,5 0,01 807

HMÜ = Höchstmengenüberschreitung, A = Akarizid, H = Herbizid, I = Insektizid, ARfD = akute Referenz-Dosis; n. f. = nicht festgelegt

Bei allen Höchstmengenüberschreitungen wird eine toxikologische Risikoabschätzung durchgeführt. Dazu wird am Beispiel eines Kindes von zwei bis unter fünf Jahren überprüft, in welchem Ausmaß bei einem einmaligen Verzehr die akute Referenzdosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei einer Überschreitung des ARfD-Wertes können gesundheitliche Risiken nicht mehr mit Sicherheit ausgeschlossen werden. In solchen Fällen erfolgt über das europäische Schnellwarnsystem (RASFF) eine Mitteilung an die Mitgliedstaaten.

Bei der italienischen Probe Kopfsalat wurde die akute Referenz-Dosis für den Stoff Methamidophos, ein akarizid und insektizid wirksames Pflanzenschutzmittel, um ein Vielfaches überschritten. Deshalb wurde dieser Befund an das Schnellwarnsystem gemeldet.

Von den insgesamt 27 verschiedenen, nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die häufigsten Stoffe (zweimal und häufiger nachgewiesen) in der Abbildung 2 dargestellt. In erster Linie werden Rückstände von Fungiziden gegen Pilzerkrankungen gefunden, eine untergeordnete Rolle spielen die Insektizide zur Bekämpfung von Schaderregern wie Blattläusen.

Die Abbildung zeigt die häufig nachgewiesenen Stoffe in Kopfsalat. Boscalid wurde elfmal detektiert, gefolgt von Propamocarb mit zehnmal. Dimethomorph, Metalaxyl und Pyraclostrobin wurden in jeweils sieben Proben nachgewiesen. Sechsmal wurden Cyprodinil, Iprodion und Tolclofos-methyl gefunden, jeweils dreimal Fludioxonil, Imidacloprid und Pirimicarb. In jeweils zwei Proben war Procymidon, Lambda-Cyhalothrin, Azoxystrobin, Thiamethoxam und Tolylfluanid enthalten. Von den genannten Stoffen sind Imidacloprid, Pirimicarb, Lambda-Cyhalothrin und Thiamethoxam Insektizide, die restlichen Verbindungen sind Fungizide.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Kopfsalat (01/2008 – 04/2008)
F = Fungizid, I = Insektizid

In 90 % der Proben wurden zwei und mehr Stoffe gleichzeitig gefunden. So enthielten zwölf Proben (60 %) zwei bis vier Rückstände, vier Proben (20 %) fünf bis acht Rückstände sowie jeweils eine Probe elf beziehungsweise zwölf Rückstande (siehe Abbildung 3). Diese beiden Proben aus Belgien beziehungsweise Deutschland waren trotz der Vielzahl an Rückständen und Gesamtrückstandsgehalten von insgesamt 0,73 mg/kg (Probe mit elf Stoffen) beziehungsweise 11,98 mg/kg (Probe mit zwölf Stoffen) nicht zu beanstanden, weil keine der einzelnen Höchstmengen überschritten wurde. Das Problem der Mehrfachrückstände wird teilweise sehr emotional und kontrovers diskutiert, insbesondere auf Grund noch lückenhafter Kenntnisse über mögliche additive Wirkungen der unterschiedlichen Stoffe im menschlichen Organismus.

Tabelle mit den Ergebnissen im Detail (PDF, 12 KB)

Die Abbildung zeigt, dass in allen Proben Rückstände festgestellt wurden. Zwei Proben enthielten nur einen Rückstand. Zwei Rückstände wurden in vier Proben nachgewiesen, drei Rückstände in zwei Proben. In sechs Kopfsalaten wurden jeweils vier unterschiedliche Stoffe detektiert. Eine Probe enthielt fünf Rückstände, zwei Proben sieben Stoffe. Acht, elf und zwölf Stoffe wurden jeweils einmal in den Kopfsalat-Proben ermittelt.

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Kopfsalat (01/2008 – 04/2008)

Fazit

In den im Zeitraum Januar bis April 2008 untersuchten Kopfsalatproben wurden durchgehend Rückstände nachgewiesen, keine der Proben war rückstandsfrei. Hinsichtlich des Gesamtrückstandsgehaltes waren die von Januar bis April 2008 beprobten Kopfsalate stärker belastet als im vergangenen Jahr, auch wenn sie im Vergleich zu den Kopfsalaten 2007 anteilig weniger Höchstmengenüberschreitungen aufwiesen und in Bezug auf die durchschnittliche Rückstandszahl nahezu übereinstimmten. Bei einer Probe konnten aufgrund der Überschreitung des akute Referenz-Dosis -Wertes gesundheitliche Risiken nicht mehr mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Allgemein zählt somit der in dem vorliegenden Zeitraum untersuchte Kopfsalat auch weiterhin zu den stark belasteten Gemüsesorten.

Mehr zu diesem Thema

Allgemeine Informationen zum Thema