Neuartiges Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

Hintergrund

Am 31.12.2019 berichtete die städtische Gesundheitskommission von Wuhan (WMHC) erstmals über einen Ausbruch von Pneumonien in der chinesischen Metropole Wuhan (11 Millionen Einwohner), Provinz Hubei in China. Der Ausgangspunkt des Ausbruchs mit einem neuartigen Coronavirus scheint ein am 01.01.2020 geschlossener Fischmarkt in Wuhan zu sein, wo außer Fischen auch andere Tiere wie Geflügel, Fledermäuse und Wildtiere verkauft wurden.

Erreger

Als Auslöser dieser neuen, von der WHO mittlerweile als COVID-19 (coronavirus disease 2019) benannten Erkrankung wurde am 07.01.2020 das neuartige Coronavirus 2019-nCoV identifiziert. Das Virus gehört wie MERS-CoV und SARS-CoV zu den β-Coronaviren. Aufgrund seiner engen genetischen Verwandtschaft mit dem SARS-Erreger wird 2019-nCoV mittlerweile offiziell als SARS-CoV-2 bezeichnet.

Coronaviren können relativ leicht ihr Wirtsspektrum erweitern und die Artengrenze überspringen. Die bekannten humanpathogenen Coronavirus-Spezies (HCoV) fallen in zwei Genera:

  • Alphacoronavirus
    • HCoV-229E
    • HCoV-NL63
  • Betacoronavirus
    • HCoV-HKU1
    • HCoV-OC43

Diese vier Spezies zirkulieren weltweit endemisch. Sie verursachen vorwiegend milde Erkältungskrankheiten, können aber mitunter schwere Pneumonien hervorrufen, vor allem im frühen Kindesalter sowie bei alten und immunsupprimierten Menschen.

Die ebenfalls zum Genus Betacoronavirus gehörenden Spezies SARS-CoV, MERS-CoV und SARS-CoV-2 sind erst vor kurzer Zeit aus tierischen Reservoirs auf den Menschen übergetreten. Es handelt sich daher also um zoonotische Infektionen, d. h. die Viren überschreiten eine Speziesbarriere. Diese Viren können beim Menschen auch schwer verlaufende Infektionen, meist der Atemwege, auslösen. Insbesondere bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen kann es auch zu Todesfällen kommen. In Zusammenhang mit der ursprünglichen Häufung von Pneumonien bei Aufenthalt bzw. Tätigkeit auf dem Fischmarkt in Wuhan werden Mensch-Tier-Kontakte als mögliche Quelle für das SARS-CoV-2 angenommen, wobei die genaue Quelle noch ungeklärt ist.

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wurde vom Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) mit Beschluss 1/2020, letztmalig aktualisiert am 08.12.2020 in Risikogruppe 3 mit der Kennzeichnung „Z“ eingruppiert. Die Kennzeichnung „Z“ weist darauf hin, dass es sich um einen zoonotischen Erreger handelt, der zwischen Tier und Mensch übertragbar ist.

SARS-CoV-2 verwendet das zellmembranständige Enzym ACE-2 als Rezeptor, um in die Wirtszellen zu gelangen; unterstützt wird der Zelleintritt durch die zelluläre Protease TMPRSS2 und andere Proteasen. ACE-2 und TMPRSS2 werden auf hohem Niveau im Nasenepithel koexprimiert, wodurch man sich die effiziente Vermehrung in und Ausscheidung von SARS-CoV-2 aus den oberen Atemwegen erklärt. Eine ebenfalls hohe Dichte an ACE-2 findet sich in Darmschleimhautzellen, der Innenauskleidung der Blutgefäße (Endothel), dem Nierenepithel und Herzmuskelzellen. Histopathologische Studien zeigen einen Organtropismus u.a. für Lunge, Darm, Niere, Herz und ZNS (zentrales Nervensystem).

COVID-19 kann sich daher in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren. Die Manifestationsorte sind u. a. von der Dichte der ACE-2-Rezeptoren in den Geweben abhängig, die dem Virus den Eintritt in die Zelle ermöglichen. Neben direkten zellschädigenden Effekten durch die Virusvermehrung im Gewebe tragen auch überschießende Immunreaktionen sowie Durchblutungsstörungen in Folge einer Hyperkoagulabilität zu schweren Verläufen einer COVID-19-Erkrankung bei.

Von der Stadt Wuhan und der Provinz Hubei ausgehend, hat das Virus zuerst China erfasst und sich dann rasant auf allen Kontinenten ausgebreitet, so dass die WHO dieses Infektionsgeschehen seit dem 11.03.2020 als Pandemie einstuft.

Aktuelle weltweite Fallzahlen veröffentlicht die WHO. Das RKI weist auf seiner Homepage Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete (RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete durch das Auswärtige Amt, BMG und BMI ) aus, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder mit Virusvarianten von SARS-CoV-2 besteht.

Übertragbarkeit

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ist bei engem Kontakt direkt oder als Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragbar. Übertragungsfähig sind sowohl präsymptomatisch und symptomatisch als auch asymptomatisch Infizierte.

Der genaue Zeitraum, in dem Ansteckungsfähigkeit besteht, ist noch nicht klar definiert. Als sicher gilt, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit um den Symptombeginn am größten ist und dass ein erheblicher Teil von Transmissionen bereits etwa 1 – 2 Tage vor dem Auftreten erster klinischer Symptome erfolgt. Zudem ist gesichert, dass bei normalem Immunstatus die Kontagiosität im Laufe der Erkrankung abnimmt, und dass aber schwer erkrankte Patienten mitunter länger infektiöses Virus ausscheiden als Patienten mit leichter bis moderater Erkrankung. Nach derzeitigem Kenntnisstand geht bei leichter bis moderater Erkrankung die Kontagiosität 10 Tage nach Symptombeginn deutlich zurück. Bei schweren Krankheitsverläufen und bei Vorliegen einer Immunschwäche können Patienten auch noch erheblich länger als 10 Tage nach Symptombeginn ansteckend sein.

Die Infektion erfolgt vor allem als Tröpfcheninfektion, also die Übertragung über Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen sowie beim Atmen und, Sprechen oder Singen entstehen und bei Unterschreitung des Mindestabstands von 1,5 m leicht auf die Schleimhäute von Nase und Mund gelangen. Die Übertragung als Schmierinfektion und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen sind zumindest theoretisch möglich.

Ein weiterer wichtiger Übertragungsweg besteht durch Aerosole in der Raumluft. Beim Atmen und Sprechen, aber noch weitaus stärker beim Schreien und Singen werden vorwiegend kleine Partikel (Aerosole) ausgeschieden, beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich deutlich mehr größere Tröpfchen. Während insbesondere größere respiratorische Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können die kleineren Aerosole - auch über längere Zeit - in der Luft schweben und sich in geschlossenen Räumen verteilen. Ob und wie schnell die Tröpfchen und Aerosole absinken oder in der Luft schweben bleiben, ist neben der Größe der Partikel von einer Vielzahl weiterer Faktoren, u.a. der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit, abhängig. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder einer FFP2-Maske kann das Risiko einer Übertragung durch Partikel jeglicher Größe im unmittelbaren Umfeld um eine infizierte Person reduzieren.

Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in dem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief oder häufig einatmen. Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole im Raum ist das Einhalten des Mindestabstandes zur Infektionsprävention ggf. nicht mehr ausreichend. Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern. Geschlossene Räume sollten daher regelmäßig und ausgiebig gelüftet werden. Übertragungen im Außenbereich kommen insgesamt selten vor.

Grundsätzlich gelten das Abstandhalten zu anderen Personen, das Einhalten von Hygieneregeln, das Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Masken sowie Lüften (AHA + L-Regel) als wichtige Maßnahmen, die insbesondere auch die Übertragung von (noch) nicht erkannten Infektionen verhindern.

Virusvarianten

Bei Viren kann es im Zuge ihrer Vermehrung zu punktweisen Veränderungen an einzelnen Nukleotiden (Basen) im Viruserbgut (Genom) kommen. Die Entstehung solcher Mutationen ist ein natürlicher Vorgang, der auch bei SARS-CoV-2 zur Entstehung verschiedener Mutanten geführt hat. Von einer Variante spricht man dagegen, wenn sich eine Viruslinie von SARS-CoV-2 etabliert hat, die sich von anderen Linien durch ihr Mutationsprofil unterscheidet. I.d.R. unterscheiden sich Varianten durch mehrere Mutationen an verschiedenen Stellen des Virusgenoms.

Derzeit liegt bei SARS-CoV-2 das Hauptaugenmerk auf mehreren Varianten, sogenannten VOCs (variants of concern), die im Verdacht stehen, aufgrund einer verbesserten Virus-Rezeptor-Bindung leichter von Mensch zu Mensch übertragbar zu sein und möglicherweise die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zu beeinträchtigen. .

Es handelt sich um folgende VOCs:

  • Alpha :B.1.1.7 (erstes Auftreten in Großbritannien)
  • Beta: B.1.351 (erstes Auftreten in Südafrika)
  • Gamma: B.1.1.28.1 (erstes Auftreten in Brasilien)
  • Delta: B.1.617.2 (erstes Auftreten in Indien) VOC Delta wird zur besseren phylogenetischen und epidemiologischen Nachverfolgung seit August 2021 anhand kleiner genetischer Unterschiede in Sublinien mit dem Präfix AY (z. B. AY.9) aufgeteilt. Die Sublinien werden aktuell zur Sublinie Delta gezählt.
  • Omikron: B.1.1.529 (erstes Auftreten in Botswana und Südafrika)

Nachdem die Variante Alpha zu Beginn des Jahres 2021 zur in Deutschland vorherrschenden Variante geworden war, wurde diese Variante seit etwa Mitte Mai durch die Variante Delta verdrängt. Derzeit ist die Variante Delta zur dominierenden Variante geworden und macht mittlerweile nahezu 100 % aller untersuchten Stämme aus.
Die Varianten Alpha, Beta und Gamma spielen epidemiologisch keine Rolle.
Erste Fälle der Variante Omikron wurden reiseassoziiert mittlerweile in mehreren Ländern, darunter auch in Deutschland und Bayern nachgewiesen. mittlerweile in Deutschland und auch in Bayern nachgewiesen. Phylogenetische Untersuchungen zeigen, dass die Variante Omikron unabhängig von der derzeit dominierenden Variante Delta entstanden ist. Sie besitzt im Vergleich zum ursprünglichen SARS-CoV-2 eine ungewöhnlich hohe Zahl von ca. 30 Aminosäureänderungen im Spike-Protein. Experten befürchten daher, dass diese neue Variante über die Fähigkeit für eine stärkere Übertragbarkeit und/oder zur Beeinträchtigung der Wirksamkeit der Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 verfügen könnte. Inwieweit dies tatsächlich zutrifft, bedarf weiterer genauer Beobachtung und Untersuchung. Die ECDC schätzt das Risiko für eine weitere Einschleppung und Verbreitung innerhalb der EU als hoch ein.

Eine kontinuierliche Surveillance von in Deutschland vorkommenden Varianten ist notwendig. Mit sogenannten variantenspezifischen PCRs (vPCR) können positive Proben auf einzelne Mutationen geprüft werden, die einen Hinweis auf das Vorliegen einer der fünf VOCs geben. Dieser Verdacht sollte dann - zumindest stichprobenweise - über eine Gesamtgenomsequenzierung bestätigt werden. Bei Verdacht auf das Vorliegen der Variante Omikron sollte derzeit in jedem Fall eine Bestätigung durch Gesamtgenomsequenzierung erfolgen. Weiterhin dient die Gesamtgenomsequenzierung dazu, die Verbreitung anderer Variantenals der VOCs zu beobachten.Gemäß der Coronavirus-Surveillanceverordnung (CorSurV) sollen inzidenzabhängig 5 – 10% aller positiven Proben in jedem Fall sequenziert werden.

Das RKI definiert darüber hinaus sogenannte "variants of interest", deren Vorkommen und geographische Ausbreitung ebenfalls kontrolliert werden sollten.

Fälle in Deutschland bzw. Bayern

Nachdem Bayern als erstes Bundesland mit einem Ausbruch in einer Firma betroffen war, der auf die Stadt Wuhan zurückgeführt werden konnte, sind mittlerweile in allen Bundesländern Fälle nachgewiesen worden.

Übersichtskarte zu Coronavirusinfektionen in Bayern.

Eine tagesaktuelle Übersicht der Fallzahlen stellt das RKI auf seiner Seite „Fallzahlen in Deutschland und weltweit" zur Verfügung.

Patienten, die positiv auf das Virus getestet werden, werden entsprechend der Schwere ihrer Symptomatik gegebenenfalls in einem Krankenhaus medizinisch überwacht und bleiben bis zum Abklingen der klinischen Symptome und ihrer Kontagiosität isoliert. Die engen Kontaktpersonen werden von ihrem zuständigen Gesundheitsamt ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert. Sie bleiben vorsichtshalber für mindestens 14 Tage in häuslicher Isolierung und werden auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 getestet. Näheres regelt die AV Isolation. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Infektketten unterbrochen werden und sich das Virus nicht unkontrolliert in der Bevölkerung ausbreiten kann.

Darüber hinaus wird durch Hygienekonzepte in Krankenhäusern, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie durch die dort geltende Maskenpflicht ein Schutz besonders vulnerabler Gruppen sichergestellt. Mit dem Einschränkungen bei Veranstaltungen, durch Gebote zur Kontaktbeschränkung, zum Einhalten eines Mindestabstandes von 1,5 m und der Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Gebäuden und geschlossenen Räumen und dem öffentlichen Personenverkehr sollen die Ausbreitung des Virus und das Anwachsen der Fallzahlen verlangsamt werden. Dadurch sollen die Zahl der gleichzeitig Erkrankten so gering wie möglich gehalten und Belastungsspitzen im Gesundheitssystem vermieden werden. Generell wird darüber hinaus allen Bürgerinnen und Bürgern dringend empfohlen, derzeit ihre Kontakte zu anderen Menschen soweit als möglich einzuschränken sowie das Angebot zu einer Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2 anzunehmen und sich impfen zu lassen.

Symptome

Die Inkubationszeit von COVID-19 beträgt im Mittel 5-6 Tage mit einer Spannweite von 1 bis zu 14 Tagen. Die häufigsten klinischen Symptome einer Infektion mit SARS-CoV-2 umfassen nach derzeitigem Stand vor allem Husten und Fieber sowie schnupfenartige Symptome mit Rachenentzündung, Halsschmerzen, einer laufenden Nase, Atembeschwerden und Kurzatmigkeit sowie Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. In einigen Fällen wurde auch von Durchfall berichtet. Symptomlose Verläufe insbesondere bei jüngeren Infizierten kommen vor. Mindestens 80 % der Erkrankungen verlaufen mit milden bis moderaten Symptomen. Schwerere Erkrankungsverläufe kommen bei etwa 14 % der Patienten vor und verlaufen mit Lungenbeteiligung bis hin zur Pneumonie in etwa 3% der Fälle. In Einzelfällen ist ein akutes Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome, ARDS) möglich, wobei es insbesondere bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen zu Todesfällen kommen kann. Eine spezifische Therapie existiert bisher nicht. Die Therapie erfolgt somit abhängig von der Schwere der Erkrankung symptomatisch. Mittlerweile sind mehrere Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 entwickelt und zugelassen und werden zur Immunisierung der Bevölkerung eingesetzt.

Risikogruppen für schwere Verläufe

Schwere Verläufe sind eher selten, können aber auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet.
Bei folgenden Personengruppen werden nach Angaben des RKI schwere Krankheitsverläufe häufiger beobachtet:

  • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für einen schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren; 85% der in Deutschland an COVID-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter [Altersmedian: 82 Jahre])
  • Männliches Geschlecht
  • Raucher (schwache Evidenz)
  • stark adipöse (übergewichtige) Personen
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, ohne Rangfolge:
    • des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
    • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
    • chronische Nieren- und Lebererkrankungen
    • psychiatrische Erkrankungen (z. B. Demenz)
    • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Patienten mit einer Krebserkrankung
    • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen und herabsetzen können, wie z. B. Cortison)

Nachweis

Eine Testung ist grundsätzlich bei symptomatischen Personen entsprechend der Empfehlungen des RKI sowie im Rahmen der differentialdiagnostischen Abklärung empfohlen, wenn ein klinischer Verdacht besteht aufgrund von Anamnese, Symptomen oder Befunden, die mit einer COVID-19-Erkrankung vereinbar sind und eine Diagnose für eine andere Erkrankung fehlt, die das Krankheitsbild ausreichend erklärt (siehe auch Flussschema des RKI). Die Diagnostik ist am LGL etabliert und erfolgt nur auf Veranlassung des Gesundheitsamts.

Das humanvirologische Labor des LGL war eines der ersten Public-Health-Mikrobiologie-Laboratorien in Deutschland, das die PCR-Untersuchung auf das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 nach dem Protokoll des Konsiliarlabors für Coronaviren an der Charité Berlin etabliert hat.

Begründete Verdachtsfälle, die labordiagnostisch abgeklärt werden müssen, sind:

  1. Personen mit akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere und/oder Verlust von Geruchs-/ Geschmackssinn bei ALLEN Patienten unabhängig von Risikofaktoren
  2. Personen mit Kontakt zu einem bestätigtem COVID-19 Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn UND jegliche mit COVID-19 vereinbare Symptome.
  3. Personen mit klinischen oder radiologischen Hinweisen auf eine virale Pneumonie UND Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtung/Krankenhaus

Als Probenmaterial aus den tiefen Atemwegen eignen sich:

  • Bronchoalveoläre Lavage
  • Sputum (nach Anweisung produziert bzw. induziert)
  • Trachealsekret

Als Probenmaterial aus den oberen Atemwegen eignen sich:

  • Nasopharynx-Abstrich, -Spülung oder -Aspirat
  • Oropharynx-Abstrich

Idealerweise werden Proben aus den oberen und tiefen Atemwegen gewonnen.
Werden Oro- und Nasopharynx abgestrichen, sollten die Tupfer in einem Medium-Röhrchen vereinigt werden, um die Nachweiswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Bei Abstrichen ist zu beachten, dass für den Virusnachweis geeignete Tupfer verwendet werden ("Virustupfer" mit flüssigem Transportmedium verwenden - keine Bakterientupfer mit agarhaltigen Transportmedien).

Alle Proben sollten das Labor schnellstmöglich nach Entnahme erreichen. Erfolgt dies voraussichtlich innerhalb von 72 Stunden, kann die Probe bei 4°C gelagert und wenn möglich gekühlt versendet werden.

Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus. Falsch-negative Ergebnisse können z. B. aufgrund schlechter Probenqualität, unsachgemäßem Transport oder ungünstigem Zeitpunkt (bezogen auf den Krankheitsverlauf) der Probenentnahme nicht ausgeschlossen werden. Wenn ein Patient mit begründetem Verdacht auf Infektion in der initialen PCR negativ getestet wird, sollte mit dem Labor eine erneute Probenentnahme und -untersuchung abgesprochen werden. Das am besten geeignete Untersuchungsmaterial ist vom Zeitpunkt der Entnahme im Verlauf der Erkrankung abhängig. Bei tiefen Atemwegsinfektionen ist die alleinige Testung von Probenmaterial aus dem Oro- und Nasopharynx zum Ausschluss einer Infektion nicht geeignet, da in dieser Phase der Erkrankung ggf. nur Material aus dem unteren Respirationstrakt oder Stuhl in der PCR positiv sind. Falsch-negative Ergebnisse können z. B. aufgrund schlechter Probenqualität, unsachgemäßem Transport oder ungünstigem Zeitpunkt (bezogen auf den Krankheitsverlauf) der Probenentnahme nicht ausgeschlossen werden. Wenn ein Patient mit begründetem Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion in der initialen PCR negativ getestet wird, sollte mit dem Labor eine erneute Probenentnahme und -untersuchung abgesprochen werden.

Einschätzung durch die WHO

Die WHO hat am 30.01.2020 das Ausbruchsgeschehen mit dem neuen Coronavirus ( SARS-CoV-2) zu einer sogenannten Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite erklärt. Dies versetzt die WHO in die Lage, Empfehlungen zur Seuchenbekämpfung auszusprechen. Die weitere Entwicklung führte dazu, dass die weltweite Ausbreitung von COVID-19 am 11.03.2020 von der WHO zu einer Pandemie erklärt wurde.

Risikobewertung für Bayern

Nach einem Anstieg der Fälle im 1. Quartal 2021 und deutlich rückläufigen 7-Tage-Inzidenzen und Fallzahlen im Bundesgebiet und in Bayern seit Ende April in allen Altersgruppen steigt die Fallzahl beginnend mit dem Urlaubs- und Ferienende im Spätsommer derzeit wieder rasch an. Davon sind mittlerweile alle Altersgruppen, betroffen. Die Fallzahlen sind höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ein weiterer Anstieg der Infektionszahlen ist zu erwarten. Gründe dafür sind unter anderem die noch immer große Zahl ungeimpfter Personen sowie mehr Kontakte in Innenräumen. Auch die Zahl der Todesfälle zeigt eine steigende Tendenz. Die Zahl schwerer Erkrankungen an COVID-19, die im Krankenhaus evtl. auch intensivmedizinisch behandelt werden müssen, steigt ebenfalls wieder an.

Es lassen sich nicht mehr alle Infektionsketten nachvollziehen, Ausbrüche treten in vielen verschiedenen Umfeldern auf. Häufungen werden momentan vor allem in Privathaushalten und in der Freizeit (z.B. im Zusammenhang mit Reisen) beobachtet. Übertragungen und Ausbrüche finden aber auch in anderen Zusammenhängen statt, z. B. im Arbeitsumfeld, in Schulen, bei Tanz- und Gesangsveranstaltungen und anderen Feiern, besonders auch bei Großveranstaltungen und in Innenräumen. COVID-19-bedingte Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern treten wieder zunehmend auf. Davon sind auch geimpfte Personen betroffen.

Die unkontrollierte Ausbreitung der Infektionen kann vermieden werden, wenn alle mit Hilfe der Infektionsschutzmaßnahmen die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus verlangsamen. Daher ist es weiterhin notwendig, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert, z. B. indem sie Abstands- und Hygieneregeln konsequent – auch im Freien – einhält, Innenräume lüftet und, wo geboten, eine Schutzmaske (Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Maske) korrekt trägt. Menschenansammlungen – besonders in Innenräumen – sollten möglichst gemieden werden. Auch der Schutz von Risikogruppen, wie z. B. Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen muss weiterhin konsequent verfolgt werden.

Die Impfung ist der beste Schutz gegen COVID-19. Nur bei einem hohen Anteil der vollständig Geimpften und einer niedrigen Zahl von Neuinfizierten in der Bevölkerung können viele Menschen, nicht nur Risikogruppen wie ältere Personen und Menschen mit Grunderkrankungen, sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen, intensivmedizinischer Behandlungsnotwendigkeit und Tod geschützt werden. Die Therapie schwerer Krankheitsverläufe ist dagegen komplex und langwierig.Mittlerweile sind innerhalb der EU mehrere Impfstoffe zugelassen. Bayern hat am 27.12.2020 mit den ersten Impfungen gegen das SARS-CoV-2 Virus begonnen.Gesetzliche Grundlage ist die Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 des Bundesgesundheitsministeriums.

Informationen zum Bayerischen Impfkonzept stellt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auf seinen Internetseiten zur Verfügung. Auch die Registrierung und das Vereinbaren eines Impftermins sind online über die Internetseiten der Bayerischen Impfzentren möglich.

Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung durch COVID-19 für die Gesundheit der nicht oder nur einmal geimpften Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein. Für vollständig Geimpfte wird die Gefährdung als moderat eingeschätzt, steigt aber mit zunehmenden Infektionszahlen an. Diese Einschätzung wird für die bayerische Bevölkerung auch von der Task Force Infektiologie des LGL geteilt.

Um Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich so weit wie möglich zu vermeiden, sind weiterhin gesamtgesellschaftliche Anstrengungen nötig. Dazu zählen Hygienemaßnahmen, wie das Einhalten von Husten- und Niesregeln und das Einhalten von Abstandsregeln und Maskenpflicht. Ebenso wird dringend empfohlen, die Möglichkeit der Impfung zu nutzen.
Alle Personen mit COVID-19-vereinbaren Symptomen sollten möglichst weitere Kontakte vermeiden, einen Arzt/Ärztin kontaktieren und zeitnah auf SARS-CoV-2 getestet werden. Grundsätzlich wird dringend geraten, direkte Kontakte zu Mitmenschen soweit als möglich zu minimieren und auf das absolut notwendige Maß zu begrenzen.

Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz (IfSG)

Gemäß dem Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom 19.05.2020 besteht für Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) eine Arzt-Meldepflicht nach §6 IfSG sowie für den direkten und indirekten Nachweis von SARS-CoV und SARS-CoV-2 eine Labor-Meldepflicht nach §7 IfSG, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen. Die Ergebnisse der variantenspezifischen PCRs und der Gesamtgenomsequenzierungen müssen ebenfalls nach §7 IfSG an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.

Über das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) werden Erregernachweise von SARS-CoV-2 elektronisch an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet. Die elektronische Meldung soll eine weitere Beschleunigung des Meldeverfahrens ermöglichen.

Prävention durch die Behörden

Die bayerischen Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung sehr genau. Sie stehen dabei in engem Kontakt mit dem Bund und den anderen Bundesländern. Koordiniert wird die Beobachtung der Lage in Deutschland durch das Robert Koch-Institut (RKI).

Alle bayerischen Gesundheitsämter werden laufend über das aktuelle Geschehen informiert und gebeten, auch die Ärzteschaft in den Kreisen, Städten und Gemeinden zu informieren.

Sowohl die WHO, die ECDC und das RKI als auch die für internationale Flughäfen zuständigen Landesgesundheitsbehörden in Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und deren örtlich zuständige Gesundheitsbehörden arbeiten sehr eng zusammen.

Die bayerischen Gesundheitsbehörden und Flughäfen sind für den Fall des Auftretens einer solchen Erkrankung im Flugreiseverkehr gut vorbereitet: Es existieren bewährte Alarmpläne, die im Ernstfall Anwendung finden. Genau geregelt ist zum Beispiel der Ablauf der Meldewege im Krankheitsverdachtsfall, die schnelle Betreuung von Patienten an Bord durch Ärzte und die Ermittlung von Kontaktpersonen.

In Bayern existiert eine 24-Stunden-/7-Tage-Rufbereitschaft der „Task Force Infektiologie Flughafen“ des LGL. Diese ist jederzeit einsatzbereit und mit eigenen Räumen am Flughafen München vertreten.