Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Brucellose beim Wild – aktuelle Nachweise 2017

Die Brucellose wird durch Bakterien der Gattung Brucella sp. verursacht, welche in neun Spezies mit insgesamt 16 Biovaren unterteilt werden. Es handelt sich um eine Zoonose, es können sich somit auch Menschen infizieren. Die Brucellose des Menschen ist laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Bei der Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, wobei Deutschland anerkannt frei von der Rinder-, Schaf- und Ziegenbrucellose ist. Infektionen durch Brucella suis bei Hausschweinen kommen sporadisch vor, in Bayern zuletzt 2015. Feldhasen und Wildschweine sind ebenfalls für Infektionen durchBrucella suis empfänglich und gelten als Reservoirwirte für den Erreger. Aufgrund einer vorrangigen Vermehrung des Erregers im Geschlechtstrakt kommt es bei einer Infektion zu Fertilitätsstörungen, zum Beispiel Unfruchtbarkeit, Früh- und Totgeburten sowie Aborten. Beim männlichen Tier stehen Veränderungen der Hoden und Nebenhoden im Vordergrund. Jedoch können auch andere Organsysteme betroffen sein und chronische, aber auch nicht in Erscheinung tretende (klinisch inapparente) Infektionen hervorrufen.

Untersuchungen

Im Jahr 2017 hat das LGL Proben von insgesamt 324 Tieren auf Brucellose untersucht, davon 28 Wildtiere bzw. Proben von Wildtieren. Brucellose hat das LGL bei zwei Wildschweinen und einem Feldhasen sowohl molekularbiologisch als auch kulturell nachgewiesen. In allen drei Fällen ergab die weitere Differenzierung des Erregers am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) Brucella suis Biovar 2 als ursächlichen Erreger.

Die Hoden der beiden Wildschweine waren jeweils einseitig stark vergrößert, was bei Vorliegen einer Brucellose regelmäßig zu beobachten ist. Pathomorphologisch stellten sich die Veränderungen als hochgradige eitrig-nekrotisierende Hodenentzündungen dar (siehe Abbildung).
Der an Brucellose erkrankte Feldhase wies Abszesse und granulomatöse Entzündungsherde in der Milz sowie in zahlreichen weiteren inneren Organen auf.
Die Nachweise von Brucella suis Biovar 2 bei drei Wildtieren im Jahr 2017 stehen im Einklang mit Nachweisen aus den vorangegangenen Jahren und bestätigen das Vorkommen des Erregers in der Wildtierpopulation verschiedener Landkreise Bayerns. Eine Aussage über die tatsächliche Prävalenz und Verbreitung des Erregers ist jedoch auf Basis dieser Daten nicht möglich, da kein systematisches Monitoring erfolgte. Aufgrund der nachgewiesenen Fälle von Brucellose bei Wildtieren ist von einem möglichen Infektionsrisiko für Haustiere, insbesondere für Schweine, auszugehen, wenn diese Kontakt zu Wildtieren haben. Da der Erreger auch auf den Menschen übertragbar ist, sollten sich Jäger und Personen, die Wildbret verarbeiten, einer möglichen Infektionsgefahr bewusst sein und entsprechende Schutzmaßnahmen beachten.