Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen

Erreger

Brucellen sind gramnegative, unbewegliche, kugelförmige (kokkoide) bis kurze Stäbchenbakterien von 0,5-0,7 x 0,6-1,5 µm. Sie wachsen unter aeroben (mit Sauerstoff) Bedingungen, manche Spezies benötigen jedoch eine erhöhte CO2-Sättigung (mikroaerophil) zum Wachstum.

Der Gattung Brucella gehören mehrere Spezies an, die sich morphologisch (aufgrund der Wuchsform) nicht voneinander unterscheiden lassen:

Milz eines Wildschweines mit Granulomen, bedingt durch Infektion mit Brucella suis.

Abbildung 2: Kolonien von Brucella abortus
auf Brucellen-Selektivagar

B. abortus, B. suis, B. melitensis, B. canis, B. ovis, B neotomae, B. cetaceae und B. pinnipediae. Jede einzelne Spezies lässt sich in weitere Biovaren unterschiedlicher Virulenz (Fähigkeit eine Erkrankung auszulösen) untergliedern. Trotz der starken Anpassung an einen Hauptwirt sind viele verschiedene Tierarten für eine Infektion empfänglich. In unseren Breitengraden sind die wichtigsten Vertreter: B. abortus (Hauptwirt Rind), B. suis (Hauptwirt Schwein) und B. melitensis (Hauptwirte Schaf und Ziege), die alle auch für den Menschen pathogen sind (Zoonose).

Vorkommen

Brucellen kommen weltweit vor, jedoch oftmals mit regionaler Häufung (z.B. B. melitensis bevorzugt in südeuropäischen Ländern). Sie kommen nicht nur in der Haustierpopulation, sondern auch bei Wildtieren vor - dann oftmals mit eigenständigen Infektketten innerhalb der Wildtierpopulation (Feldhasen, Wildschweine).

In Deutschland gelten die Rinderbestände sowie die Schaf- und Ziegenbestände als amtlich frei von B. abortus bzw. B. melitensis. Zur Aufrechterhaltung dieses Freiheitsstatus sind Bekämpfungsmaßnahmen wie die regelmäßig durchzuführenden Untersuchungen von Blut- und Milchproben gemäß der Verordnung zum Schutz gegen die Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen in der aktuell gültigen Fassung erforderlich.

Übertragung

Die wichtigsten Infektionsrouten sind der Deckakt und die orale Infektion. Hohe Erregermengen werden von infizierten weiblichen Tieren über Fruchtwasser und Eihäute sowohl bei Aborten als auch bei Normalgeburten ausgeschieden. Männliche Tiere können über das erregerhaltige Sperma zu einer Verbreitung des Erregers beitragen. Daneben können auch Milch, Harn, Kot und Nasensekret erregerhaltig sein. Über Läsionen der Schleimhäute gelangen die Brucellen dann in den Organismus.

Krankheitsbild Tier

Rinderbrucellose/enzootischer Abort

hervorgerufen durch B. abortus beim Hauptwirt Rind führt zu Aborten in der 2. Trächtigkeitshälfte. Daneben können auch Gelenks- und Sehnenscheidenentzündungen oder Euterentzündungen auftreten. Infizierte Bullen können an einer Hoden- und/oder Nebenhodenentzündung erkranken und unfruchtbar werden.

Schaf- und Ziegenbrucellose

Aufgrund einer Infektion mit B. melitensis kommt es bei Schaf und Ziege gleichermaßen zu den unter Rinderbrucellose beschriebenen Symptomen.

Hingegen betrifft eine Infektion mit B. ovis primär den Schafbock. Hierbei kommt es zu einer ein- oder beidseitigen Nebenhodenentzündung. Die Ausscheidung beim männlichen Tier erfolgt über Sperma und Harn. Bei den in Folge des Deckakts infizierten weiblichen Tieren kommt es zu Aborten oder zur Geburt lebensschwacher Lämmer. Eine Ausscheidung des Erregers ist dann auch über Vaginalsekret und Milch möglich.

Schweinebrucellose

Eine Infektion mit B. suis führt zu verschlechterter Fruchtbarkeit oder Aborten sowie Abszessen in der Gebärmutter. Beim Eber kann es zu Hodenentzündungen und Gelenksentzündungen kommen.

Krankheitsbild Mensch

Die Übertragung kann durch den Kontakt zu erregerhaltigem Material (z.B. Geburtshilfe beim Rind) wie im Falle der durch B. abortus hervorgerufenen Bang-Krankheit (Morbus Bang) erfolgen. Oder durch die Aufnahme erregerhaltiger Lebensmittel (z.B. Rohmilch und daraus hergestellte Produkte) wie im Falle des durch B. melitensis hervorgerufenen Malta-Fiebers. Auch die Inhalation von infektiösen Aerosolen (z.B. durch die Schlachtung und Verarbeitung von Tierkörpern zur Lebensmittelproduktion, insbesondere Feldhasen oder Wildschweine) wie im Falle der Infektion mit B. suis ist ein möglicher Übertragungsweg.

Neben Kopf- und Gliederschmerzen treten Schüttelfrost und Fieber auf. Typisch für eine Infektion mit Brucellen ist ein wellenförmiger Fieberverlauf über mehrere Wochen hinweg. Charakteristisch ist hierbei die abendliche Fieberzacke.

Diagnostik

Aus Organmaterial abortierter Feten, Geschlechtsorganen adulter Tiere, aus Eihautteilen sowie Tupferproben kann eine kulturelle Anzucht versucht werden. Die Anzucht ist anspruchsvoll und dauert mindestens 7 Tage. Daneben ist auch ein Erregernachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) möglich.

Zur Überwachung der Brucellosefreiheit, aber auch im Rahmen des Tierhandels, werden serologische Tests von Tankmilchproben (nur Rind) und Blutproben (alle Tierarten) durchgeführt. Für die Untersuchung von Blutproben auf das Vorhandensein erregerspezifischer Antikörper stehen die Komplementbindungsreaktion (KBR), der Rose-Bengal-Test (RBT) und der Enzym-gekoppelte Antikörpernachweis (ELISA) zur Verfügung. Zur Untersuchung von Milchproben eignet sich lediglich der ELISA.

 

Gesetzliche Regelungen, ReferenzlaborGrundlagen

Die Brucellosen der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen sind anzeigepflichtige Tierseuchen.

Verordnung zum Schutz gegen die Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen (Brucellose-Verordnung) in der aktuell gültigen Fassung.

Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen in der aktuell gültigen Fassung.