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  • Polychlorierte Biphenyle (PCB): Hintergrundinformationen

    VIS-Artikel (nicht aktualisiert/überarbeitet) Chemischer Aufbau von 2,3,4,4,5-Pentachlorbiphenyl

    Unter der Bezeichnung Polychlorierte Biphenyle (PCB) fasst man mehr als 200 verschiedene, stets in Gemischen auftretende chemische Verbindungen zusammen, die aus Biphenyl mit einer unterschiedlichen Anzahl (1–10) an Chloratomen bestehen. Nach ihrer erstmaligen Synthese im Jahr 1929 wurden die PCB über Jahrzehnte weltweit in großen Mengen produziert. Aufgrund ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften (u. a. schwer entflammbar, sehr stabil, hoch viskos) setzte man sie in den verschiedensten technischen Bereichen ein, z. B. als Weichmacher in Lacken, Kunststoffen und Baumaterialien, wie auch als Hydraulikflüssigkeit und Isolator für Transformatoren und Kondensatoren.

    Wirkung auf Gesundheit und Umwelt

    Die schädlichen Auswirkungen der PCB für Gesundheit und Umwelt wurden erstmals in den Sechzigerjahren erkannt, als mit der Gaschromatographie ein empfindliches Nachweisverfahren zur Verfügung stand. Es zeigte sich, dass sich die PCB weit über die Zivilisation hinaus in die Umwelt ausgebreitet hatten.

    Das Gefährdungspotenzial der PCB liegt vor allem in ihrer langsamen Abbaubarkeit, sowohl in der Umwelt als auch in Lebewesen. Als gut fettlösliche Substanzen reichern sie sich – ähnlich den Organochlorpestiziden (z. B.DDT) – sogar noch im Organismus an, sodass im Verlauf der Nahrungskette bis hin zum Menschen (Problem Muttermilch) ein Anstieg der PCB-Belastung zu verzeichnen ist. Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass bei unvollständiger Verbrennung von PCB die stark toxischen Dioxine und Furane gebildet werden.

    PCB können die Gesundheit schädigen. Ihre akute Toxizität für Mensch und Tier ist zwar gering, langfristig kann es jedoch durch Speicherung im Körperfett zu Störungen des Immunsystems und anderer Organfunktionen kommen. Eine umfassende gesundheitliche Bewertung der PCB wird durch den Umstand erschwert, dass es sich um komplexe Mischungen zahlreicher Einzelstoffe mit stark unterschiedlichem toxischen Potenzial handelt. Eine besonders wichtige Rolle spielen hierbei die sogenannten dioxinähnlichen PCB (dl-PCB), die in ihrer Toxizität den Dioxinen gleichen und deshalb zusammen mit diesen einer speziellen Höchstmengenregelung unterworfen sind (Verordnung (EG) Nr. 1881/2006: Kontaminanten-Höchstgehalte-VO). Die nicht-dioxinähnlichen PCB (ndl-PCB) sind deutlich weniger toxisch und unterliegen daher einer separaten Höchstmengenregelung in derselben Verordnung.

    Maßnahmen des Staats zum Schutz der Verbraucher

    Die zahlreichen negativen Eigenschaften der PCB führten zunächst im Jahr 1978 zu einem Verbot der PCB in offenen Systemen, dem 1989 ein vollständiges Verkehrs- und Anwendungsverbot folgte (PCB-Verbotsverordnung, 1993 Übernahme in die Chemikalien-Verbotsverordnung). Aufgrund von Altlasten aus früheren Jahren muss jedoch immer noch mit Problemfällen durch PCB gerechnet werden, wie zuletzt Meldungen über kontaminierte Schulgebäude zeigten.

    Um die Aufnahme von PCB über die Nahrung zu begrenzen, wurden im Jahr 1989 im Rahmen der sogenannten Schadstoff-Höchstmengen-Verordnung für alle Lebensmittel tierischen Ursprungs Grenzwerte festgelegt. Etwas später folgte auch eine entsprechende Regelung für Futtermittel. Aktuell sind für sechs Verbindungen aus der Gruppe der nicht-dioxinähnlichen PCB, die als Indikatoren für die PCB-Gesamtbelastung herangezogen werden, sowie für zwölf PCB-Kongenere, die in ihrer toxischen Wirkung den Dioxinen ähneln (dl-PCB), zusammen mit den Dioxinen jeweils Summen-Höchstgehalte in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 festgelegt.

    Eintrittspfadein die Nahrungskette

    Die Kontamination von Lebensmitteln mit PCB erfolgt primär über die weite Verbreitung dieser Stoffe in der Umwelt. Daraus resultiert eine Grundbelastung, die je nach Lebensmittel und Region variieren kann. Als Folge des Anwendungsverbots für PCB ist dieses Belastungsniveau in den letzten Jahren bei den meisten Erzeugnissen erheblich zurückgegangen. Waren noch vor etwa 15 Jahren in allen tierischen Fetten deutliche PCB-Gehalte nachweisbar, so liegen diese nunmehr bereits für die meisten Erzeugnisse an der Nachweisgrenze.

    Diese rückläufige Tendenz wird am Beispiel der Gehalte von PCB 153 (Höchstmenge 0,05mg/kg) in Milchfett deutlich. Im Bundesdurchschnitt sanken die Werte von 0,012 mg/kg im Jahr 1986 über 0,007 mg/kg (1992) auf 0,003 mg/kg (2001). Bei einigen Erzeugnissen (z. B. Schweinefleisch, Eier) bilden Proben mit nachweisbaren PCB-Rückständen mittlerweile bereits die Ausnahme.

    Diese erfreuliche Entwicklung ist in gleichem Maße auch bei ausländischen Produkten festzustellen.

    Über diese sehr niedrige Grundbelastung hinaus können jedoch außergewöhnliche Kontaminationen von Futtermitteln zu erhöhten PCB-Gehalten in Nahrungsmitteln bis hin zu Höchstmengenüberschreitungen führen. So führten z. B.PCB-haltige Anstriche in älteren Futtersilos zu einer starken PCB-Belastung der Futtermittel und infolgedessen zu Höchstmengenüberschreitungen bei fettreichen Milchprodukten. Derartige Altlasten konnten in der Vergangenheit durch umfangreiche Untersuchungen weitestgehend erkannt und als Kontaminationsquellen beseitigt werden. Dass intensive Kontrollen jedoch auch weiterhin notwendig sind, zeigte z. B. der Skandal um belgische Lebensmittel im Jahr 1999. Hier waren mit PCB (und auch Dioxinen) verunreinigte Ölabfälle zu Futtermitteln verarbeitet worden und dadurch in die Nahrungskette gelangt. Die Folge war ein Anstieg der PCB-Gehalte in Geflügelfleisch und Eiern bis über die zulässigen Grenzwerte.

    Welche Lebensmittel sind hauptsächlich mit PCB belastet?

    Der Mensch nimmt PCB zum geringen Teil über die Atemluft, hauptsächlich jedoch über die Nahrung auf. Pflanzliche Lebensmittel spielen hierbei kaum eine Rolle. Ihre Kontamination ist durchwegs so gering, dass PCB mit den üblichen Messmethoden nicht mehr nachweisbar sind.

    Anders stellt sich die Situation bei Lebensmitteln tierischer Herkunft dar. Infolge des Anreicherungseffektes können hier bereits geringe Verunreinigungen des Futters zu beträchtlichen PCB-Gehalten in Fleisch, Milch und Eiern führen.

    Erfreulicherweise sind nur wenige Lebensmittel zu nennen, die grundsätzlich etwas höhere PCB-Gehalte aufweisen. Es handelt sich hierbei vorwiegend um Fische. Ausschlaggebend für die PCB-Belastung des Lebensmittels Fisch ist neben der Gewässergüte vor allem der Fettgehalt des verzehrten Erzeugnisses (meist Muskelfleisch). Unabhängig von der Herkunft sind im Fleisch von sehr mageren Fischen (z. B. Seelachs, Thunfisch bzw. Barsch, Hecht, Zander) nur geringste Spuren von PCB zu finden (die Schadstoffe liegen hier konzentriert in der fettreichen Leber vor). Mit zunehmenden Fettanteil steigen auch die PCB-Gehalte. Die höchsten Werte treten deshalb in den besonders fettreichen Fischarten auf. Aus der Gruppe der Meeresfische zählen hierzu beispielsweise Makrele, Lachs und Heilbutt. Die zulässigen Grenzwerte werden jedoch bei Weitem nicht erreicht.

    Zu den fettreicheren Fischarten in einheimischen Binnengewässern zählen u. a. Barben und Karpfen, insbesondere jedoch die Aale, die mit Fettgehalten von 20–30 % eine Sonderstellung einnehmen. Im Vergleich zu den Seefischen können diese Fische sehr viel höhere PCB-Gehalte aufweisen. Die Schadstoffbelastung hängt hier in hohem Maße von der Wasserqualität ab, die je nach Lebensraum stark unterschiedlich sein kann. Höhere PCB-Werte sind häufig bei Fischen zu beobachten, die in Flussabschnitten unterhalb von Kläranlagen beheimatet sind. Hier können in Einzelfällen, insbesondere bei Aalen, auch Grenzwertüberschreitungen auftreten.

    Umweltbelastungen ist auch das Wild verstärktem Maße ausgesetzt. Aufgrund des meist sehr mageren Fleisches sind die PCB-Gehalte – auch bei Importware – jedoch sehr gering. Ausnahmen hiervon können vereinzelt bei fettreichem Wildschweinfleisch auftreten, wenn die Tiere aus einem Gebiet mit erhöhter PCB-Kontamination stammen.

    Abgesehen von den wenigen genannten Problemfällen ist die aktuelle Belastungssituation positiv zu bewerten. Die Anwendungsverbote für PCB haben mittlerweile zu einem erheblichen Rückgang dieser Schadstoffe in Lebensmitteln und in der Folge auch in Muttermilch geführt.

    Aufgrund der problematischen und wohl kaum vollständig abzuklärenden, toxikologischen Eigenschaften müssen jedoch auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, um PCB-Altlasten aus der Nahrungskette fernzuhalten. Die zur Kontrolle notwendigen Untersuchungen von Lebensmitteln werden deshalb intensiv fortgeführt, teilweise auch im Rahmen eines bundesweiten Untersuchungsprogramms (Lebensmittel-Monitoring) und EU-weiter Erhebungen.