2. Epidemiologie

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste zeckenübertragene Infektionskrankheit in der nördlichen Hemisphäre.

Für Europa gibt es kaum offizielle Zahlen über die Häufigkeit der Lyme-Borreliose, da nur in einigen Staaten Meldepflicht für diese Zoonose besteht. Schätzungen der Inzidenz liegen bei 16 bis 140 / 100000 Einwohner pro Jahr .

In Europa deckt sich die Verbreitung der Überträgerzecke Ixodes ricinus mit dem Auftreten der Lyme-Borreliose. Stark Zecken-exponierte Personen (Waldarbeiter) haben häufig signifikant erhöhte Antikörpertiter aber selten eine Anamnese einer Lyme-Borreliose, d.h. die Mehrzahl der Infektionen verläuft vermutlich subklinisch und führt möglicherweise so zu einer "stillen Feiung". In den meisten europäischen Regionen liegen die durchschnittlichen Infektionsraten für I. ricinus bei 10-20%. Es bestehen allerdings deutliche Unterschiede in den Infektionsraten verschiedener Entwicklungsstadien der Zecke (adulte Tiere ca 20%, Nymphen ca 10% und Larven nur ca 1%).

Borrelien werden also in der Regel im Laufe des Entwicklungszyklus erworben und nur selten transovariell übertragen. Obwohl I. ricinus ein sehr breites Wirtsspektrum (z.B.. Mäuse, Vögel, Eidechsen, Reh- und Rotwild, Füchse, Kaninchen und Haustiere wie Rinder, Schafe, Hunde und Katzen) hat, stellen wahrscheinlich Mäuse ein wesentliches Erregerreservoir dar.

Die Enwicklungsstadien der Zecke, Durchseuchung mit Borrelien


Die frühen Manifestationen der Lyme-Borreliose, wie das EM und die akute Neuroborreliose, werden analog zur Zeckenaktivität am häufigsten von Frühsommer bis Herbst beobachtet; Spätmanifestationen der Lyme-Borreliose weisen keine typische saisonale Prävalenz auf . Die Inkubationszeiten liegen für das Erythema migrans bei Tagen bis Wochen, für die Manifestationen des Stadiums II bei Wochen bis Monaten und für das Stadium III (Spätmanifestationen) bei Monaten bis Jahren.