Trichinellose

Erreger

Die Erreger der Trichinellose sind Rundwürmer der Gattung Trichinella. Diese können alle Arten von Säugetieren infizieren. In Mitteleuropa spielen für die Übertragung Haus- und Wildschweine die größte Rolle.

Die bedeutendste Art bei Mensch und Tier ist Trichinella spiralis. Die Weibchen werden 3-4 mm, die Männchen 1-2 mm lang.


Verbreitung und Übertragungswege

Trichinella spiralis ist weltweit verbreitet. Die Übertragung und das Auslösen der Infektion erfolgt über die Larven (auch "Trichinen" genannt) in nicht durchgegartem Fleisch oder Produkten daraus (z. B. Rohwürste). Nach der Aufnahme und der Freisetzung aus dem Muskelfleisch bohren sich diese in das Darmepithel des Wirtes. Innerhalb von 30 Stunden erfolgt die Entwicklung zum erwachsenen Wurm und die anschließende geschlechtliche Vermehrung ("Darmphase"). Innerhalb von 1-6 Wochen werden ca. 1500 Larven lebend geboren. Diese verteilen sich über die Lymph- und Blutbahnen im ganzen Körper und dringen vorzugsweise in stark durchblutete Muskelzellen ein (Zwerchfell, Auge, Zunge) ("Muskelphase"). Innerhalb der folgenden 20 Tage erfolgt eine Umfangsvergrößerung auf das 10-fache, wobei sich die Muskelzelle zur Nährzelle ("Ammenzelle") umwandelt. Diese Erstlarve ist nach 8 Wochen infektiös und etwa 1 mm groß. Nach 5 Monaten beginnt eine Verkalkung der Zelle, die Larven bleiben jedoch vermutlich noch Jahre infektiös.

In Deutschland wurden in fünfzehn Jahren (2001-2015) durchschnittlich sechs Trichinose-Fälle beim Menschen pro Jahr gemeldet (Quelle: Robert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Abfragedatum: 27.08.2015). Meist handelt es sich um "importierte" Erkankungen. D. h., entweder haben sich die Patienten im Ausland infiziert oder sie haben unzureichend untersuchte Lebensmittel aus dem Ausland mitgebracht und verzehrt.

Von insgesamt 489 Mio. geschlachteten Hausschweinen inländischer Herkunft wurde in zehn Jahren (2003-2012) achtmal ein Trichinella-Befall diagnostiziert. Hierbei handelte es sich ausschließlich um Schweine aus kleinen Privathaltungen, wobei das Referenzlabor davon ausgeht ist, dass sich die Tiere während der Freilandhaltung durch das Fressen oder die Zufütterung von Fleisch infizierter Wildtiere mit Trichinellen infiziert haben (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung).

Im Gegensatz hierzu waren in den Jahren 2000-2009 von insgesamt 3,4 Mio untersuchten Wildschweinen 92 Tiere positiv. Die Trichinella-Prävalenz beim Wildschwein liegt somit je nach Jahr und Bundesland etwa bei 0,003% (Quelle: Nöckler et al., 2011 und Bundesinstitut für Risikobewertung).

Wie kann sich der Verbraucher schützen?

In Deutschland und der EU ist eine amtliche Untersuchung auf Trichinen sowohl für Haus- und Wildschweine als auch Pferde gesetzlich vorgeschrieben. Mittels amtlicher Methode untersuchtes Fleisch kann somit bedenkenlos - auch roh - verzehrt werden.

In vielen süd- und osteuropäischen Ländern ist jedoch die Prävalenz von Trichinella vor allem bei Wildschweinen deutlich höher als in Deutschland bzw. Mitteleuropa und es kann in manchen Ländern auch nicht immer von einer flächendeckenden Untersuchung ausgegangen werden. Daher sollten Urlauber vor allem in Süd- und Osteuropa beim Verzehr von rohem, lediglich gepökeltem oder geräuchertem Fleisch bzw. Fleischerzeugnissen Vorsicht walten lassen. Denn nur Temperaturen von mindestens 70 °C im Kern des Fleisches über eine Minute töten Trichinenlarven mit Sicherheit ab; Räuchern, Pökeln und Trocknen stellen hingegen keine ausreichend wirksamen Schutzmaßnahmen dar.

Prinzipiell gelten die Vorschriften zur Prävention der Trichinellose der Durchführungsverordnung (EU) 2015/1375 (vormals Verordnung (EG) Nr. 2075/2005 für alle EU-Mitgliedstaaten sowie für Fleisch aus Drittländern, welches in die EU importiert wird gleichermaßen, jedoch sollte vor allem bei rohem Wildschweinefleisch - und auch Wildschweinsalami - genau auf die Herkunft geachtet oder bei zweifelhafter Herkunft lieber ganz auf den Verzehr verzichtet werden.

Ausführliche Informationen zum Thema Trichinellose finden Sie auch auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts und des BfR:

Krankheitsbild

Abbildung 2: Trichinella spiralis-Larven im Sediment nach Durchführung der Verdauungsmethode.

Abbildung 2: Trichinella spiralis-Larven im Sediment nach Durchführung der Verdauungsmethode

Der Schweregrad einer Erkrankung ist von der Anzahl der aufgenommenen Larven abhängig. Bei geringem Befall verlaufen die Infektionen asymptomatisch. Bei stärkerem Befall kann es 2 bis 7 Tage nach der Infektion zu Durchfällen und abdominellen Beschwerden kommen. Nach etwa einer Woche treten dann hohes Fieber, Schüttelfrost, ausgeprägte Myalgien und periorbitale Ödeme auf. Weitere Symptome sind Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Schluckstörungen, trockener Husten und schmerzhafte Bewegungsstörungen der Augenmuskeln.

Beim Schwein verläuft die Infektion meist symptomlos. Bei einem starken Darmbefall kann es zu katarrhalischen Darmentzündungen mit Durchfällen kommen. Je nach Befallsstärke können in der Muskelphase Myositis und Lahmheit auftreten.

Diagnostik

Die Diagnose einer Trichinellose beim Menschen erfolgt durch den Nachweis von Trichinella-Larven (Mikroskopie) in Muskelbiopsien oder anderen klinischen Materialien, durch einen IgM-Antikörper-Nachweis oder dem Nachweis eines Anstiegs von IgG-Antikörpern oder Antikörpern in der Komplementbindungsreaktion (KBR).

Aufgrund des hohen zoonotischen Potenzials ist für die empfänglichen Tierarten (z. B. Haus- und Wildschweine, Pferde) bei der Schlachtung eine Untersuchung auf Trichinellen gesetzlich vorgeschrieben. Dazu wird dem Tierkörper eine Fleischprobe, meist aus dem Zwerchfell, entnommen und im Labor mittels der sog. "Verdauungsmethode" untersucht. Hierbei wird die Verdauung des Fleisches im Magen mit Hilfe von Wasser, Wärme, Salzsäure und dem Verdauungsenzym Pepsin künstlich simuliert. Die Larven werden dadurch aus der Muskulatur freigesetzt und können mikroskopisch nachgewiesen werden.

Literatur

Nöckler, K., Reckinger, S., Schulze, Ch., Mayer-Scholl, A. (2011): Trichinellen bei Mensch und Tier – aktuelle Aspekte. Rundschau für Fleischhygiene und Lebensmittelüberwachung 63, 85-87

Lebensmittelhygiene: Ausnahmen von der amtlichen Trichinenuntersuchung (Bundesinstitut für Risikobewertung (PDF, 51 KB)

In Deutschland gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Region mit einem
vernachlässigbaren Trichinella-Risiko (Bundesinstitut für Risikobewertung)
(PDF, 186 KB)

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