Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Balantidiose

Erreger und Übertragungsweg

Balantidium coli ist der größte humanpathogene einzellige Parasit (Protozoon) und erreicht eine Größe von bis zu 200 μm (1/5 Millimeter). Er kommt im Dickdarm von Menschen und Tieren, besonders bei Schweinen, vor.

Die Vermehrungsform ist der so genannte Trophozoit (50-200 μm), der sich durch Längsteilung vermehrt und sehr empfindlich ist. Die Dauerform ist die so genannte Zyste (50-80 μm), die vom Wirt ausgeschieden wird und im feuchten Milieu wochenlang infektiös bleibt.

Die Aufnahme der Zysten erfolgt mit kontaminierter Nahrung oder Wasser (die direkte Übertragung von Tieren auf den Menschen spielt vermutlich keine oder nur eine sehr geringe Rolle). Im Dünndarm erfolgt die Exzystierung, wonach die Trophozoiten das Kolon besiedeln.

Vorkommen

Balantidium coli ist weltweit verbreitet. Die Erkrankung beim Menschen ist selten und kommt hauptsächlich besonders in den Tropen und Subtropen vor. Beim Schwein können jedoch auch in Europa Saugferkel zu über 50% befallen sein. Im Alter von 4 Wochen wurden Befallsraten von 100% berichtet [O. Hindsbo et al., Acta Vet Scand 41 (2000), 79-83].

Krankheitsbild

Erkrankung beim Mensch:

Die Balantidose zeigt ein sehr variables Krankheitsbild, das von völliger Symptomlosigkeit bis zur fulminanten Kolitis reichen kann. Seltene, schwere Verläufe sind klinisch nicht von einer Amöbenruhr zu unterscheiden (Diarrhöen mit Blut- und Schleimbeimengungen). Schleimhautulzera, Abszesse und Perforationen sind möglich. Die chronische Form, bei der eine Ausscheidung von Zysten und Trophozoiten erfolgt, ist durch abwechselnde Phasen von Diarrhö und Konstipation gekennzeichnet.

Erkrankung beim Schwein:

Balantidien sind nur fakultativ pathogen und leben normalerweise als harmlose Kommensale im Blinddarm des Schweines. Die Infektion erfolgt daher in der Regel symptomlos. Nach Schädigung der Darmwand durch andere Faktoren können die Balantidien jedoch in die Darmzellen eindringen und klinische Symptome hervorrufen. Diese gehen mit dünnflüssigem, breiigem oder blutigem Kot einher und können mitunter lebensbedrohlich verlaufen.

Diagnostik

Der Erregernachweis erfolgt durch einen Stuhl- oder Kot-Ausstrich, wobei im geformten und nicht ganz frischem Stuhl oder Kot nur Zysten nachweisbar sind. Bei Tieren ist auch der Nachweis von Zysten mittels Flotation üblich. Bei akutem Durchfall können im Nativpräparat des frischen Stuhls oder Kots auch die großen, beweglichen Trophozoiten gefunden werden. Ferner kann ein Nachweis von Trophozoiten auch in Bioptaten der Darmulzera gelingen.

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