Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Enzootischer Campylobacter-Abort des Rindes (Vibrionenseuche der Rinder)

Erreger

Campylobacter fetus gehört zur Gattung Campylobacter. Dabei handelt es sich um gramnegative, bewegliche Schraubenbakterien, die unter mikroaerophilen Bedingungen, also bei reduzierter Sauerstoffspannung optimal wachsen (siehe Abbildung 1). Campylobacter fetus ssp. (subspezies) venerealis ist der Erreger des Enzootischen Campylobacter-Abort des Rindes, während Campylobacter fetus ssp. fetus als Ursache seuchenhafter Aborte beim Schaf besonders an diese Tierart adaptiert ist, aber auch bei Rind und Schwein sporadisch Aborte auslösen kann.

Campylobacter fetus (Nativpräparat, 1000fach) Abbildung 1: Campylobacter fetus (Nativpräparat, 1000fach)

Vorkommen und Übertragungswege

Campylobacter fetus ssp. venerealis ist besonders an die Schleimhäute des Genitaltraktes des Rindes adaptiert. Er besiedelt die Präputialschleimhaut des Bullen, wobei diese Besiedlung lebenslang anhalten kann. Vor allem über den Deckakt kommt es zur Übertragung auf die weiblichen Rinder, wo der Erreger auf der Vaginalschleimhaut parasitiert. Insbesondere durch konsequenten Aufbau erregerfreier Bullenbestände, künstliche Besamung und Deckhygiene ist die Seuche in Deutschland weitgehend getilgt. In Bayern konnte der Erreger in den letzten Jahren nur selten in Präputialspülproben von Besamungsbullen nachgewiesen werden.

Krankheitsbild

Die Infektion mit Campylobacter fetus ssp. venerealis führt beim Bullen niemals zu einer klinischen Erkrankung. Der Bulle ist damit symptomloser Überträger. Beim weiblichen Tier führt aber eine Besiedlung der Gebärmutter von der Scheide aus zu einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis). Damit wird die Implantation der befruchteten Eizelle verhindert bzw. kommt es im frühen Trächtigkeitsstadium der ersten zwei bis drei Wochen zu einem Absterben und zur Resorption des Embryos. Die weiblichen Tiere fallen vor allem durch häufiges Umrindern und verlängerte Zwischenkalbezeiten auf. Ein schleimig-eitriger Vaginalausfluss kann vorhanden sein. Aborte kommen in jedem Trächtigkeitsstadium vor (Schwerpunkt: vierter bis sechster Trächtigkeitsmonat).

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch Anzucht des Erregers aus Präputialspülproben, Vaginalschleim oder Vaginalspülproben bzw. aus Abortmaterial. Dabei sind Plazenta und der Mageninhalt des Fetus besonders geeignet. Der Erreger ist außerordentlich transportempfindlich, sodass die Proben spätestens vier Stunden nach Entnahme im Labor bearbeitet werden müssen. Zur Einsendung von Präputial- und Vaginalspülproben ist das vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zur Verfügung gestellte Transportmedium gemäß Anleitung zu verwenden. Die Proben müssen spätestens vier Stunden nach der Gewinnung – jedoch nicht nach 14 Uhr – im LGL eintreffen. Der Transport erfolgt lichtgeschützt in temperaturisolierten Containern. Jegliche Bearbeitung der Proben (z. B. Zentrifugieren) ist ausschließlich dem Untersuchungslabor vorbehalten. Telefonische Voranmeldung ist erforderlich.

Gesetzliche Regelungen

Der Enzootischer Campylobacter-Abort des Rindes ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Seine Bekämpfung wird in der Rinder-Deckinfektionen-Verordnung geregelt.

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