Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Mineralölgehalte in Lebensmittelkontaktmaterialien sowie Mineralölübergänge aus Lebensmittelbedarfsgegenständen auf Lebensmittel

Mineralölbestandteile können über viele verschiedene Wege in Lebensmittel gelangen. Ein relevanter Beitrag entsteht durch die Verwendung von Lebensmittelverpackungen aus Altpapier oder mineralölhaltiger Farben für die Bedruckung von Lebensmittelverpackungen aus Papier und Karton. Die Mineralöle werden in zwei Stoffgruppen eingeteilt, in MOSH (mineral oil saturated hydrocarbons, gesättigte Mineralölkohlen-wasserstoffe) und in MOAH (mineral oil aromatic hydrocarbons, aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe). MOSH reichern sich in vielen Geweben des Körpers an. Im Tierversuch wurden entzündliche Reaktionen, verursacht durch MOSH, beobachtet. Bei der MOAH-Fraktion ist nicht auszuschließen, dass auch krebserregende Stoffe darin enthalten sind. Mineralölkontaminationen von Lebensmitteln sind daher unerwünscht, wobei dies insbesondere für MOAH gilt. Der Gesetzgeber arbeitet derzeit an einer Verordnung, die den Übergang von MOSH und MOAH aus Recyclingverpackungen auf Lebensmittel mit Grenzwerten belegen soll.

Das LGL hat im Rahmen eines Projekts Mineralölgehalte von Kartonverpackungen sowie der darin verpackten Lebensmittel ermittelt. Neben einer Erweiterung der Datenbasis sollte wenn möglich auch ermittelt werden, ob eine Entwicklung auf diesem Gebiet im Verlauf mehrerer Jahre zu erkennen ist.

Insgesamt wurden 53 Lebensmittel (Reis, Teigwaren, Müsli, Backmischungen, Grieß, Paniermehl, Adventskalenderschokoladen) in Kartonverpackungen auf Mineralölkontaminationen untersucht. In 40 der 53 Lebensmittel wurden MOSH nachgewiesen. Die gefundenen Gehalte führen auf Grundlage der derzeit verfügbaren toxikologischen Studien beim Verzehr dieser Lebensmittel jedoch nicht zu einer Gesundheitsschädigung. MOAH waren in 14 Lebensmitteln nachweisbar, wobei nur in vier Fällen die Verpackung als Kontaminationsquelle in Frage kommt. Aufgrund fehlender toxikologischer Daten für MOAH lässt sich das tatsächliche Gefährdungspotential der MOAH-positiven Lebensmittel derzeit nicht abschätzen. Die Verpackungen von 48 der 53 Proben waren so aufgebaut, dass ein Mineralölübergang verhindert oder zumindest minimiert wird, das heißt, hier wurde entweder Frischfaserkarton verwendet oder der Recyclingkarton durch einen Innenbeutel oder eine Beschichtung mit wirksamen Barriere-Eigenschaften vom Lebensmittel getrennt. Insgesamt ist, verglichen mit Daten des BMELV aus dem Jahr 2010, eine Verbesserung der Situation erkennbar. Frischfaserkartons enthielten bei den vorliegenden Untersuchungen des LGL im Mittel 68% weniger MOSH als 2010. Der Mineralölgehalt von Recyclingverpackungen hat sich zwar nach den vorliegenden Ergebnissen nicht wesentlich verändert, allerdings wurden 2010 noch bei über der Hälfte der untersuchten Recyclingverpackungen keine wirksamen Barrieren eingesetzt.

Die durch das vorliegende Projekt geschaffene Erweiterung der Datenbasis soll es mittelfristig ermöglichen, eine Einschätzung vorzunehmen, welche Mineralölgehalte (insbesondere MOAH) in Lebensmitteln durch gute Herstellungspraxis vermeidbar sind. Die Ergebnisse wurden zudem dem BMEL zur Verfügung gestellt und damit ein potentieller Beitrag zur Schaffung von Grenzwerten geleistet.