Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Vitamin E-Präparate – Untersuchungsergebnisse 2007

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat 15 hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel auf ihren Vitamin E-Gehalt untersucht. Alle Proben waren überdosiert: 31 bis 63 % über dem deklarierten Wert.

Das LGL empfiehlt grundsätzlich keine Nahrungsergänzung mit Vitaminen jenseits der empfohlenen täglichen Aufnahmemenge (hier ca. 10 bis 15 mg pro Tag), es sei denn dies wurde aufgrund einer besonderen Erkrankung ärzlich verordnet.

Hintergrund

In den vergangenen Jahren wurden bei Vitamin E-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln wiederholt überhöhte Gehalte dieses Vitamins festgestellt. Inwieweit immer noch überdosierte Vitamin E-Präparate im Handel sind, galt es daher zu überprüfen.

Untersuchungen

Bis auf eine Ausnahme (Vitaminbrausetablette) wurden Weichgelatinekapseln mit in Öl gelöstem Vitamin E untersucht. Gekennzeichnet waren die Substanzen RRR-α-Tocopherol oder Tocopherol-Acetat, durch die enthaltenen pflanzlichen Öle sind aber auch β-, γ- und δ-Tocopherol zu erwarten.

Zur Untersuchung wurden je nach angegebenem Gehalt an Vitamin E ca. 0,06 bis 0,15 g Probensubstanz eingewogen und in 2-Propanol gelöst. Um alle Vitamin E- Derivate (α-, β-, γ- und δ-Tocopherol und Tocopherol-Acetat) bestimmen zu können, mussten diverse Verdünnungen der Probelösung erstellt und analysiert werden, da sonst nur der Hauptbestandteil quantifizierbar wäre.

Die Analyten in den Probelösungen und deren Verdünnungen wurden nach chromatographischer Trennung über eine RP 18 Säule und Methanol als Laufmittel mit einem Fluoreszenzdetektor (Ex 295 nm; Em 330nm; α-, β-, γ- und δ-Tocopherol) mittels HPLC und einem DAD-UV-Detektor (Tocopherol-Acetat bei 285 nm) gemessen. Die Quantifizierung erfolgte mit externen Standards anhand einer Kalibrierfunktion.

In einigen Proben konnten wie erwartet neben den angegebenen Hauptbestandteilen RRR-α-Tocopherol oder Tocopherol-Acetat, in geringen Mengen β-, γ- und δ-Tocopherol gefunden werden. Die Konzentrationen führten aber nicht zu einer signifikanten Erhöhung des Gesamtgehalts an Vitamin E.

Ergebnis

Die gemessenen Gehalte an Vitamin E lagen zwischen 190 mg und 888 mg pro Kapsel (bezogen auf die deklarierten Substanzen RRR-α-Tocopherol oder Tocopherol-Acetat). In allen Fällen überschritten die Werte deutlich die angegebenen Gehalte (31 bis 63 %).

Die Arbeitsgruppe "Fragen der Ernährung" der Lebensmittelchemischen Gesellschaft hat Toleranzüberschreitungen für Nährstoffe vorgeschlagen. Dabei sollte die erforderliche Überdosierung gegenüber Nährwertkennzeichnung nicht mehr als 50 % betragen (Abbildung 1, orange Markierung).

Übersicht der 15 untersuchten Vitaminpräparate. Schwarz sind die deklarierten, gelb die gefundenen Gehalte der deklarierten Hauptbestandteile dargestellt. Die orangefarbene Markierung zeigt deren 50 % Überdosierung, angegenebn RRR-α-Tocopheroläquivalente. 1 Milligramm RRR-α-Tocopherol entspricht 1,49 Milligramm Tocopherol-Acetat

Abbildung 1: Übersicht über die 15 untersuchten Vitaminpräparate

Für die Bewertung der Wirkung muss berücksichtigt werden, dass die fünf zugrunde liegenden Substanzen α-, β-, γ- und δ-Tocopherol und α Tocopherol-Acetat im Verhältnis 100:50:25:1:67 wirken. Für eine gesundheitliche bzw. ernährungsphysiologische Beurteilung werden daher RRR-α-Tocopheroläquivalente (eine gewichtete Summe aller Tocopherole) der Tagesverzehrsmenge (Menge RRR-α-Tocopheroläquivalent pro Kapsel x max. empfohlene Anzahl Kapseln pro Tag) herangezogen (Abbildung 2).

Vergleich der empfohlenen Verzehrsmenge, UL und NOAEL mit der Tagesverzehrsmenge laut Herstellerempfehlung anhand der festgestellten gehalte in RRR-α-Tocopheroläquivalenten (a-Toc-AE); Probe 9: 1 bis 2 Kapseln empfohlen

Abbildung 2: Vergleich der empfohlenen Verzehrsmenge

Bewertung

Die vorliegenden Proben enthalten Mengen von Vitamin E, die erheblich über der empfohlenen Tagesaufnahmemenge von 10 bis 15 mg liegen (Expert Group on Vitamins and Minerals, 2003; Domke et al., 2004). Eine solch hochdosierte Vitamintherapie entbehrt jedweder naturwissenschaftlichen Grundlage, es ist vielmehr jüngst gezeigt worden, dass eine erhöhte Zufuhr als Nahrungsergänzung mit antioxidativ wirkenden Substanzen (Vitamin A,C,E, Carotin, Selen) sogar tendenziell eher eine verkürzende Wirkung auf die Lebenserwartung hat (Bjelakovic et al., 2007).

Der gesetzlich vorgegebene Beurteilungsrahmen für die Lebensmittelbehörden ist jedoch nicht an sinnvollen Tagesmengen bemessen, sondern richtet sich danach, ob noch eine schadlose Aufnahme möglich ist. Selbst dies ist hier in einigen Fällen nicht gegeben. Die wissenschaftlich festgelegte tägliche Höchstmenge (safe upper level, "UL") des Scientific Committee on Food (SCF) der EU, also die Menge, die schadlos ein Leben lang täglich zugeführt werden kann, liegt bei 270 mg (gerundet 300 mg) (Scientific Committee on Food, 2003). Diese Menge ist halb so groß (Sicherheitsfaktor 2 zur Berücksichtigung besonders empfindlicher Menschen = Intraspeziesvariabilität), wie die kleinste Menge von 540 mg/Tag, für die noch eine nebenwirkungsfreie Aufnahme durch Menschen experimentell gezeigt werden konnte (NOAEL= no observed adverse effect level). Bei Mengen die darüber liegen, ist bereits mit unerwünschten Wirkungen wie zunehmende Gerinnungsneigung, Muskelschwäche oder Müdigkeit zu rechnen.

Das LGL empfiehlt grundsätzlich keine Nahrungsergänzung mit Vitaminen jenseits der empfohlenen täglichen Aufnahmemenge (hier ca. 10–15mg pro Tag), es sei denn dies wurde aufgrund einer besonderen Erkrankung ärztlich verordnet.

Literatur

  • ARBEITSGRUPPE "FRAGEN DER ERNÄHRUNG". Empfehlungen zu Toleranzen für Nährstoffschwankungen bei der Nährwertkennzeichnung. Lebensmittelchemie 52; 25 (1998).
  • BJELAKOVIC G, NIKOLOVA D, GLUUD LL, SIMONETTI RG & GLUUD C. (2007). Mortality in randomized trials of antioxidant supplements for primary and secondary prevention: systematic review and meta-analysis. Jama 297, 842–857.
  • DOMKE A, GROßKLAUS R, NIEMANN B, PRZYREMBEL H, RICHTER K, SCHMIDT E, WEIßENBORN A, WÖRNER B & ZIEGENHAGEN R, ed. (2004). Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln, vol. 03. Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin.
  • EXPERT GROUP ON VITAMINS AND MINERALS. (2003). Safe Upper Levels for Vitamins and Minerals. Food Standards Agency.
  • SCIENTIFIC COMMITTEE ON FOOD. (2003). Opinion of the Scientific Committee on Food on the Tolerable Upper Intake Level of Vitamin E (SCF/CS/NUT/UPPLEV/31 Final, expressed on 4 April 2003).

Wir danken Frau M. Cornelius für die sorgfältigen Analysen.

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