Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Olivenöl „nativ extra“ - Untersuchungsergebnisse 2018

Hintergrund

Olivenöl ist ein wichtiger Bestandteil der mediterranen Küche und ist wegen seines unverwechselbaren Geschmacks und seiner propagierten ernährungsphysiologischen
Eigenschaften auch in Deutschland sehr beliebt. Auf der Einzelhandelsstufe dürfen nur die vier Kategorien „Natives Olivenöl Extra“, „Natives Olivenöl“, „Olivenöl – bestehend aus raffinierten und nativen Olivenölen“ und „Oliventresteröl“ vermarktet werden. Die meisten der am Markt angebotenen Olivenöle sind mit der Kategorie „nativ extra“, der höchsten Qualitätsstufe, ausgelobt. Da gutes Olivenöl teuer und der Bedarf an qualitativ hochwertigem Olivenöl nicht immer zu decken ist, kommen immer wieder Verfälschungen oder Mischungen mit minderwertigem Öl vor. Aus diesen Gründen untersucht das LGL regelmäßig stichprobenartig die Qualität von Olivenölen. Basis dafür ist die Verordnung (EWG) Nr. 2568/91. Hier sind physikalische, chemische und sensorische Merkmale von Olivenölen und Oliventresterölen, die Verfahren zu ihrer Bestimmung sowie Grenzwerte für diese Parameter festgelegt. Ebenso wird die Einhaltung allgemeiner sowie spezieller Kennzeichnungsvorschriften überprüft.

Untersuchungsergebnisse


Das LGL untersuchte im Jahr 2018 insgesamt 129 Olivenöle auf Qualität und Identität. Davon waren 125 (97 %) Öle als „nativ extra“ ausgelobt. Die Beanstandungsquote betrug insgesamt 45,7 %, bei den 108 in Bayern entnommenen Proben 49,1 %.

Verfälschungen

Bei sechs Proben hat das LGL Verfälschungen mit anderen Ölen festgestellt. Zwei dieser Proben waren im Großhandel und vier in Gaststätten entnommen worden. Nachforschungen ergaben, dass fünf dieser Proben vom selben Hersteller stammten und von einem Großhändler an Gaststätten in der näheren Umgebung vertrieben worden waren. Alle sechs Proben waren raffiniert und enthielten Öle vom Typ Soja- oder Sonnenblumenöl. Die Untersuchungsergebnisse und vorhandenen Lieferdokumente hat das LGL zur Weiterleitung an das Erzeugerland an die zuständige Bundesbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), gemeldet. Das LGL wird Olivenöle in Gaststätten auch weiterhin verstärkt im Blick behalten.

Lampant-Öle

Sechs Proben, darunter drei der mit anderen Ölen verfälschten Proben, hat das LGL aufgrund der bei der UV-Untersuchung ermittelten K232-Werte als Lampant- Öle und damit als nicht verkehrsfähig eingestuft. Solche Öle dürfen nicht an den Endverbraucher abgegeben werden.

Der K232-Wert ist ein in der VO (EWG) Nr. 2568/91 festgelegter Qualitätsparameter für native Olivenöle, der mit zunehmender Alterung durch oxidative Vorgänge ansteigt.

Sensorische Untersuchungen

Bei der sensorischen Untersuchung von 102 der fast ausschließlich als nativ extra ausgelobten Proben (davon 21 Amtshilfeproben aus anderen Bundesländern) bestätigte sich in 28 Fällen (27,5 %) die angegebene Qualitätsstufe. 39 Proben (38,2 %) wiesen eine sensorisch grenzwertige Beschaffenheit auf. Das LGL hat die Verantwortlichen auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Eindeutige sensorische Mängel, zum Beispiel gärige, muffige oder ranzige Noten, führten bei 35 Olivenölproben „nativ extra“ (34,0 %) zu Beanstandungen, weil sie nur die sensorischen Eigenschaften eines „nativen“ Olivenöls aufwiesen. Dazu gehörten auch sechs (28,6 %) der 21 Amtshilfeproben. Allein aufgrund der Sensorik war keines der untersuchten Öle als Lampantöl einzustufen. Bei 57 (44 %) der bezüglich der Kennzeichnung überprüften 129 Proben hat das LGL Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben festgestellt. Neben falschen Angaben zur Olivenölkategorie waren beispielsweise
die Gehalte von Fettsäuregruppen nicht vorschriftsgemäß oder nichtzutreffend deklariert. Weiterhin waren einzelne Kennzeichnungselemente nicht in deutscher Sprache angegeben bzw. nährwertbezogene Aussagen nicht zulässig oder korrekt.

Trend

Die Tabelle gibt einen Überblick über die Beanstandungsquoten in den Jahren 2015 bis 2017. Erfreulicherweise lagen die Beanstandungsquoten 2017 erneut niedriger als im Vorjahr, jedoch war der Anteil der sensorisch grenzwertigen und damit nicht wirklich guten Öle noch relativ hoch. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der als Lampantöl eingestuften bzw. mit anderen Ölen verfälschten Olivenöle. Da diese Öle zum großen Teil aus dem Großhandel oder aus Gaststätten stammten, wird das LGL seine Kontrollen in diesem Bereich verstärkt fortsetzen.

Tabelle: Beanstandungsquoten von Olivenöl
Jahr Alle Untersuchungen
mit Kennzeichnung
Sensorische
Untersuchungen
2015 76% 75%
2016 54% 49%
2017 42% 34%

 

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