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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Olivenöl „nativ extra“? Untersuchungsergebnisse 2017

Hintergrund

Olivenöl wird nach der Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 über Merkmale von Olivenölen und Oliventresterölen in acht verschiedene Qualitätsklassen eingeteilt. Auf der Einzelhandelsstufe dürfen nur die vier Kategorien „Natives Olivenöl Extra“, „Natives Olivenöl“, „Olivenöl – bestehend aus raffinierten und nativen Olivenölen“ und „Oliventresteröl“ vermarktet werden. Die Qualitätsparameter bezüglich physikalischer, chemischer und sensorischer Merkmale für sämtliche acht Olivenöl-Kategorien legt die oben genannte Verordnung fest. Außerdem gibt sie Analyseverfahren und Grenzwerte vor.

Native Olivenöle sind Öle, die ausschließlich durch mechanische oder sonstige physikalische Verfahren unter Bedingungen, die nicht zu einer Verschlechterung des Öls führen, gewonnen wurden und die keine andere Behandlung erfahren haben als Waschen, Dekantieren, Zentrifugieren und Filtrieren.

Qualitätsstufen

Natives Olivenöl Extra“, das Olivenöl der höchsten Qualitätsstufe, darf zudem keinerlei sensorische Fehler aufweisen. Bei „Nativem Olivenöl“ hingegen werden unter anderem leichte Mängel in Geruch und Geschmack akzeptiert. „Olivenöl – bestehend aus raffinierten und nativen Olivenölen“ und „Oliventresteröl“ hingegen sind Mischungen aus nativen Olivenölen und raffinierten Oliven- bzw. Oliventresterölen. Die meisten der in Deutschland verkauften Olivenöle werden als „Natives Olivenöl Extra“ vermarktet. Allerdings gehört Olivenöl laut einem Bericht des Europäischen Parlaments zur „Nahrungsmittelkrise, Betrug in der Nahrungskette und die entsprechende Kontrolle“ zu den am häufigsten gefälschten Lebensmitteln. Die Möglichkeiten der Verfälschung reichen von der Vermarktung von Olivenölen minderer Qualität als „Premiumprodukt“, von Mischungen von Olivenölen der Kategorie „nativ extra“ mit geringerwertigen bzw. anderen Ölen bis hin zum vollständigen Imitat, zum Beispiel Soja- oder Sonnenblumenöl mit färbenden Zusätzen. Eine umfassende Überwachung dieser Produkte ist somit wichtig. Wesentliche Überwachungsinstrumente stellen neben umfangreichen chemischen Analysen die sensorischen Untersuchungen durch das national zugelassene und vom Internationalen Olivenrat akkreditierte Olivenöl-Sensorikpanel des LGL dar.

Untersuchungsergebnisse

Das LGL untersuchte im Jahr 2017 insgesamt 116 Olivenöle, von denen 106 (91 %) als „nativ extra“ ausgelobt waren. Die Beanstandungsquote betrug dabei insgesamt 42 %, bei den 75 Proben aus Bayern (ohne Öle, die speziell auf Rückstände untersucht wurden) 49 %. Auch 2017 wies das LGL wieder Verfälschungen von Olivenölen mit anderen Ölen nach. Von diesen sechs Proben aus Bayern (8 %) stammten fünf aus dem Großhandel und eine aus einer Gaststätte. Sie waren raffiniert und enthielten in vier Fällen 25 bis 50 % Öle vom Typ Soja- oder Sonnenblumenöl. Zwei Proben bestanden vollständig aus Sojaöl. Das LGL hat die Ergebnisse zur Weiterleitung an die Erzeugerländer an die zuständige Bundesbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), gemeldet. Zwei weitere als „nativ extra“ bezeichnete Öle aus Gaststätten bestanden aus Oliventresteröl.

Sensorische Untersuchungen

Bei der sensorischen Untersuchung von 89 der fast ausschließlich als nativ extra ausgelobten Proben (davon 27 in Amtshilfe für andere Bundesländer bzw. EU-Mitgliedsstaaten) bestätigte sich in 19 Fällen (21 %) die angegebene Qualitätsstufe. Bei 40 Proben (45 %) mit sensorisch grenzwertiger oder auffälliger Beschaffenheit wurde der Verantwortliche auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Eindeutige sensorische Mängel, zum Beispiel gärige, muffige oder ranzige Noten, führten bei 30 Proben (34 %) zu Beanstandungen durch das Olivenöl-Sensorikpanel. Davon waren 24 Proben (27 %) in die nächstniedrige Kategorie „nativ“ einzustufen. Hierunter fielen auch sieben (26 %) der im Rahmen der Amtshilfe übermittelten 27 Proben. Sechs (7 %) der sensorisch untersuchten Proben stufte das Panel wegen starker Fehlnoten in die Kategorie Lampantöl ein, die nicht im Einzelhandel vermarktet werden darf und als nicht zum Verzehr geeignet beurteilt wird. Zwei dieser Proben waren bereits bei der chemischen Untersuchung wegen Raffination bzw. Verfälschung mit anderem Öl aufgefallen.

Rückstände und Kontaminanten

41 Olivenöle aus verschiedenen Qualitätsstufen untersuchte das LGL auch zusätzlich bzw. ausschließlich auf Rückstände und Kontaminanten, zum Beispiel Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle und Lösungsmittel. Hier waren in keinem Fall Grenzwertüberschreitungen festzustellen. Von den 13 auf Mineralölrückstände untersuchten Olivenölen wiesen sechs der elf Olivenöle nativ extra und beide Oliventresteröle nachweisbare Gehalte an aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) auf. Das LGL informierte die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden über die Befunde, um bei den Herstellern Maßnahmen zur Ursachenforschung und Behebung zu veranlassen.

Kennzeichnung

Bei 49 % der bezüglich der Kennzeichnung überprüften 75 Proben hat das LGL Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben festgestellt (einschließlich irreführender Angaben zur Olivenölkategorie wegen bereits beschriebener sensorischer Fehler). Beispielsweise wurden bei 22 Proben (29 %) die Gehalte von Fettsäuregruppen nicht vorschriftsgemäß deklariert. Weiterhin waren einzelne Angaben nicht in deutscher Sprache vorhanden. Außerdem fanden sich nicht korrekte oder nicht zulässige nährwertbezogene Aussagen.

Trend

Die Tabelle gibt einen Überblick über die Beanstandungsquoten in den Jahren 2015 bis 2017. Erfreulicherweise lagen die Beanstandungsquoten 2017 erneut niedriger als im Vorjahr, jedoch war der Anteil der sensorisch grenzwertigen und damit nicht wirklich guten Öle noch relativ hoch. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der als Lampantöl eingestuften bzw. mit anderen Ölen verfälschten Olivenöle. Da diese Öle zum großen Teil aus dem Großhandel oder aus Gaststätten stammten, wird das LGL seine Kontrollen in diesem Bereich verstärkt fortsetzen.

Tabelle: Beanstandungsquoten von Olivenöl
Jahr Alle Untersuchungen
mit Kennzeichnung
Sensorische
Untersuchungen
2015 76% 75%
2016 54% 49%
2017 42% 34%

 

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