Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Allergen Milcheiweiß

Milch ist ein durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenes Erzeugnis der normalen Eutersekretion von Tierarten, die zur Milcherzeugung gehaltenen werden. Gemäß dieser Definition schließt der Begriff Milch neben Kuhmilch, auch Milch anderer Tierarten wie Ziegen-, Schafs-, Stuten-, Eselsmilch etc. ein.

Milch dient als Ernährung des Nachwuchses, da sie einen hohen Nährwert hat und gut verdaulich ist. Die wichtigsten Bestandteile sind Milchzucker (Laktose), Proteine, Fette, Vitamine und Spurenelemente. Zu den Milchproteinen gehören Kasein wie alpha-Kasein, beta-Kasein, kappa-Kasein, Molkenproteine z.B. alpha- und beta-Laktoglobulin sowie weitere Proteine z.B. Laktoferrin. Die Zusammensetzung der Milch wird von verschiedenen Faktoren wie Tierrasse, Futter, Stadium der Laktation (unmittelbar nach der Geburt (Colostrum), spätere Zeitpunkte der Laktationsperiode) beeinflusst. Der Eiweißgesamtgehalt, der Gehalt an Kasein- und Molkenproteinen, das Verhältnis von Kasein- zu Molkenproteinen in Prozent, die Zusammensetzung an Einzelproteinen bei Kasein und Molkenproteinen sowie die Aminosäurezusammensetzung einzelner Eiweißstoffe hängen von der Tierspezies ab. Kuhmilch enthält etwa 3 bis 3,9 g Gesamtprotein pro 100 ml Milch. Davon stellen etwa 80 Prozent Kasein und 20 Prozent Molkeneiweiß dar. Eselsmilch dagegen hat einen niedrigeren Proteingehalt (1,4 bis 2,0 g/100 ml). Davon sind 56% Kaseinproteine und 48% Molkenproteine.

Häufigkeit, Verlauf der Milchallergie und Krankheitsbild

Kuhmilchallergie

Kuhmilch zählt zu den häufigsten Auslösern einer Nahrungsmittelallergie im frühen Kindesalter und tritt typischerweise innerhalb des ersten Lebensjahres auf. Am häufigsten zeigen sich die Symptome einer Kuhmilchallergie an der Haut: Typisch ist das Auftreten von Quaddeln, Rötungen, Juckreiz und Schwellungen nach Konsum von Milchprodukten. Auch Erbrechen, Durchfall oder Atemnot können Symptome einer Kuhmilchallergie sein. Sie kann schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxien) auslösen und in sehr seltenen Fällen tödlich verlaufen. Das Trinken von Kuhmilch kann eine bereits bestehende Neurodermitis (atopisches Ekzem) verschlechtern.

Auf die Lebenszeit bezogen liegt die Wahrscheinlichkeit für den Erwerb einer Kuhmilchallergie bei unter 1% . Meist verliert sich die Allergie bis zum Schulalter. Bei den betroffenen Kindern sollten Nahrungsmittelprovokationen in regelmäßigen Abständen laut aktuell gültiger Leitlinie z. B. alle 6, 12 oder 24 Monate (abhängig vom Lebensalter) durch einen Arzt wiederholt werden, um zu überprüfen, ob die Allergie noch vorliegt.

Eine Kuhmilchallergie kann im Erwachsenenalter vorkommen, ist aber sehr selten. Eine im Erwachsenenalter erworbene Kuhmilchallergie bleibt normalerweise lebenslang bestehen.

Sollte der Verdacht bestehen, dass bei einem Kind oder Erwachsenen eine Milchallergie vorliegt, so sollte dies in jedem Fall durch einen (Kinder-) Arzt mit entsprechender Weiterbildung (Allergologie) weiter abgeklärt werden.

Ziegen-, Schafsmilch-, Stutenmilch oder Eselsmilchallergie

Kinder mit bestehender Kuhmilchallergie zeigen häufig auch nach Trinken von Ziegen- und Schafsmilch allergische Reaktionen. Bei Kindern, die keine Kuhmilchallergie haben, sind Ziegen- und Schafsmilchallergien selten. In Einzelfällen zeigten sich bei Kindern, bei denen Sensibilisierungen auf andere Lebensmittelallergene wie z.B. auf Nüsse, Früchte, Senf bekannt waren, nach Gabe von geringen Mengen an Ziegen- oder Schafsmilch oder Milchprodukten wie Käse oder Joghurt z.T. schwere allergische Reaktionen.
Eselsmilch- und Stutenmilch-Allergie werden in Europa als sehr selten angesehen, weil nur wenige Kinder Milch dieser Tierarten erhalten und eine Kreuzreaktivität zu Kuhmilchproteinen seltener vorkommt, da die Proteine dieser Tierarten mit Kuhmilchproteinen nicht so eng verwandt sind.

Säuglinge mit Milchallergie

Um eine altersgerechte Entwicklung sicherzustellen, benötigen Kinder, bei denen die Kuhmilchallergie bereits im ersten Lebensjahr auftritt, eine therapeutische Spezialnahrung. Welche konkrete Nahrung hierfür gewählt wird, wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

Sojaformula können für Säuglinge unter 12 Monaten nicht empfohlen werden. Andere Sojaprodukte wie Sojadrink, Sojajoghurt, Tofu etc. können, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, nach dem ersten Lebensjahr als Kuhmilchersatz verwendet werden.

Allergene in der Milch

Kuhmilch enthält mehr als 20 allergene Proteine. Dazu gehören beta-Laktoglobulin, alphas2 -, alphas1- , kappa-Kasein, beta-Kasein, Laktoferrin und Serumalbumin. Häufig reagieren Betroffene auf mehrere Proteine mit allergischen Reaktionen.

Bei Ziegen- oder Schafsmilch sind insbesondere alphas2 -, alphas1 und beta-Casein für die allergischen Reaktionen verantwortlich. Diese Eiweißstoffe in Schafs- und Ziegenmilch ähneln denen der Kuhmilch.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu einzelnen Allergenen in Stuten- und Eselsmilch sind nicht veröffentlicht.

Milcheiweiß in Lebensmitteln

Ob Milch und Milchprodukte dem Körper ohne Bedenken zugeführt werden können, hängt davon ab, welche Proteine die Allergie auslösen. Unter ärztlicher Aufsicht kann ermittelt werden, ob und welche Milch- und Milchprodukte anderer Tierarten (Ziegen-, Schafs-, Stutenmilch) von Kuhmilchallergikern vertragen werden.

Bei Kuhmilchallergie empfiehl zwar die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FETeV) folgende Lebensmittel zu vermeiden:

  • alle Milchprodukte: Rohmilch, pasteurisierte Milch, H-Milch, Kondensmilch, Dickmilch, Süße Sahne, Saure Sahne, Schmand, Butter, Joghurt, Quark, Käse in jeglicher Form, Buttermilch, Kefir, Molke, Ayran, Lassi (auch laktosefreie Milchprodukte);
  • Käse, Rahm, Sahne, Joghurt;
  • Produkte mit Milchzusatz wie Eiscrème, Pudding, Crèmespeisen, Milchschokolade und Pralinen, Kaffeeweißer, Instantkaffeepulver, Fertigsoßen, Feingebäck etc.;
  • Fertiggerichte mit Milchprodukten wie Pizza, Fastfood, Pastasoßen, Rahmgemüse, Feinkostsalaten.

Durch Erhitzen kann sich die Proteinstruktur bestimmter Proteine so verändern, dass sie das Immunsystem nicht mehr als Allergene erkennt. Deshalb können nach EARCF die Mehrzahl der Kinder mit IgE-vermittelter Kuhmilchallergie Milchprodukte vertragen, die für 30 Minuten oder länger bei mindestens 180° C verarbeitet wurden. Kuhmilch in verbackener Form wird von einem Großteil der Kinder mit Kuhmilchallergie vertragen.
Auch andere Lebensmittel können potentiell allergen wirken, z.B. panierte Nahrungsmittel, Brot, Frühstücksflocken, Margarine, Fertigsuppen und Wurstwaren, wenn sie Milchproteine enthalten (s. Ballmer-Weber und Wüthrich 2001).

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