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Morphin und andere Opiumalkaloide in Speisemohn
- Was ist Morphin?
- Welche Auswirkungen haben Opiumalkaloide auf die Gesundheit?
- Wie kommen Morphin und andere Opiumalkaloide in Speisemohn?
- Welche gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte gibt es für Opiumalkaloide in Lebensmitteln?
- Wie hoch sind die Gehalte in Mohn und anderen mohnhaltigen Lebensmitteln?
- Literatur
- Mehr zu diesem Thema
Was ist Morphin?
Morphin ist das Hauptalkaloid des Opiums. Zu den Nebenalkaloiden gehören Codein sowie viele weitere Stoffe, die als Mohn- oder Opiumalkaloide bezeichnet werden können. Opium ist der an der Luft getrocknete Milchsaft unreifer Samenkapseln des Schlafmohns. Der Umgang mit Schlafmohn, Opium und einigen der Mohnalkaloide wie Morphin, Codein, Thebain und Oripavin unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Mohnsamen sind davon ausgenommen.
Welche Auswirkungen haben Opiumalkaloide auf die Gesundheit?
Durch Morphin wird die Schmerzempfindung stark gedämpft. Zu diesem Zweck wird es auch als Arzneimittel eingesetzt. Bei therapeutischer Dosierung weist Morphin vor allem folgende, unerwünschte Nebenwirkungen auf:
- Verminderung von Frequenz und Tiefe der Atmung (Atemzentrum von Säuglingen und Kindern reagiert besonders empfindlich auf Morphin, zu hohe Morphinmengen können zum Tod durch zentrale Atemlähmung führen),
- Verringerung von Aufmerksamkeit, Konzentrations- und Reaktionsvermögen (kann dazu führen, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zur Bedienung von Maschinen beeinträchtigt wird),
- Übelkeit und Erbrechen,
- Verengung der Pupille und damit einhergehend Verschlechterung der Sehfähigkeit,
- Veränderung der Stimmungslage in positiver (Euphorie) und negativer Richtung (Dysphorie),
- Verzögerung der Magenentleerung und Auftreten von mit Darmkrämpfen begleiteter Verstopfung,
- Harnverhalten bis zur Schädigung der Harnblase,
- plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufrichten.
Auch viele weitere Opiumalkaloide weisen starke pharmakologische Wirkungen auf und werden als Arzneimittel eingesetzt. Dazu zählen Codein, Noscapin oder Papaverin, mit schmerzstillenden, hustenstillenden oder krampflösenden Wirkungen sowie zahlreichen Nebenwirkungen. Das Alkaloid Thebain wird pharmakologisch nur als Ausgangssubstanz verwendet, Studien weisen aber auf eine potenzielle gesundheitsgefährdende Wirkung hin. [1]
Wie kommen Morphin und andere Opiumalkaloide in Speisemohn?
Mohnsamen stammen vom Schlafmohn (Papaver somniferum), also von der gleichen Pflanze, von der auch Opium gewonnen wird. Mohnsamen sind im Gegensatz zu den anderen oberirdischen Pflanzenteilen des Schlafmohns nahezu morphinfrei. Die Kontamination der Mohnsamen mit Morphin und anderen Opiumalkaloiden erfolgt bei der maschinellen Ernte durch Kontakt mit dem alkaloidhaltigen Milchsaft der Samenkapseln oder durch Kapselbruchstücke. Der Alkaloidgehalt von Speisemohn kann abhängig von der Mohnsorte, der geographischen Herkunft, dem Erntezeitpunkt und der Erntetechnik sehr unterschiedlich ausfallen.
Da Opiumalkaloide als Kontamination in Mohnsamen vorkommen, können sie in allen Lebensmitteln vorkommen, die Mohn als Zutat enthalten, insbesondere wenn die Lebensmittel einen hohen Mohnanteil aufweisen. Dies ist z. B. bei Mohnkuchen und Mohnstrudeln der Fall. Mohnbrötchen enthalten demgegenüber deutlich weniger Mohnsamen und somit zumeist niedrigere Gehalte an Opiumalkaloiden.
Welche gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte gibt es für Opiumalkaloide in Lebensmitteln?
Die Kontamination von Mohnsamen mit Opiumalkaloiden kann durch verschiedene Vorsichtsmaßnahmen auf ein Minimum reduziert werden. 2014 erschien dazu eine EU-Empfehlung über die gute Praxis zur Vermeidung und Verringerung des Vorhandenseins von Opiumalkaloiden in Mohnsamen und Mohnerzeugnissen (Empfehlung 2014/662/EU, siehe Links).
Um die Verbraucher und Verbraucherinnen vor unerwünscht hohen Mengen an Opiumalkaloiden zu schützen, wurden mit der Verordnung (EU) 2021/2142 zudem Höchstgehalte für Opiumalkaloide in Lebensmitteln festgelegt, die seit Juli 2022 gelten. Die in Verordnung (EU) 2023/915 aufgenommenen Höchstgehalte liegen bei 20 mg/kg für Mohnsamen, ganz oder gemahlen, die für den Endverbraucher in Verkehr gebracht werden, sowie bei 1,50 mg/kg für Backwaren, die Mohnsamen und deren Verarbeitungserzeugnisse enthalten. Der Höchstgehalt gilt dabei für die Summe von Morphin und Codein, wobei für den Codeingehalt ein Faktor von 0,2 eingerechnet wird. Diese Summenbildung entspricht dem Gehalt an Morphin-Äquivalenten, der auch zur toxikologischen Bewertung herangezogen wird.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) leitete 2018 für Morphin-Äquivalente eine akute Referenzdosis (ARfD) in Höhe von 10 µg pro Kilogramm Körpergewicht ab. [1, siehe Links] Aufnahmemengen bis zu dieser Höhe können als gesundheitlich unbedenklich angesehen werden. Für die anderen pharmakologisch wirksamen Opiumalkaloide konnten keine konkreten toxikologischen Beurteilungswerte abgeleitet werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt aber, ihre Gehalte in Mohnsamen auf das technologisch erreichbare Mindestmaß zu senken und rät insgesamt von einem übermäßigen Verzehr von Lebensmitteln ab, die viel Mohn enthalten, insbesondere während der Schwangerschaft. [2, siehe Links]
Wie hoch sind die Gehalte in Mohn und anderen mohnhaltigen Lebensmitteln?
Das LGL untersucht regelmäßig Mohn und Mohnerzeugnisse auf ihren Alkaloidgehalt. Aktuell (Stand März 2026) lassen die Untersuchungen erkennen, dass Mohnsamen, die im Handel direkt für Endverbraucher angeboten werden, den gültigen Höchstgehalt einhalten. Vereinzelt auffällige Gehalte werden allerdings bei sogenannten Business-to-Business-Produkten festgestellt, d.h. bei Mohn, der zur gewerblichen Weiterverarbeitung (z. B. zu Backzwecken) vorgesehen ist und nicht unmittelbar an Endverbraucher abgegeben wird. Eine intensive Weiterverarbeitung des Mohns kann zu einem Abbau der Mohnalkaloide während der Herstellung führen. Inwiefern die hohen Gehalte der Zwischenprodukte problematisch sind, lässt sich deshalb meist nur durch eine Untersuchung der daraus hergestellten Backwaren abschließend klären.
Bei der Untersuchung von Backwaren zeigt sich, dass Morphin in den meisten Proben zwar nachgewiesen werden kann, der Höchstgehalt jedoch nur in Einzelfällen erreicht oder überschritten wird. Mohnbrötchen weisen durchschnittlich niedrigere Gehalte an Opiumalkaloiden auf als feine Mohnbackwaren, wie Mohnkuchen oder Mohnschnecken.
Literatur
[1] European Food Safety Authority (EFSA): Update of the Scientific Opinion on opium alkaloids in
poppy seeds; EFSA Journal 2018;16(5):5243
[2] Mitteilung Nr. 018/2018 des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom 5. Juli 2018: Gehalte an pharmakologisch aktiven Opiumalkaloiden in Mohnsamen sollten auf das technologisch erreichbare Mindestmaß gesenkt werden

