Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

BAMBI 2007/2008 - Bayerisches Muttermilchmonitoring (Bavarian Monitoring of Breast Milk)

Das Projekt wurde vom Sachgebiet Chemikaliensicherheit und Toxikologie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet Spezielle Analytik im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit durchgeführt.

Hintergrund

Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit werden seit Mitte der 80er Jahre, wie in verschiedenen anderen Landesuntersuchungsämtern kostenlose Muttermilchuntersuchungen, insbesondere auf chlororganische Pestizide, Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Moschusduftstoffe durchgeführt. In den letzten Jahren sind diese Untersuchungen in Bayern deutlich rückläufig gewesen, so dass valide Aussagen zur Belastungssituation in der Bevölkerung mittlerweile nicht mehr zu treffen sind. Darüber hinaus hat sich der ursprüngliche Ansatz, Muttermilchuntersuchungen als Grundlage für eine individuelle Stillempfehlung bei der Mutter heranzuziehen, als nicht zielführend erwiesen.

Vor diesem Hintergrund sollte geprüft werden, wie in Bayern ein zeitgerechtes Muttermilchmonitoring eingerichtet werden kann. Ziel des Pilotprojektes sollte dabei sein, auch unter begrenzten finanziellen Ressourcen ein für die allgemeine Bevölkerung aussagekräftiges Monitoringsystem zum präventiven Gesundheitsschutz als unverzichtbares Frühwarnsystem zu etablieren. Nur so werden die Gesundheits- und Umweltbehörden in die Lage versetzt frühzeitig handeln und vorbeugend Maßnahmen zur Risikoreduktion ergreifen zu können, und dies weit im Vorfeld einer konkreten Gesundheitsgefahr.

Im Rahmen dieses Neukonzeptes wurden in der Pilotphase insbesondere Verfahrensabläufe und Probenahmebedingungen auf ihre Praktikabilität und ein neues analytisches Parameterspektrum getestet. Das Substanzspektrum für BAMBI wurde anhand der Ergebnisse der Vorphase angepasst und wird künftig drei Bereiche umfassen (siehe Abbildung 1). Zuerst soll die Messung der „klassischen“ Parameter, wie z. B. der Standard-PCB (Polychlorierte Biphenyle), auch weiterhin Trendaussagen ermöglichen und so ggf. Erfolge von Minimierungsstrategien, Anwendungsbeschränkungen und –verboten belegen. Daneben sollen toxikologisch bedeutsame Stoffe, wie die dioxinähnlichen PCB-Kongenere und die Polybromierten Diphenylether (PBDE) untersucht werden. Besonders wichtig erscheint es, dass darüber hinaus, und dies stellt die dritte Säule des künftigen Muttermilchmonitorings dar, „neue“ Substanzklassen berücksichtigt werden. Hier sollen Stoffe kurzfristig in die Analytik einbezogen werden, die sich in der aktuellen wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion befinden und für die bisher wenig oder keine belastbaren Daten vorliegen. Durch diese Vorgehensweise soll sichergestellt werden, dass die Muttermilchanalytik schnell und flexibel an aktuelle Erfordernisse angepasst werden kann. Vor diesem Hintergrund wurden für den ersten Survey 2007/2008 z. B. die Phthalate und die perfluorierten Verbindungen (PFC, perfluorinated compounds) ausgewählt.

Grafische Darstellung des Präventiven Gesundheitsschutzes in Bayern: Muttermilchmonitorin (BAMBI) schließt drei Eckpunkte ein. 1. "toxikologisch Bedeutsames", koplanare PCB; 2. "Bewährtes", Standard PCB; 3. "Neues", z. B. PBDE, Phthalate, PFC; Erläuterung auch folgender Text "Abbildung 1"

Abbildung 1: Eckpunkte des Bayerischen Muttermilch Monitorings (BAMBI) (PCB: Polychlorierte Biphenyle, PBDE: Polybromierte Diphenylether, PFC: Perfluorierte Verbindungen)

Ziel / Projektdurchführung

BAMBI 2007/2008 ist eine Querschnittserhebung, die in den fünf Regionen der Gesundheits-Monitoring Einheiten (GME) durchgeführt wurde, um die dort bestehende Infrastruktur zu nutzen und Unterschiede in der regionalen Verteilung zu erfassen. Folgende lokale Gesundheitsbehörden nehmen derzeit an den GME teil: Landratsamt Bamberg (Gesundheitswesen), Landratsamt Schwandorf (Abteilung Gesundheitsamt), Gesundheitsamt Stadt Ingolstadt, Landratsamt Günzburg (Gesundheitsamt) und die Landeshauptstadt München (Referat für Gesundheit und Umwelt). Neben den Regionen der GME wurde als weitere städtische Region Nürnberg mit einbezogen.

In Kooperation mit dem Bayerischen Hebammen-Landesverband wurden in den oben genannten Untersuchungsregionen Hebammen rekrutiert, die in Geburtsvorbereitungskursen und bei Hausbesuchen im Rahmen der Nachsorge Mütter auf die Studie aufmerksam machten.
Die Mütter, die ihre Teilnahmebereitschaft erklärten, wurden von den Hebammen detailliert über den Studienablauf informiert und neben Studienunterlagen wurden manuelle Milchpumpen und Probenahmegefäße ausgehändigt. Die Studienteilnehmerinnen wurden gebeten innerhalb der 4. - 8. Woche nach Geburt circa 150 ml Muttermilch innerhalb von 3 Tagen abzupumpen und einen Fragebogen zur Erfassung epidemiologischer Parameter auszufüllen. Die Muttermilchprobe wurde zusammen mit dem Fragebogen und der unterschriebenen Einwilligungserklärung von der Hebamme abgeholt und am lokalen Gesundheitsamt bzw. Landratsamt abgegeben und an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geschickt.

Die Muttermilchproben wurden in BAMBI 2007/2008 auf folgende Substanzen untersucht:

  • Dioxine und Furane
  • Polychlorierte Biphenyle
  • Organochlorpestizide
  • Nitromoschus-Verbindungen
  • Polyzyklische Moschusverbindungen
  • Perfluorierte Substanzen
  • Bisphenol A
  • Phthalate
  • Phthalatmetabolite

Ergebnisse

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

  • H. Fromme, U. Raab, P. Fürst, B. Vieht, W. Völkel, M. Albrecht, U. Schwegler (2011) Vorkommen und gesundheitliche Bedeutung von persistenten organischen Substanzen (PCDD/F, dl-PCB, PBDE, PFC) und Phthalaten in der Muttermilch. Das Gesundheitswesen 73, e27-e43. (Zusammenfassung unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21283965 )
  • H. Fromme, C. Mosch, M. Morovitz, I. Alba-Alejandre, S. Boehmer, M. Kiranoglu, F. Faber, J. Hannibal, O. Genzel-Boroviczény, B. Koletzko, W. Völkel (2010) Pre- and postnatal exposure to perfluorinated compounds (PFCs). Environ Sci Technol 44, 7123–7129. (Zusammenfassung unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20722423 )
  • H. Fromme, L. Gruber, E. Seckin, U. Raab, S. Zimmermann, M. Kiranoglu, M. Schlummer, U. Schwegler, S. Smolic, W. Völkel (2011) Phthalates and their metabolites in breast milk – results from the Bavarian Monitoring of Breast Milk (BAMBI). Environ Int 37, 715-722. (Zusammenfassung unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21406311 )
  • U. Raab, M. Albrecht, U. Preiss, W. Völkel, U. Schwegler, H. Fromme (2012) Organochlorine compounds, nitro musks and perfluorinated substances in breast milk – results from Bavarian Monitoring of Breast Milk 2007/8. Chemosphere 93, 461-467. (Zusammenfassung unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23856469 )

Mehr zu diesem Thema

Allgemeine Informationen zum Thema