Veterinärmedizinische Versorgung von Nutztieren in Bayern

Signet Jahresbericht 2021/22

Abstract

In Bayern ist in den kommenden Jahren ein regional verschieden deutlich ausgeprägter Rückgang an Nutztierärztinnen und Nutztierärzten zu erwarten. Um dieser Herausforderung gezielt entgegen zu wirken, wurde das Projekt „Veterinärmedizinische Versorgung von Nutztieren in Bayern: eine Bedarfsanalyse mit Toolentwicklung und Empfehlungen für Maßnahmen zur beständigen Sicherstellung der Tiergesundheit und des Tierschutzes in der Nutztierhaltung“ initiiert. Als Teil des „Zukunftskonzepts Landtierärzte“ wurde es aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) finanziert und unter Aufsicht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durchgeführt. Mit Hilfe eines R-basierten Tools, eines statistischen Programms, wurde der Versorgungsgrad analysiert, außerdem wurden die möglichen Ursachen des Nutztierärztemangels erörtert und Vorschläge für kurz- bis langfristige Maßnahmen erarbeitet. Zukünftig werden die dem Tool zur Berechnung des Bedarfs zugrundeliegenden Daten geschärft und erweitert, um eine belastbare Grundlage für die Bewertung und Auswahl der möglichen Gegenmaßnahmen zu schaffen.

Hintergrund

Seit Jahren wird die Problematik eines drohenden Tierärztemangels vor allem im Bereich der Nutztiermedizin in der Standespolitik und den Medien thematisiert. Laut der Bundestierärztekammer sank in den vergangenen Jahren die Anzahl der niedergelassenen Nutztierärztinnen und Nutztierärzte in Bayern kontinuierlich, während sich gleichzeitig ein Nachwuchsmangel abzeichnet. Mögliche Ausfälle bei der flächendeckenden Akut- und Notfallversorgung wären relevant für den Tierschutz, für die Tiergesundheit und für die Lebensmittelsicherheit. Auch im Bereich der Tierseuchenbekämpfung spielen praktizierende Tierärzte eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Behörden.

Ein bestehender oder drohender Mangel an Nutztierärztinnen und Nutztierärzten wurde bisher in Deutschland zwar immer wieder diskutiert, jedoch nicht wissenschaftlich erforscht oder quantifiziert.

Das Projekt „Veterinärmedizinische Versorgung von Nutztieren in Bayern“ wurde im Zeitraum 01.10.2020-30.11.2021 vom LGL in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München durchgeführt. Mittels vorhandener anonymisierter Mitgliedsdaten der Bayerischen Landestierärztekammer, Tierbestandszahlen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und je einer Befragung von bayerischen Nutztierärztinnen und Nutztierärzten und Studierenden aller deutschen Fakultäten, wurden Bedarfsanalysen zur aktuellen (2020/2021) sowie zukünftigen (2025) Versorgungslage von Nutztieren in Bayern durchgeführt. Um diese Analysen kontinuierlich fortzuführen wurde gemeinsam mit dem Statistischen Beratungslabor der LMU München ein Programm entwickelt, das Prognosen für einen Zeitraum von ca. fünf Jahren ermöglicht.

Ergebnisse

Zum momentanen Zeitpunkt ist in den meisten Regierungsbezirken in Bayern die tiermedizinische Versorgung adäquat gesichert, jedoch befürchtet ein Großteil der praktizierenden Nutztierärztinnen und Nutztierärzte, dass es in Zukunft vor allem im ländlichen Bereich zu Versorgungslücken kommen wird. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und umfassen insbesondere die nicht zufriedenstellenden Arbeitsbedingungen besonders in Bezug auf Arbeitszeit, Verdienst und Familienvereinbarkeit, ein sich im Wandel befindliches Berufsbild der Nutztierpraxis und die demographische Entwicklung.

Um Versorgungslücken zu vermeiden, müssen möglichst frühzeitig geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Im Rahmen des Projekts wurden bereits verschiedene kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen im Hinblick auf ihre Wirksamkeit bewertet. Als geeignet erschienen u. a. die initiale Förderung von Praxisübernahmen und -neugründungen, die Förderung von Praxen, die die Notfall- und Akutversorgung sicherstellen, geförderte Praktika in ländlichen Räumen für Studierende der Tiermedizin und die Einführung einer Landtierarztquote.

Die Arbeit des Projekts „Veterinärmedizinische Versorgung von Nutztieren in Bayern" wird von LGL-Projektmitarbeitenden fortgesetzt. Ziel ist es, eine kontinuierliche und belastbare Bedarfsermittlung für Bayern durch das Analysetool zu etablieren, auf deren Basis geeignete Maßnahmen ergriffen werden können. Dazu müssen insbesondere die Daten zu den Tierärzten im Hinblick auf Qualität und Vollständigkeit verbessert werden. Eine aussagekräftige und belastbare Prognose ist die Grundvoraussetzung für die Etablierung von Gegenmaßnahmen, die in der Regel mit einer finanziellen Förderung verbundenen sind.

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