Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Wir schaffen uns einen Welpen an – was ist besonders zu beachten?

Die Entscheidung, einen Hund als neues „Mitglied“ in die Familie aufzunehmen, bedeutet den Beginn einer Beziehung über viele Jahre. Damit diese Erfahrung für alle Beteiligten schön und bereichernd wird, ist es wichtig, schon beim Kauf eines Welpen die Weichen richtig zu stellen. Welpen aus „schlechtem Hause“ werden später oft Problemhunde, die zu Aggressivität, Bissigkeit und Angstverhalten neigen. Im Folgenden wollen wir Ihnen ein paar Tipps geben, woran man einen guten Züchter erkennt und worauf beim Kauf und in der ersten Phase im neuen Zuhause geachtet werden sollte.

Wo bekomme ich meinen Welpen?

Hundewelpen sollten immer direkt beim Züchter gekauft werden. Dabei unterscheidet man Hobbyzüchter und gewerbsmäßige Züchter. Die Grenze zur Gewerbsmäßigkeit wird erreicht, wenn der Züchter mindestens drei Zuchthündinnen bzw. drei Würfe pro Jahr hat. Zur gewerbsmäßigen Zucht ist eine tierschutzrechtliche Erlaubnis erforderlich. Solche Züchter werden regelmäßig vom zuständigen Veterinäramt kontrolliert.

Auf jeden Fall sollte man sich vor dem Kauf eines Welpen selber ein Bild vom Züchter machen, indem man ihn besucht, um seine Hunde und das gesamte Umfeld kennen zu lernen.

Was bedeutet Sozialisation und warum ist sie so wichtig?

Unter Sozialisation versteht man die frühzeitige Gewöhnung an möglichst viele verschiedene Umweltreize. Dabei soll erreicht werden, dass diese Reize später kein Angst- oder Aggressionsverhalten bei den Hunden auslösen. Der optimale Zeitpunkt liegt immer in der Jugendzeit. Was in dieser Phase erfahren oder auch nicht erfahren wird, kann im späteren Leben nur noch sehr mühevoll verändert werden.

Die Welpenphase ist daher eine besondere Zeit im Leben eines Hundes. Die moderne Verhaltensforschung hat gezeigt, dass eine breit gefächerte Sozialisation für den Welpen in dieser Zeit von entscheidender Bedeutung für sein späteres Leben ist. Je mehr der Welpe bereits beim Züchter erlebt, desto besser wird der Welpe mit unbekannten Situationen zurechtkommen und ein umso angenehmerer Hausgenosse wird er werden.

In der Welpenzeit entwickeln sich alle Nervenverbindungen im Gehirn des Hundewelpen, die für die Anpassung an seine Umwelt wichtig sind und auf die er sein ganzes Leben lang zurückgreifen wird. Alle Erfahrungen, die er später einmal machen wird, werden mit dem bereits Erlernten verglichen. Wenn als Folge einer reizarmen Aufzucht (z. B. durch permanente Zwingerhaltung ohne Auslauf) nur wenige Nervenverbindungen geknüpft werden konnten, wird der Hund in den allermeisten Fällen für den Rest seines Lebens schwer benachteiligt sein und vor vielen Situationen Angst haben.

Während der Sozialisationsphase, die beim Hund, ebenso wie bei den meisten anderen Tierarten, schon kurz nach der Geburt beginnt, entwickelt sich das Gehirn besonders schnell. Alle Erfahrungen werden intensiv aufgenommen und abgespeichert. Während dieser Zeit lernt der Welpe, wie er mit der Umwelt, in der er lebt, umgehen und neue Situationen bewältigen kann. Er muss lernen als Mitglied einer Gemeinschaft zu leben, sich ein- und unterzuordnen, sowie die Sprache seines Sozialpartners Mensch, aber auch die anderer Hunde zu verstehen. Im Gegensatz zu Verhaltensweisen wie etwa Jagd- und Fressverhalten oder Welpenaufzucht, die vorwiegend angeboren sind, müssen Hunde ihre Sprache untereinander erst durch Erfahrung und Übung erlernen.

Verschiedene Altersphasen bei Hundewelpen

  • Neugeborenenphase: 1.-2. Lebenswoche
    Die Augen der Welpen sind noch geschlossen und ihre motorische Fähigkeiten noch sehr eingeschränkt. Erste sanfte Berührungen durch den Menschen sind empfehlenswert.
  • Übergangsphase 3. Lebenswoche
    Die Augen öffnen sich und die Welpen können ihre Umgebung immer besser mit allen Sinnen wahrnehmen. Erste kleine Ausflüge aus dem Nest stehen auf der Tagesordnung.
  • Sozialisierungsphase 4. - 12. (16.) Lebenswoche
    In der Phase bis zur 7. Lebenswoche verläuft die Entwicklung, insbesondere des Sozialverhaltens der Welpen besonders intensiv. Hier sollten viele Kontakte zu verschiedensten Personen (möglichst auch Kindern) und einer festen Bezugsperson geknüpft werden um eine gute Basis für die Hund – Mensch – Beziehung zu legen. Ab der 6./7. Lebenswoche wird der Aktionsradius immer größer und das Erkundungsverhalten immer ausgeprägter. Spätestens jetzt müssen die Welpen täglich im Freien spielen und die Bewegungsfähigkeit ausbauen können. Kontakte zu verschiedensten Hunden – neben den Wurfgeschwistern und der Mutterhündin, sind wichtig, um die „Hundesprache“ zu erlernen. Auch Kontakte zu anderen Haustieren sind sehr von Vorteil.
    Bis zur etwa 20. Lebenswochen sind die Welpen für bestimmte Lernerfahrungen besonders empfänglich. Sie lernen in dieser Zeit einprägsamer und intensiver als außerhalb dieser Phase.
  • Juvenile Phase bis zum Erreichen der Geschlechtsreife
    In dieser Phase werden die Erfahrungen vertieft. Der Hund lernt sich ein- und unterzuordnen und findet damit seinen Platz innerhalb „seines“ Rudels. Gehorsamkeitsübungen und Verbote sind dafür genauso unentbehrlich wie Spiel und Lob.

Je mehr Eindrücke von verschiedensten Situationen der Welpe aufnehmen konnte, desto mehr Verhaltensmuster und -strategien kann er später entwickeln. Das hilft ihm lebenslang, neue Situationen zu bewältigen. Gut sozialisierte Hunde können später als erwachsenes Tier in ungewohnten Umständen gelassen reagieren, was für den Besitzer sehr angenehm ist. Viele Verhaltensprobleme, darunter auch so manche aggressive Verhaltensweisen, sind angstbedingt. Die Vorbeugung hierfür besteht in einer guten Sozialisation. Erfahrungsentzug während der Phase der Sozialisation kann lebenslange Unfähigkeiten im sozialen Leben und / oder dem sonstigen Umfeld des Hundes erzeugen. Wissenschaftlich wird dies als Deprivationssyndrom bezeichnet.

Woran kann man eine gute Sozialisationsarbeit mit Welpen beim Züchter erkennen?

Ausreichend Kontakt zu Menschen: Die Welpen sollten sich ohne Angstreaktionen hochheben und überall anfassen lassen, in Ohren und Maul schauen lassen, kontaktfreudig sein und auch bei Fremden nicht zurückweichen. Um dies zu erreichen, sollten sie regelmäßigen und ausreichend Kontakt zu Männern, Frauen und Kindern haben. Ausschlaggebend für ein vertrauensvolles Verhältnis des Hundes zum Menschen sind Zeitpunkt, Dauer und Qualität der Kontakte, sowie deren Häufigkeit.

Zwei Hunde spielen miteinander

Foto: J. Rinno

Kontakt zu Artgenossen: Damit sind vor allem Hunde eines anderen Alters, Geschlechts und einer anderen Rasse gemeint. Der Umgang mit anderen Hunden muss geübt werden. Ganz wichtig sind hier auch die Wurfgeschwister. An ihrer Reaktion kann der Hundewelpe lernen, wie sein gezeigtes Verhalten bei anderen Hunden ankommt. Wenn er sie zu fest zwickt, werden seine Geschwister das Spiel mit ihm abbrechen, oder sich wehren. So lernt er, seine Zähne angemessen zu gebrauchen. Diese sogenannte Beißhemmung muss dem Hund auch vom Menschen im späteren Zuhause spätestens bis zur 18. Lebenswoche vollständig anerzogen werden.

Auch die Bedeutung und den Gebrauch aller anderen „hundlichen“ Ausdrucksweisen lernt der Welpe im Umgang mit den Geschwistern und seiner Mutter. Deshalb dürfen Welpen frühestens ab der 8. Woche zu ihrem neuen Besitzer kommen. Auch beim späteren Besitzer helfen dem Welpen vielfältige Kontaktmöglichkeiten zu anderen Hunden, sein Verhaltensrepertoire zu verfeinern und sicher im Umgang mit fremden Hunden zu werden.

Kontakt zu anderen Tieren: Befinden sich noch andere Tierarten im Haushalt, wird der Welpe idealerweise auf diese (z. B. Katzen, Vögel, kleine Heimtiere, Pferde) bereits beim Züchter sozialisiert.

Kennenlernen von möglichst vielen Umweltreizen: Die Welpen müssen ihre neue Umgebung erkunden. Je mehr den Hunden angeboten wird und je mehr sie frei spielen können, desto „unordentlicher“ kann der erste Eindruck beim Züchter sein. Beispiele für Umweltreize sind Geräusche (wie etwa Staubsauger, Fön, Radio, Verkehr, Tüte platzen lassen, etc.), Kennen lernen eines Autos – von außen und innen, Gewöhnung an ein Halsband, Motorik-Übungen (Wippe, Tunnel, Stufen, schräge Flächen), verschiedene Bodenarten, Wasser (evtl. Schnee) und viele andere Dinge, wobei der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Die Welpen sollten auf jeden Fall sowohl im Haus als auch im Freien die Möglichkeit zur freien Bewegung haben.

Hundeeltern: Ein guter Züchter verpaart nur charakterlich einwandfreie Hunde miteinander. Achten Sie deshalb darauf, dass die Mutterhündin weder aggressiv noch ängstlich ist und gelassen mit neuen Situationen umgehen kann.

Zeichnung von mehreren Hunden

Zeichnung: D. Döring

Besuch des künftigen Hundehalters: So kann Ihr Welpe Sie schon besser kennen lernen. Auch für seine Wurfgeschwister ist der Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen sehr förderlich. Man kann dem Welpen über den ersten Trennungsschmerz hinweghelfen, wenn man ihm im neuen Heim eine Decke, mit dem Geruch der Mutterhündin und den Geschwisterwelpen, die noch einige Tage beim Züchter war, anbietet.

Tipps

Der Welpe sollte nach dem Abholen beim Züchter ca. eine Woche Zeit haben, sich an das neue Zuhause und die neue soziale Gruppe zu gewöhnen.

Sie sollten mit Ihren Welpen regelmäßig eine gute Welpenschule besuchen. Dort lernt Ihr Welpe den richtigen Umgang mit anderen Hunden. Nutzen Sie jede Möglichkeit, bei der Ihr Welpe Kontakt zu anderen Menschen oder Hunden aufnehmen kann.

Ein sehr wichtiger Grundsatz zur Erziehung von Hunden ist:
Erwünschtes Verhalten belohnen, unerwünschtes Verhalten ignorieren.

Ein weiterer Grundsatz: Nichts im Leben gibt es umsonst – auch nicht für Hunde!

Trotz der kaum zu widerstehenden Blicke dieser lieben Vierbeiner ist Konsequenz im täglichen Umgang mit ihnen Voraussetzung für einen problemlos zu haltenden Hund.

Es gibt über 400 verschiedene Hunderassen. Diese unterscheiden sich sowohl im Aussehen als auch in den Wesenseigenschaften stark voneinander. Bei der Auswahl des eigenen Hundes sollten die spezifischen Rasseeigenschaften in Abstimmung mit den eigenen Möglichkeiten der Haltungsbedingungen im Vordergrund stehen. Den Schönheitsidealen zu entsprechen reicht keinem Hund, um ein erfülltes Hundeleben mit seinem Besitzer zu haben. Erkundigen Sie sich deshalb vorher genau über die spezifischen Fähigkeitenund Anforderungen einer Rasse. Besonders Moderassen sind oft nicht die geeigneten Familienhunde.

Der Welpe sollte beim Züchter bereits mehrmals entwurmt und am besten einmal geimpft worden sein und beim zukünftigen Besitzer zur Folgeimpfung einem Tierarzt vorgestellt werden. Diese prophylaktischen Maßnahmen sind wichtig für das gesundheitliche Wohl Ihres Vierbeiners und Ihrer Familie.

Quellenangaben:
Foto von D. Döring aus „Hundeführerschein – Grundwissen Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“; Hrsg. Bayer. Landestierärztekammer und Institut f. Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene der Tierärztlichen Fakultät der LMU – München.

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