Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum neuen Tierarzneimittelrecht

Hintergrundinformation

Seit dem 28. Januar 2022 sind die EU-Tierarzneimittel-Verordnung [Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel] und in Deutschland zusätzlich das neu geschaffene Tierarzneimittelgesetz anzuwenden. Ziel der neuen EU-weiten Vorgaben ist es u. a., den europäischen Binnenmarkt für Tierarzneimittel zu harmonisieren und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Mit dem neuen Tierarzneimittelrecht kommt es zu rechtlichen Änderungen, die u. a. sowohl Tierärztinnen/-ärzte als auch Tierhalter/-innen und Tierheilpraktiker/-innen betreffen.

Auf dieser Seite finden Sie Antworten auf einige der häufig gestellten Fragen. Hinter jeder Frage steht in Klammern die Personengruppe, für die die Frage relevant sein könnte (TA = Tierarzt/-ärztin, TH = Tierhalter/-in, THP = Tierheilpraktiker/-in).
Bitte beachten Sie, dass die Fragensammlung kontinuierlich ergänzt wird und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Rechtlich bindend sind einzig die Rechtstexte.

Übersicht der verwendeten Abkürzungen:
Abkürzung Bedeugung der Abkürzung
AMG Arzneimittelgesetz
EMA European Medicines Agency (Europäische Arzneimittelagentur)
EU Europäische Union
EWR Europäischer Wirtschaftsraum (entspricht den EU-Mitgliedstaaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen)
TA Tierarzt/-ärztin
TÄHAV Verordnung über tierärztliche Hausapotheken
TH Tierhalter/-in
THAMNV Tierhalter-Arzneimittelanwendungs- und Nachweisverordnung
THP Tierheilpraktiker/-in
TAMG Tierarzneimittelgesetz
EU-Tierarzneimittel-Verordnung Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel

1.Rechtsgrundlagen

1.1 Welche neuen Rechtsgrundlagen sind seit dem 28.01.2022 gültig? (TA, TH, THP)

Seit dem 28.01.2022 sind die EU-Tierarzneimittel-Verordnung (Verordnung (EU) 2019/6) und das neu geschaffene Tierarzneimittelgesetz (TAMG) in Deutschland anzuwenden.
Nachgeordnete Rechtsgrundlagen, wie etwa die Verordnung über Tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV) oder die Tierhalter-Arzneimittelanwendungs- und Nachweisverordnung (THAMNV), sind grundsätzlich weiterhin in allen Teilen gültig, die nicht im Widerspruch zum EU-Recht stehen. Eine Anpassung an die geänderte Rechtslage wird noch erfolgen. Der Zeithorizont hierfür ist nicht bekannt.

1.2 Ist die TÄHAV noch gültig? (TA)

Ja, die Verordnung über tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV) bleibt grundsätzlich weiterhin gültig. Die inhaltliche Anpassung an die Rechtsvorgaben der EU steht allerdings noch aus.
Aktuell kann es daher vorkommen, dass einzelne Vorgaben der TÄHAV nicht mehr gelten.
Zu nennen ist hier insbesondere die Wartezeit, die nun in der EU-Tierarzneimittel-Verordnung geregelt ist.

1.3 Gelten die Vorgaben der 16 und 17. AMG-Novelle weiterhin, obwohl die Tierarzneimittel nun nicht mehr im Arzneimittelgesetz geregelt sind? (TA, TH)

Ja, die Inhalte der 16. und 17. AMG-Novelle wurden im Wesentlichen unverändert in das Tierarzneimittelgesetz übernommen. Das bedeutet, dass das gesetzliche Antibiotikaminimierungskonzept u. a. im Hinblick auf die erfassten Nutzungsarten mit der Einführung des TAMG nicht ausgeweitet wurde.
[§§ 54 – 59 TAMG]

1.4 Wo werden „Fütterungsarzneimittel“ (jetzt: Arzneifuttermittel) geregelt? (TA, TH)

Der Begriff „Fütterungsarzneimittel“ kommt im neuen Tierarzneimittelrecht nicht mehr vor. Die korrekte Bezeichnung lautet jetzt „Arzneifuttermittel“. Arzneifuttermittel fallen nicht unter den Geltungsbereich der EU-Tierarzneimittel-Verordnung, sondern werden im EU-Futtermittelrecht in der Arzneifuttermittel-Verordnung [VO (EU) 2019/4] geregelt.
[Art. 2 Abs. 7 Buchstabe e VO (EU) 2019/6]

1.5 Wo kann ich mich über neue Rechtsakte zur VO (EU) 2019/6 auf dem Laufenden halten? (TA, TH, THP)

Um die EU-Tierarzneimittel-Verordnung weiter auszugestalten und Details für ihre Umsetzung festzulegen, werden sogenannte delegierte Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte erlassen. Eine Übersicht über bereits erlassene sowie kommende Rechtsakte findet man über folgende Website der Europäischen Kommission:

Implementation (europa.eu)

1.6 Das neue Tierarzneimittelrecht verwendet neben dem Begriff der „Abgabe“ die Begriffe „auf dem Markt bereitstellen“ und „in Verkehr bringen“. Wie unterscheiden sich diese Begriffe? (TA, TH, THP)

Die Begriffe „Abgabe“ und „auf dem Markt bereitstellen“ umfassen jede Art von Abgabe. „Inverkehrbringen“ ist – anders als bisher – nach neuem Recht definiert als die erstmalige Bereitstellung eines Tierarzneimittels auf dem Markt. Damit ist i.d.R. die Markteinführung durch ein pharmazeutisches Unternehmen gemeint.
[§ 2 Abs. 2 Nr.1 TAMG; Art. 4 Nr. 35 VO (EU) 2019/6]

2. Kategorisierung von Arzneimitteln

2.1 Gibt es weiterhin eine Unterteilung in verschreibungspflichtige, apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel? (TA, TH, THP)

Ja. Die Unterteilung von Arzneimitteln in die Kategorien verschreibungspflichtig, apothekenpflichtig und freiverkäuflich bleibt weiterhin bestehen. Bei der Einstufung der Tierarzneimittel wird ein neuer Ansatz verfolgt: die Kategorisierung erfolgt produktbezogen und nicht mehr stoffbezogen.
[Art. 34 VO (EU) 2019/6; § 40 TAMG]

3. Bezug von Arzneimitteln und Stoffen

3.1  Ist der Internethandel mit Tierarzneimitteln erlaubt? (TH)

Gemäß Artikel 104 der VO (EU) 2019/6 ist der Handel mit apothekenpflichtigen, nicht verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln über das Internet erlaubt. Von der darüberhinausgehenden Möglichkeit des Internethandels auch mit verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln macht Deutschland derzeit keinen Gebrauch.

3.2 Woran erkenne ich eine zulässige Internetapotheke für Tierarzneimittel? (TH)

Zulässige Internetapotheken für
Tierarzneimittel sind
durch ein gemeinsames, EU-zertifiziertes
Logo gekennzeichnet:



[Art. 104 Abs. 5 Buchstabe c VO (EU) 2019/6;
DVO (EU) 2021/1904 KOM]

4. Abgabe von Arzneimitteln

4.1 Bleibt das tierärztliche Dispensierrecht weiterhin erhalten? (TA)

Ja. Tierärztinnen/-ärzte dürfen auch weiterhin im Rahmen des Betriebs einer tierärztlichen Hausapotheke Arzneimittel für die von ihnen behandelten Tiere abgeben.
[§ 44 TAMG]

4.2 Dürfen Arzneimittel im Rahmen einer Praxisübernahme an den Nachfolger abgegeben werden? (TA)

Ja, allerdings ist die Abgabe auf Tierarzneimittel begrenzt. Eine Weitergabe von Humanarzneimitteln an Praxisnachfolger/-innen ist im neuen Recht nicht vorgesehen.
[§ 44 Abs. 4 TAMG]

4.3 Bleibt die 7/31-Tage-Regelung weiterhin bestehen? (TA)

Die EU-Tierarzneimittel-VO legt fest, dass die Menge der verschriebenen (in Deutschland auch der abgegebenen) Arzneimittel auf die Menge beschränkt wird, die für die betreffende Behandlung oder Therapie erforderlich ist. Zudem dürfen antimikrobiell wirksame Arzneimittel für die Meta- oder Prophylaxe nur für einen begrenzten Zeitraum verschrieben werden, der den Risikozeitraum umfasst.
In Deutschland wird die Abgabe von verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln zur Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren im Tierarzneimittelgesetz durch die 7/31-Tage Regelung ergänzt. Antimikrobielle Tierarzneimittel, zu denen neben Antibiotika auch Virostatika, Antimykotika und Antiprotozoika zählen, unterliegen hierbei der 7-Tage-Regelung, wenn sie nicht ausschließlich zur lokalen Anwendung vorgesehen sind. Für alle übrigen verschreibungspflichtigen Tierarzneimittel gilt die 31-Tage Regelung.

[§ 44 Abs. 3 TAMG; Art. 4 Nr. 12 VO (EU) 2019/6; Art. 105 Abs. 6 VO (EU) 2019/6]

5. Dokumentation

5.1 Was muss der Tierarzt bei der Dokumentation des Erwerbs und Verbleibs von verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln beachten? (TA)

Tierärztinnen/-ärzte müssen als Einzelhändler über alle geschäftlichen Transaktionen mit verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln Buch führen. Dabei sind folgende Informationen zu dokumentieren:

  • Zeitpunkt der Transaktion,
  • Name des Tierarzneimittels, ggf. Darreichungsform und Stärke,
  • Chargenbezeichnung,
  • eingegangene bzw. gelieferte Menge,
  • Name und Anschrift des Lieferanten / Empfängers,
  • Name und Kontaktangaben des verschreibenden Tierarztes, gegebenenfalls mit Kopie der tierärztlichen Verschreibung,
  • Zulassungsnummer

(Hinweis: In fetter Schrift dargestellte Angaben sind nun zusätzlich zu dokumentieren. Gemäß TÄHAV gilt zusätzlich eine Dokumentationspflicht für apothekenpflichtige Arzneimittel.)
[Art. 103 Abs. 3 VO (EU) 2019/6]

5.2 Was ändert sich bei der vom Tierarzt jährlich durchzuführenden Inventur? (TA)

Die Vorgaben zur jährlich durchzuführenden Inventur verschreibungspflichtiger Arzneimittel in der tierärztlichen Hausapotheke gemäß § 13 Abs. 8 TÄHAV bestehen weiter. Über jede Abweichung, das Datum und das Ergebnis der Prüfung muss Buch geführt werden. [Art. 103 Abs. 5 VO (EU) 2019/6; § 13 Abs. 8 TÄHAV]

5.3 Welche Arzneimittel müssen von Haltern Lebensmittel liefernder Tiere ins Bestandsbuch eingetragen werden? (TH)

Bisher musste ins Bestandsbuch nur die Anwendung von apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln eingetragen werden. Dies gilt gemäß § 1 Abs. 1 i. V. m. Abs. 3 und § 2 THAMNV auch weiterhin. Nach neuem Recht müssen nun aber alle Arzneimittelanwendungen dokumentiert werden, also auch solche mit freiverkäuflichen Arzneimitteln. Bei freiverkäuflichen Tierarzneimitteln sind derzeit nur die in der EU-Tierarzneimittel-Verordnung vorgegebenen Angaben zu dokumentieren (Hinweis: diese Angaben sind bei einer Dokumentation im bisherigen Schema bereits abgedeckt):

  1. Datum der ersten Verabreichung des Arzneimittels an die Tiere,
  2. Bezeichnung des Arzneimittels,
  3. Menge des verabreichten Arzneimittels,
  4. Name oder Firma und ständige Anschrift oder eingetragene Niederlassung des Lieferanten,
  5. Beleg für den Erwerb des angewandten Arzneimittels,
  6. Identität des behandelten Tieres oder der behandelten Gruppe von Tieren,
  7. gegebenenfalls Name und Kontaktangaben des verschreibenden Tierarztes.
  8. Wartezeit, auch wenn dieser Zeitraum gleich Null ist,
  9. Behandlungsdauer.

[Art. 108 Abs. 1 VO (EU) 2019/6]

6. Anwendung von Arzneimitteln

6.1 Laut der EU-Tierarzneimittel-Verordnung dürfen Tierarzneimittel nur in Übereinstimmung mit den Zulassungsbedingungen angewendet werden. Für welche Arzneimittel und welche Personengruppen gilt dieser Grundsatz? (TA, TH, THP)

Die Vorgabe gilt grundsätzlich für alle Personengruppen und für alle Tierarzneimittel, unabhängig von der Arzneimittelkategorie (freiverkäuflich, apotheken- oder verschreibungspflichtig). Allerdings gibt es Ausnahmen bei Anwendung von durch Tierärzten umgewidmeten Arzneimitteln im Therapienotstand. Unabhängig davon gilt die Vorgabe der zulassungskonformen Anwendung nicht für die Anwendung registrierter Tier-Homöopathika und die Anwendung der von der Zulassung freigestellten Heimtierarzneimittel. Letztere dürfen jedoch nur bei den in § 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 Buchstabe a TAMG genannten Heimtieren angewendet werden.
[Art. 2 Abs. 5, Art. 106 Abs. 1 VO (EU) 2019/6; § 39 Abs. 1 TAMG]

6.2 Bedeutet die Vorgabe, Tierarzneimittel nur noch in Übereinstimmung mit den Zulassungsbedingungen anzuwenden, dass Tierarzneimittel nicht mehr umgewidmet werden dürfen? (TA)

Nein. Für den Fall, dass es in einem Mitgliedstaat für ein Anwendungsgebiet bei der zu behandelnden Tierart kein zugelassenes Tierarzneimittel gibt, kann der verantwortliche Tierarzt bzw. die Tierärztin, insbesondere zur Vermeidung unzumutbarer Leiden, weiterhin in direkter Eigenverantwortung Arzneimittel umwidmen. Die Vorgaben an die er/sie sich dabei halten muss, finden sich in der EU-Tierarzneimittel-Verordnung.
[Art. 112 – 114 VO (EU) 2019/6]

6.3 Darf ich als Tierhalter Humanarzneimittel bei meinem Tier anwenden? (TH)

Die Anwendung muss entsprechend einer schriftlichen/elektronischen tierärztlichen Behandlungsanweisung für den jeweiligen Behandlungsfall erfolgen. Dies gilt auch für freiverkäufliche Humanarzneimittel und Human-Homöopathika.
[§ 50 Abs. 2 TAMG]

6.4 Dürfen abgelaufene Arzneimittel in Eigenverantwortung angewendet werden? (TA, TH, THP)

Nein. Die Anwendung von Tierarzneimitteln, deren Verfalldatum abgelaufen ist, ist verboten. Dieses Verbot ist allgemein gültig und betrifft damit jetzt neben Tierärztinnen/-ärzten auch Tierhalter/-innen und Tierheilpraktiker/-innen.
[§ 38 Abs. 4 TAMG]

7. Umwidmung

7.1 Wo finde ich Vorgaben zur Umwidmung? (TA)

Für nicht Lebensmittel liefernde Tiere, an Land lebende Lebensmittel liefernde Tiere und im Wasser lebende Lebensmittel liefernde Tiere ist die Umwidmung jeweils in einer eigenen Umwidmungskaskade in der EU-Tierarzneimittel-Verordnung geregelt.
[Art. 112 - 114 VO (EU) 2019/6]

7.2 Woher weiß ich im Falle einer Umwidmung, ob in der EU bzw. dem EWR ein passendes Präparat zugelassen ist? (TA)

Für die Suche nach möglichen Behandlungsalternativen steht künftig die Produktdatenbank der Union zur Verfügung.
Die Produktdatenbank befindet sich derzeit im Aufbau – Sie erreichen sie über folgenden Link:
Language selection | UPD (medicinesinfo.eu)

7.3 Welche Möglichkeiten habe ich als Tierarzt, wenn im eigenen Land kein geeignetes Tierarzneimittel zur Verfügung steht? (TA)

Im Therapienotstand ist unter Einhaltung der jeweiligen Umwidmungskaskade das Verbringen von Arzneimitteln aus EU-Mitgliedstaaten und EWR-Staaten möglich. Für die Einfuhr von Tierarzneimitteln aus einem Drittstaat in einen EU-Mitgliedstaat wird eine Herstellungserlaubnis benötigt. Die Einfuhr wird daher in der Praxis über einen pharmazeutischen Unternehmer oder Großhändler mit einer Herstellungserlaubnis erfolgen.
[Art. 88, Art. 112 – 114 VO (EU) 2019/6]

7.4 Was ist beim Verbringen von Tierarzneimitteln zu beachten? Muss das Verbringen von Tierarzneimitteln aus EU-Mitgliedstaaten oder EWR-Staaten weiterhin angezeigt werden? (TA)

Für die in § 22 TAMG genannten, nicht dem Anwendungsbereich der EU-Tierarzneimittel-Verordnung unterfallenden Tierarzneimittel und veterinärmedizintechnischen Produkte und die Heimtierarzneimittel gemäß § 4 gelten die Vorgaben gemäß § 25 TAMG zum Verbringen. Diese dürfen nach Deutschland nur verbracht werden, wenn sie in Deutschland zugelassen oder von der Zulassung freigestellt sind. Die Anzeigepflicht beim Verbringen entfällt.
Für Tierarzneimittel, die in den Anwendungsbereich der EU-Tierarzneimittel-Verordnung fallen, gibt es keine gesonderten Regelungen zum Verbringen aus anderen EU-Mitgliedstaaten und dem EWR mehr.

7.5 Dürfen Arzneimittel aus der Humanmedizin noch bei Tieren angewendet werden? (TH, THP)

Die Anwendung muss entsprechend einer schriftlichen/elektronischen tierärztlichen Behandlungsanweisung für den jeweiligen Behandlungsfall erfolgen. Dies gilt auch für freiverkäufliche Humanarzneimittel und Human-Homöopathika.
[§ 50 Abs. 2 TAMG]

7.6 Welche Arzneimittel dürfen zur Behandlung von Lebensmittel liefernden Tieren umgewidmet werden? (TA, TH)

Die Verordnung (EU) 37/2010 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs bleibt weiterhin gültig.
Es dürfen daher wie bisher nur Arzneimittel angewendet werden, deren Wirkstoffe in Tabelle 1 des Anhangs der Verordnung gelistet sind. Dies gilt auch für die Anwendung umgewidmeter Arzneimittel. Die Anwendung von Stoffen aus Tabelle 2 des Anhangs bleibt bei Lebensmittel liefernden Tieren verboten.
[Art. 16 Abs. 1 VO (EG) Nr. 470/2009; VO (EU) 37/2010; § 39 Abs. 5 TAMG]

7.7 Bleibt die Positivliste für Pferde bestehen? (TA, TH)

Ja, es wird weiterhin das Verzeichnis von für die Behandlung von Equiden wesentlichen Stoffen und von Stoffen mit zusätzlichem klinischen Nutzen geben.
[Art. 115 Abs. 5 VO (EU) 2019/6]

8. Wartezeit

8.1 Welche Wartezeit-Vorgaben gelten jetzt bei Umwidmung der Tierart? (TA, TH)

Falls in der Fachinformation des Arzneimittels keine Wartezeit für die betreffende Tierart festgelegt wurde, richtet sich die Wartezeit nach den Kriterien der Tierarzneimittel-Verordnung.
[Art. 115 VO (EU) 2019/6]

9. Antibiotika

9.1 Ist eine prophylaktische Anwendung von Antibiotika bei Tiergruppen möglich? (TA, TH)

Die prophylaktische Anwendung ist bei einzelnen Tieren möglich und auch hier nur in Ausnahmefällen. Für jedes dieser Tiere muss die Voraussetzung bestehen, dass ein sehr hohes Risiko für eine Infektion oder Infektionskrankheit besteht und die Folgen wahrscheinlich schwerwiegend wären.
[Art. 107 Abs. 3, Art. 4 Nr. 16 VO (EU) 2019/6]

9.2 Wann dürfen Tiergruppen zur Metaphylaxe mit Antibiotika behandelt werden? (TA, TH)

Antibiotika dürfen bei Tiergruppen nur zur Metaphylaxe eingesetzt werden, wenn das Risiko der Ausbreitung einer Infektion oder Infektionskrankheit in dieser Tiergruppe hoch ist und keine angemessenen Alternativen zur Verfügung stehen.
Voraussetzung ist die Diagnose einer klinischen Erkrankung bei einem Teil der Gruppe. Die Metaphylaxe dient dem Schutz der Kontakttiere.
[Art. 107 Abs. 4, Art. 4 Nr. 15 VO (EU) 2019/6]

9.3 Ab wann müssen in Deutschland auch Daten zur Antibiotikaanwendung zu weiteren Nutzungsarten gemeldet werden, z. B. Milchkühen? (TA, TH)

Derzeit müssen die durch die 16. AMG-Novelle festgelegten Daten zum Einsatz von Antibiotika bei Masttieren mitgeteilt werden. Die Inhalte der 16. AMG-Novelle wurden unverändert in das neue Tierarzneimittelgesetz übernommen. Eine Anpassung und evtl. Ergänzung der meldepflichtigen Tierarten ist durch den Gesetzgeber in Bearbeitung. Das Ergebnis des Gesetzgebungsverfahrens zur Änderung des TAMG ist abzuwarten. Laut neuer EU-Tierarzneimittel-Verordnung müssen die Mitgliedstaaten der EMA ab 2024 die Antibiotikaverbrauchsmengen bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Truthühnern unabhängig von ihrer Nutzungsart melden. Die hierzu notwendige Datenerfassung beginnt in Deutschland 2023. Ab 2027 werden Daten zu allen Lebensmittel liefernden Tierarten gefordert, ab 2030 auch Daten für Hunde und Katzen.
[Art. 57 Abs. 5 und 6 VO (EU) 2019/6; Art. 15 delegierte Verordnung (EU) 2021/578]

Deutschland sieht bereits ab 2026 die Erfassung von Antibiotikaanwendungsdaten bei Hunden und Katzen durch Tierärztinnen/-ärzte vor.
[§ 45 Abs. 10 TAMG]



9.4 Was ändert sich für Tierhalter bezüglich der Antibiotika-Meldungen? (TA, TH)

Im Zuge der 17. AMG-Novelle (im November 2021 in Kraft getreten und nun aus dem AMG ins neue TAMG übernommen) ergeben sich Änderungen für die Tierhalter-Meldungen. So muss nun zur verbesserten Zuordnung der Behandlungstage das Datum der ersten Anwendung/das Abgabedatum angegeben werden. Die bisher freiwillige Nullmeldung wird verpflichtend. Die Tierhalterversicherung über die Einhaltung der tierärztlichen Behandlungsanweisung kann nun auch elektronisch eingereicht werden.
[§ 55 TAMG]

9.5 Wann ist mit einer Einschränkung der zur Behandlung von Tieren verfügbaren Antibiotika zu rechnen? (TA, TH)

Die Europäische Kommission wird Rechtsakte zur Bestimmung antimikrobieller Wirkstoffe (u.a. antibiotische Wirkstoffe) erlassen, die der Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen vorbehalten bleiben müssen.
Als Grundlage hierfür hat die Kommission bereits Kriterien festgelegt, mit Hilfe derer antimikrobielle Wirkstoffe festgelegt werden sollen, die nur beim Menschen angewendet werden dürfen.
[Art. 37 Abs. 4 und 5 EU (VO) 2019/6,delegierte Verordnung (EU) 2021/1760]

10. Homöopathika

10.1 Darf ich als Tierhalter eigenständig humanmedizinische Homöopathika aus der Apotheke holen und bei meinen Tieren anwenden? (TH)

Nein. Arzneimittel aus der Humanmedizin, inkl. Homöopathika, dürfen von Tierhalter/-innen bei Tieren nur gemäß einer schriftlichen oder elektronischen tierärztlichen Behandlungsanweisung für den jeweiligen Behandlungsfall angewendet werden.
[§ 50 Abs. 2 TAMG]

10.2 Darf ich als Tierheilpraktiker eigenständig humanmedizinische Homöopathika bei Tieren anwenden? (THP)

Nein. Arzneimittel aus der Humanmedizin, inkl. Homöopathika, dürfen von Personen, die nicht Tierärztinnen/-ärzte sind, beim Tier nur gemäß einer schriftlichen oder elektronischen tierärztlichen Behandlungsanweisung für den jeweiligen Behandlungsfall angewendet werden.
[§ 50 Abs. 2 TAMG]

10.3 Wie ist der Tierheilpraktiker tierarzneimittelrechtlich einzuordnen? (THP)

Tierheilpraktiker/-innen werden im Tierarzneimittelrecht nicht explizit genannt. Sie fallen unter die Formulierung „Personen, die nicht Tierarzt oder Tierhalter sind“.

11. Heimtierarzneimittel

11.1 Welche Ausnahmen gibt es für Heimtierarzneimittel? (TA, TH)

Tierarzneimittel für bestimmte Heimtierarten können auf Antrag von der Zulassungspflicht befreit werden, wenn sie nicht als verschreibungspflichtig einzustufen sind. Sie dürfen nur zur äußerlichen oder oralen Anwendung bzw. zur Anwendung im Wasser für diese Heimtierarten bestimmt sein und müssen in einer angemessenen Packungsgröße bereitgestellt werden.
[Art. 5 Abs. 6 VO (EU) 2019/6; § 4 TAMG]

11.2 Warum sind manche Heimtierarzneimittel von der Zulassungspflicht befreit? (TA, TH)

Für Heimtiere gibt es wenige Tierarzneimittel. Um die arzneiliche Versorgung dieser Tiere sicherzustellen, gelten für bestimmte Heimtierarzneimittel erleichterte Bedingungen.
[§ 4 Abs. 1 TAMG]

11.3 Welche Heimtiere dürfen mit von der Zulassung befreiten Tierarzneimitteln behandelt werden? (TA, TH)

Heimtiere, die nicht der Gewinnung von Lebensmitteln dienen und bei denen es sich um in Aquarien oder Teichen gehaltene Tiere, Zierfische, Ziervögel, Brieftauben, Terrarium-Tiere, Kleinnager, Frettchen und Hauskaninchen handelt. Hierbei handelt es sich um eine abschließende Aufzählung.
[Art. 5 Abs. 6 VO (EU) 2019/6, § 4 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe a TAMG]

11.4 Benötigen Zoofachgeschäfte für Heimtierarzneimittel, die von der Zulassungspflicht befreit sind, ab jetzt einen Sachkenntnisnachweis? (Sonstige)

Nein. Die bisherige Ausnahme von der Sachkenntnispflicht für den Einzelhandel mit Heimtierarzneimitteln, die von der Zulassungspflicht befreit sind, wird auch im Tierarzneimittelgesetz fortgeführt.
[§ 4, § 45 Abs. 8, § 40 Abs. 2 TAMG]

12. Sonstige Fragen

12.1 Finden die Kontrollen der tierärztlichen Hausapotheken wie bisher alle 2 Jahre statt? (TA)

Ein Regelkontrollintervall gibt es nicht mehr. Tierärztliche Hausapotheken werden künftig risikoorientiert kontrolliert.
[§ 72 Abs. 3 TAMG]