Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Asbest ist immer noch von Bedeutung

„Asbest“ ist eine Sammelbezeichnung für faserige Ausbildungen natürlicher Minerale. Diese gehören der Serpentin- (Serpentin- oder Chrysotil-Asbest) und der Amphibolgruppe an (Krokydolit-, Anthophyllit-, Amosit-, Tremolith- oder Aktinolith-Asbeste). Die feuerfesten
Eigenschaften der Asbeste waren bereits im Altertum bekannt (zum Beispiel Herstellung von Tüchern aus Asbest). Eine technische Nutzung setzte erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein. Asbest wurde im vorigen Jahrhundert sehr lange Zeit in großem Maßstab verwendet. Hintergrund waren die positiven Produkteigenschaften von Asbest (unter anderem feuer- und chemikalienbeständig, feuchtigkeitsabweisend und verschleißarm), die für viele Anwendungen sehr nützlich waren, und seine gute Verarbeitbarkeit. Bis zu den 1980er-Jahren wurde Asbest in großem Umfang eingesetzt, obwohl auch schon damals seine krebserzeugenden Eigenschaften bekannt waren. Noch heute sterben in Deutschland jährlich ca. 1.500 Personen aufgrund einer asbestassoziierten Berufserkrankung. Auch wenn der Stoff mittlerweile nicht mehr verwendet werden darf, sind asbesthaltige Produkte noch weit verbreitet und können insbesondere bei der Sanierung von Altbauten ein gesundheitliches Problem darstellen.

Analysemethoden

Haben Überwachungsbehörden in Bayern den Verdacht, dass Materialien Asbest enthalten, senden sie diese an das LGL zur Untersuchung. Hierbei werden verschiedene analytische Methoden eingesetzt. Ein Schnelltest mittels Infrarotspektrometrie zeigt das Vorhandensein von Chrysotil oder Amphibolasbest an. Danach werden die Proben mittels Stereo- und Polarisationsmikroskopie auf das Vorhandensein der folgenden sechs Asbeste untersucht: Chrysotil, Krokydolith, Amosit, Tremolit, Anthophyllit und Aktinolith. Wenn beispielsweise organisch gebundenes Material (Cushion-Vinyl-Beläge, Kitte) oder Klebeproben zu analysieren sind, so kommt das Rasterelektronenmikroskop zum Einsatz. Organisch gebundene Materialien können nämlich Asbestfasern enthalten, deren Durchmesser und Länge so gering sind, dass sie mit Stereo- und Polarisationsmikroskopie nicht erkannt werden können.

Anforderungen

Neben den bei Laien allgemein bekannten Produkten wie zum Beispiel Wellzementplatten auf Garagendächern und asbesthaltige Fassadenplatten oder -schindeln wurden auch Bauprodukten Asbestfasern zugesetzt.

So sollte folgenden Produkten eine erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden:

  • Bitumen-, Dach- und Dichtungsbahnen
  • Klebstoffe auf Harz- und Bitumenbasis
  • Dichtungskitte (zum Teil auch Fensterkitte)
  • Fugenmassen
  • Spachtel- und Vergussmassen
  • Anstrichmittel, Korrosionsschutzanstriche (Wasserbau)
  • Fußbodenbeläge (Flex-Platten)

Das LGL untersucht durchschnittlich 200 Materialproben pro Jahr auf das Vorhandensein von Asbest. Bei den Baustoffproben liegt die Beanstandungsquote bei über 50 %.
Im verbauten Zustand stellen asbesthaltige Bauprodukte in der Regel keine Gefahr für die Bevölkerung dar. Bei Abbruch- oder Sanierungsarbeiten können aber Asbestfasern frei werden. Kann der Laie die konfektionierten, potenziell asbesthaltigen Baustoffe, wie zum Beispiel Wellzementplatten oder Fassadenplatten, noch erkennen und ordnungsgemäß entsorgen, so gelingt dies bei vielen Materialien, wie zum Beispiel Fensterkitten, Putzen, Spachtelmassen und Klebern, denen zum Teil auf der Baustelle Asbest händisch zugesetzt wurden, kaum. Daher sollten bei der Altbausanierung bereits bei der Planung Fachfirmen
herangezogen werden, um asbesthaltige Baumaterialien aufzuspüren und mögliche Gesundheitsgefahren auszuschließen.