Frisch gepresster Orangensaft – Wo bleibt das Schalenbehandlungsmittel?

Orangensaft selber pressen

Orangen und Zitronen

Frisch gepresster Orangensaft zum Frühstück oder auch zwischendurch ist ein beliebter Durstlöscher und ein nützlicher Lieferant von Vitaminen, insbesondere von Vitamin C. Im Privathaushalt wird der Saft aus Zitrusfrüchten hergestellt, die üblicherweise als Tafelobst angeboten werden. Tafelobst ist Obst, das zum direkten Verzehr bestimmt ist. Tafelobst soll den Verbraucher auch noch nach langen Transporten und Lagerungen im Einzelhandel ansprechen (siehe unten). Daher ist die Schale nur bei einem geringen Prozentsatz der Zitrusfrüchte, die bei uns zum Kauf angeboten werden, unbehandelt. Auch wenn die Schale von Zitrusfrüchten nicht zur Saftherstellung verwendet wird, ist ein Kontakt des Saftes mit der behandelten Hülle nicht ganz auszuschließen. Für den Verbraucher stellt sich die Frage: Sollte man zum Pressen von Orangensaft nur unbehandelte oder Bio-Früchte verwenden oder kann man unbedenklich Orangensaft aus Früchten bereiten, die mit Schalenbehandlungsmittel haltbar gemacht wurden?

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bewertete Untersuchungen zu dieser Fragegestellung, um zu ermitteln, ob und in welchem Umfang bei der Herstellung von Orangensaft im Haushalt ein Übergang der Schalenbehandlungsmittel in den essbaren Anteil erfolgt.

Warum werden Schalenbehandlungsmittel verwendet?

Während des Transports und der Lagerung können sich auf Zitrusfrüchten auch unter optimierten Bedingungen Schimmelpilze ausbreiten und die Ware verderben. Eine Konservierung der Schalenoberfläche schützt die Früchte vor diesen Schaderregern und führt dadurch zu einer verbesserten Haltbarkeit. Der Wirkstoff, der durch ein Tauch- oder Sprühverfahren auf die Früchte aufgebracht wird, verbleibt fast vollständig auf bzw. in der Schale. Nur geringe Spuren gehen in den inneren, essbaren Teil über.

Welche Stoffe werden verwendet?

Zur Schalenbehandlung von Zitrusfrüchten sind die Konservierungsmittel Orthophenylphenol (E231) und Natriumorthophenylphenol (E232) zugelassen. Daneben werden vor allem Thiabendazol und Imazalil als Nacherntebehandlungsmittel eingesetzt. Sie wirken pilzabtötend und werden als Pflanzenbehandlungsmittel vor der Ernte und als Schalenbehandlungsmittel nach der Ernte eingesetzt. Bei Zitrusfrüchten, deren Oberfläche nach der Ernte mit einem oder mehreren der oben genannten Mittel behandelt wurde, muss dies auf der Verpackung kenntlich gemacht werden, z. B. "konserviert mit Thiabendazol". Der Zusatz "künstlich gewachst" bedeutet, dass die Schale zur Vermeidung eines übermäßigen Feuchtigkeitsverlustes mit einer Wachsschicht überzogen wurde. Für die industrielle Zitrussaft-Produktion finden nur Früchte ohne Schalenbehandlung nach der Ernte Verwendung.

Was passiert mit den Schalenbehandlungsmitteln beim Pressen von Orangensaft?

Schon vor einigen Jahren ergaben Studien, dass nur ein geringer Anteil der Schalenbehandlungsmittel in den Orangensaft gelangt [1, 2].

Bei 43 mit Thiabendazol behandelten Orangenproben wurde eine durchschnittliche Thiabendazolkonzentration von 2,3 mg/kg bezogen auf die Gesamtfrucht gefunden. Dieser Wert liegt deutlich unter der in der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) für Zitrusfrüchte zugelassenen Höchstmenge von 5 mg/kg.

Für die Saftbereitung wurden vier verschiedene Zitruspressen verwendet. Die Untersuchungen zeigten, dass weniger als 1 % des Wirkstoffes in den Saft gelangte. Das bedeutet, dass höchstens 0,02 mg Thiabendazol in einem Liter Saft enthalten waren.

Die Art der Pressen hatte keinen Einfluss auf den Gehalt von Thiabendazol im Orangensaft. Die Thiabendazol-Mengen, die beim Pressvorgang auf die Hände übertragen werden und eventuell über einen indirekten Hand-Mundkontakt in den Körper gelangen können, waren bei den verschiedenen Zitruspressen sehr unterschiedlich. Bei Saftpressen, bei denen die Frucht unmittelbar mit der Hand festgehalten wird, war die Thiabendazol-Übertragung auf die Hände am deutlichsten (26 %). Dies kann durch die Benutzung eines Papierhaushalttuches während des Pressvorgangs vermieden werden. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass durch Waschen der Früchte und anschließendem Trocknen mit einem Haushaltstuch ein Großteil des Mittels entfernt werden kann.

Im Jahr 1999 war die Bestimmung von Oberflächenbehandlungsmitteln bei Zitrusfrüchten wie Orangen oder Grapefruits und den daraus hergestellten, frisch gepressten Säften aus so genannten Saftbars ein Untersuchungsschwerpunkt des LGL. Die Rückstände bei den Saftorangen lagen in der Regel unterhalb der zulässigen Höchstmengen. Die Untersuchungen der daraus hergestellten Säfte ergaben Rückstände in niedrigeren Konzentrationen.

Nach neueren Untersuchungen [3, 4] sind im Fruchtfleisch der Zitrusfrüchte auch etwas höhere Gehalte der Oberflächenbehandlungsmittel zu finden. Diese lagen in der Regel deutlich unter dem Gehalt der Gesamtfrucht, meistens sogar unter 10 %.

Bewertung und Verbrauchertipps

Zitrusfrüchte und daraus hergestellte Säfte schmecken nicht nur gut, sondern haben auch für die Gesundheit große Bedeutung. Wie die Untersuchungsergebnisse zeigen, geht bei behandelten Früchten nur ein geringer Anteil der Wirkstoffe in den Saft über. Um diesen noch zu minimieren, sollten die Zitrusfrüchte vor dem Pressen mit warmem Wasser gewaschen und anschließend mit einem Haushaltspapier trocken gerieben werden. Am besten sind natürlich unbehandelte Früchte.

Quellen

  • [1] Königer, M. und Wallnöfer, P.R.; Deutsche Lebensmittelrundschau 8/86, 251-253 (1990).
  • [2] Königer M. und Wallnöfer P.R.; Schule und Beratung Heft 06, V-1 - V-3 (1997)
  • [3] ATLANTA Aktiengesellschaft, Breitenweg 29 - 33, D-28195 Bremen. 2007, Rückstandsdaten (Zitrusfrüchte) unter http://www.kennzeichnungsrecht.de/docs
  • [4] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2002, Daten aus dem bundesweiten Lebensmittel-Monitoring 2002, http://www.bvl.bund.de/lebensmittelmonitoring

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