Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pestiziden und Umweltkontaminanten in Krustentieren aus dem Handel - Untersuchungsergebnisse erste Jahreshälfte 2006

Was hat das LGL untersucht?

Garnelen

Insgesamt 39 Proben von Krustentieren aus dem bayerischen Handel wurden in der ersten Jahreshälfte 2006 am LGL untersucht. 17 Proben stammten laut Kennzeichnung aus Aquakulturen, 22 Proben aus freien Gewässern.

In Bezug auf die Herkunft überwog Asien (20 Proben; vor allem Vietnam und Bangladesch), acht Proben waren europäischer Herkunft (Nordsee- und Nordmeerkrabben). Aus Mittelamerika stammten vier Erzeugnisse, die restlichen Proben trugen keine Herkunftsangabe.

Das Untersuchungsspektrum umfasste zahlreiche insektizide Wirkstoffe (Phosphorsäureester und Pyrethroide), die zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden sowie die klassischen Organochlorpestizide (z. B. Hexachlorbenzol, Lindan, DDT, Chlordan, Toxaphen).

In Bezug auf Umweltkontaminanten wurde speziell auf Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Nitro-Moschusverbindungen geprüft. Zusätzlich erfasst wurden auch der antimikrobielle Stoff Triclosan sowie das in Futtermitteln weit verbreitete Antioxidans Ethoxyquin. Durch ein durchgeführtes GC/MS-Screening sollten auch Hinweise auf das Vorkommen weiterer Stoffe erhalten werden.

Was sind Krustentiere?

Garnelen (Shrimps, Prawns), Krabben, Scampi – das Angebot an Krustentieren auf dem Markt ist sehr vielfältig, sowohl in roher als auch in verarbeiteter Form. Entsprechend weit gefächert ist auch die Herkunft dieser Lebensmittel auf dem heimischen Markt. Sie reicht vom Nordatlantik über Mittelamerika bis hin zu zahlreichen Ländern Asiens, die sich in den letzten Jahren zu den Hauptlieferanten entwickelt haben. Mittlerweile stammt bereits ca. 40% der angebotenen Ware aus Zuchtfarmen. Erzeugnisse aus diesen Aquakulturen sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen, vor allem durch Rückstände von Antibiotika, die in der EU nicht zugelassen sind (z. B. Chloramphenicol, Nitrofurane). Daneben kursierten in der Vergangenheit wiederholt Berichte über massive Chemikalieneinsätze in diesen Massentierhaltungen (v. a. zur Schädlingsbekämpfung), sowie über starke Umweltbelastungen. Eine Schwerpunktuntersuchung sollte Aufschluss darüber geben, inwieweit bei diesen Erzeugnissen mit derartigen Rückständen und Kontaminanten gerechnet werden muss.

Welche Ergebnisse liegen vor?

Von den insgesamt 39 Erzeugnissen erwiesen sich 16 (41%) als frei von nachweisbaren Rückständen und Umweltkontaminanten. Die Gehalte der anderen Proben waren durchwegs so gering, dass bestehende Grenzwerte weit unterschritten wurden. Somit entsprachen alle geprüften Lebensmittel den Anforderungen.

Rückstände von insektiziden Schädlingsbekämpfungsmitteln waren in keiner Probe nachweisbar. Die in Lebensmitteln tierischer Herkunft als Umweltkontaminanten häufig auftretenden Organochlorpestizide lagen nur in geringen Spuren vor. Der Grund dafür liegt auch in dem geringen Fettgehalt der Garnelen, der durchschnittlich nur 0,7% betrug. Entsprechend gering war auch die Kontamination mit den ebenfalls fettlöslichen PCB, die lediglich in Proben aus dem Nordatlantik vorgefunden wurden.

Zu den Umweltkontaminanten zählen auch die Nitro-Moschusverbindungen, die als Duftstoffe von Waschmitteln und Kosmetika in Gewässer gelangen können. Bemerkenswert ist hier das Auftreten von Moschus-Ambrette in fünf Proben asiatischer Herkunft, wenngleich die Gehalte unter 1µg/kg (ppb) lagen und es sich somit um geringste Spuren handelte.

Unklar ist die Ursache für das Vorkommen von Triclosan in zwei Proben. Dieser antibakterielle Stoff kann als Bestandteil von Reinigungs- und kosmetischen Mitteln möglicherweise auch erst bei der Verarbeitung auf die Garnelen übergegangen sein.

Während bei allen anderen Stoffen kaum ein Unterschied zwischen wild gefangenen und aus Aquakultur stammenden Krustentieren festzustellen war, betrafen die in fünf Proben festgestellten Rückstände an Ethoxyquin ausschließlich Zuchtbetriebe. Die Substanz darf Futtermitteln als Antioxidans zugesetzt werden. In den letzten Jahren wurde Ethoxyquin am LGL bereits häufig in Fischen aus Aquakulturen (v. a. Lachse und Forellen) nachgewiesen. Das Problem des Übergangs von Ethoxyquin von Futtermitteln auf die daraus gewonnenen Lebensmittel tierischer Herkunft wurde zwischenzeitlich von der Europäischen Kommission aufgegriffen.

Bromverbindungen natürlichen Ursprungs

Bei der Untersuchung auf weitere Rückstände wurden mittels Massenspektrometrie (MS) insgesamt sieben ungewöhnliche Bromverbindungen entdeckt. Es handelte sich vor allem um bromierte Phenole und Indole. Die Strukturen lassen auf Naturstoffe schließen. In der Fachliteratur sind bislang mehr als tausend solcher natürlicher Halogenverbindungen beschrieben, die vor allem von marinen Lebewesen (z. B. Algen) gebildet werden. Das Interesse der Wissenschaft an diesen Naturstoffen ist u.a. auch darin begründet, dass sie teilweise bestimmten industriellen Problemstoffen chemisch ähneln und deshalb eine unerwünschte Wirkung beim Menschen nicht von vorneherein auszuschließen ist. In den Proben waren meist nur geringe Gehalte festzustellen. Es zeigte sich jedoch, dass bei Krustentieren diese halogenierten Naturstoffe in der Häufigkeit ihres Auftretens mit den weit verbreiteten Organochlorpestiziden vergleichbar sind und deren Gehalte nicht selten übersteigen.

Tabelle 1: Übersicht: Untersuchungsspektrum und Befunde
Stoff / Stoffgruppe Proben mit Nachweis Anzahl / (%-Anteil) Maximalwert mg/kg, Stoff Bemerkung
Insektizide Schädlingsbekämpfungsmittel 0 --- ---
Organochlorpestizide 19 (49%) 0,002
DDT, Summe
Neben DDT vereinzelt auch HCB und Endosulfan
PCB 5 (13%) 0,0005
PCB 138
Nur in Proben aus Nordsee
Nitro-Moschusverbindungen 6 (15%) 0,0006
Moschus-Keton
In 5 asiatischen Proben:Moschus-Ambrette
Triclosan 2 (5%) 0,004
Ethoxyquin 5 (13%) 0,045 Nachweis nur bei Aquakultur-Proben
Bromverbindungen natürlichen Ursprungs 20 (51%) 0,029
Dibrom-Kresol
Neben Dibromkresol noch 6 weitere Verbindungen

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