Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Dioxinbelastung von Hühnereiern aus ökologischer Haltung und Freilandhaltung von Betrieben mit mehr als 5.000 Legehennen - Untersuchungsergebnisse 2012

Im Jahr 2012 haben erneut Pressemeldungen über erhöhte Dioxin- und insbesondere PCB-Gehalte in Hühnereiern die Verbraucher verunsichert. Daher legte das LGL einen Untersuchungsschwerpunkt auf Hühnereier aus bayerischen Großbetrieben mit mehr als 5.000 Legehennen, denen ein Auslauf im Freien zur Verfügung stand. Dieses Programm ergänzte die im Jahr 2005 durchgeführte umfangreiche Dioxinuntersuchung von Hühnereiern auch um die aktuelle PCB-Belastungssituation.

Wie können Dioxine und dioxinähnliche PCB in Eier gelangen?

PCB wurden bis zu ihrem Herstellungs- und Anwendungsverbot in den 1980er-Jahren für vielfältige Einsätze in großen Mengen produziert. Durch Ausdünstungen von beispielsweise PCB-haltigen Dichtungsmassen und Farbanstrichen, aber auch durch unsachgemäße Abfallentsorgung konnten PCB in die Umwelt gelangen. Aufgrund ihrer geringen Wasserlöslichkeit reichern sie sich in den obersten Bodenschichten an. Da Hühner in freiem Auslauf neben dem angebotenen Futter bis zu einem gewissen Grad auch selber auf Nahrungssuche gehen und beim Picken Bodenpartikel aufnehmen, kann die Vorbelastung des Bodens das Risiko einer Kontamination der Hühner und ihrer Eier erhöhen. Weitere Eintragspfade können kontaminierte Futtermittel, Einstreu und die Bauweise der Stallungen (PCB-haltige Materialien) sein. Dioxine entstehen auch ungewollt bei Verbrennungsprozessen und können zum Beispiel über Brandrückstände von den Hühnern aufgenommen werden.

Rechtliche Bewertung und Toxizität

Gesetzliche Regelungen für Dioxine in Hühnereiern aus Freilandhaltung bestehen seit Januar 2005, der Höchstgehalt für die Summe aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB wurde im November 2006 eingeführt. Seitdem wiesen lediglich 17 (6,2 %) von insgesamt 276 am LGL untersuchten Proben eine Überschreitung des zulässigen Summenhöchstgehaltes auf, sämtliche betroffene Betriebe gehörten jedoch sogenannten Hobbyhaltern mit weniger als 100 Legehennen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse veranlassten die WHO zu einer Neubewertung der Toxizität Anfang 2012. Die zulässigen Höchstgehalte wurden daraufhin angepasst. Dabei wurde die Giftigkeit von Dioxinen und dioxinähnlichen PCB je nach Lebensmittel um bis zu 20 % geringer eingestuft. Zum Vergleich der Dioxingehalte in Hühnereiern aus bayerischen Großbetrieben mit mindestens 5.000 Legehennen hat das LGL die eigenen Daten aus dem Jahr 2005 auf das ab 2012 gültige Bewertungsmodell adaptiert und den aktuellen gemittelten Untersuchungsergebnissen ( Dioxine) gegenüber gestellt (siehe Abbildung). Ergänzend enthält die Abbildung die aktuellen mittleren Summengehalte aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (PCDD/F+PCB).

Das Säulendiagramm der Abbildung vergleicht in den ersten beiden Spalten die durchschnittlichen Dioxinbelastungen von Hühnereierproben aus Öko- und Freilandhaltung der Jahre 2005 und 2012, die aus Großbetrieben mit mindestens 5000 Legehennen stammen. Dabei sank der mittlere Dioxingehalt bei den Eiern aus Ökohaltung von 0,41 im Jahr 2005 auf 0,22 pg WHO-TEQ / g Fett im Jahr 2012 und bei denen aus Freilandhaltung von 0,27 im Jahr 2005 auf 0,19 pg WHO-TEQ / g Fett im Jahr 2012. Der zulässige Dioxinhöchstgehalt liegt mit 2,5 pg WHO-TEQ / g Fett annähernd zehn Mal so hoch wie die momentane mittlere Belastung.??Die dritte Säulengruppe des Diagramms präsentiert die durchschnittliche Gesamtbelastung von Hühnereiern aus 2012 mit Dioxinen und dioxinähnlichen PCB. Die Gehalte betragen bei den Proben aus Ökohaltung 0,51 pg WHO-TEQ / g Fett und bei denen aus Freilandhaltung 0,36 pg WHO-TEQ / g Fett. Auch hier liegt der zulässige Summenhöchstgehalt mit 5,0 pg WHO-TEQ / g Fett rund zehn Mal so hoch wie die derzeitige mittlere Belastung.??

Abbildung: Mittlere Dioxin- und Dioxin/PCB-Gehalte in Öko- und Freilandeiern von bayerischen Betrieben mit mindestens 5.000 Legehennen

Untersuchungsergebnisse bei den Hühnereiern

Von den 37 überprüften Großbetrieben mit mindestens 5.000 Legehennen kamen 16 Proben Eier aus ökologischer Haltung und 21 Proben aus Freilandhaltung. Bei den Betrieben mit ökologischer Tierhaltung ermittelte das LGL einen mittleren Gehalt an Dioxinen von 0,22 pg WHO-PCDD/F-TEQ pro g Fett. Der mittlere Gehalt an Dioxinen von Hühnereiern aus Freilandhaltung lag mit 0,19 pg pro g Fett auf demselben Niveau. Die Dioxingehalte sämtlicher Eierproben von bayerischen Großbetrieben mit Auslaufmöglichkeit für die Hühner lagen demnach deutlich unter dem zulässigen Höchstgehalt von 2,5 pg WHOPCDD/ F-TEQ pro g Fett. Die Untersuchung der dioxinähnlichen PCB zeigte vergleichbar niedrige Gehalte im Bereich von 0,10 bis 0,59 pg WHO-PCB-TEQ pro g Fett bei ökologischer Haltung (im Mittel 0,29 pg pro g Fett) bzw. 0,02 bis 1,07 pg WHO-PCB-TEQ pro g Fett bei Freilandhaltung (im Mittel 0,17 pg pro g Fett). Dementsprechend überschritt keiner der Summengehalte aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB den zulässigen Summenhöchstgehalt von 5,0 pg WHOPCDD/ F-PCB-TEQ pro g Fett. Die mittleren Summengehalte lagen bei 0,51 pg pro g Fett für ökologische Haltung und bei 0,36 pg pro g Fett für Freilandhaltung. Der Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit den mittleren Dioxingehalten aus dem Schwerpunktprogramm 2005 macht deutlich, dass die Dioxinbelastung der Hühnereier aus bayerischen Großbetrieben leicht zurückgegangen ist. Damals wiesen Eier aus ökologischer Produktion noch durchschnittlich 0,41 pg WHO-PCDD/F-TEQ pro g Fett und Eier aus konventioneller Freilandhaltung 0,27 pg pro g Fett auf. Ein Vergleich der Summengehalte ist nicht möglich, da im Jahr 2005 das LGL noch nicht routinemäßig auf dioxinähnliche PCB untersuchte.

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