Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Untersuchung von Wildbret auf Blei, Kupfer und Zink (2012)

Seit Beginn der Verwendung von Schusswaffen für die Jagd wird Wild mit Bleimunition erlegt. In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Bestrebungen, anstelle bleihaltiger Munition alternative Materialien für die Herstellung der Geschosse einzusetzen, um weniger von dem toxischen Schwermetall in die Umwelt einzutragen. Ein Ersatz dient auch dem Schutz von Seeadlern, welche die Schrotkugeln aufnehmen oder angeschossenes Kleinwild erlegen und durch aufgenommene Geschosssplitter an Bleivergiftung verenden. Der Einsatz bleihaltiger Schrote ist bei der Jagd auf Wasserfederwild an oder über Gewässern in Bayern bereits verboten.

Im Jahr 2012 startete das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine bundesweite Studie, an der auch das LGL beteiligt war. Darin soll ermittelt werden wie groß die Bleibelastung durch den Verzehr von mit bleihaltiger Munition erlegtem Wildbret im Vergleich zu bleifrei erlegten Wildtieren ist. Aus toxikologischer Sicht stehen vor allem Vielverzehrer wie Jäger und deren Angehörige im Fokus, bei denen Wildbret besonders oft auf dem Speiseplan steht. Blei kann Organe und das Nervensystem schädigen und die Blutbildung hemmen. Für Normalverzehrer mit nur wenigen Wildmahlzeiten pro Jahr ist die toxikologische Bedeutung untergeordnet. Daneben soll die Studie mögliche Probleme bei Verwendung bleifreier Munition aufzeigen.

Insgesamt hat das LGL im Rahmen des Projektes 49 Rehe und Schwarzwild untersucht. 19 Tiere wurden mit bleihaltiger Munition erlegt, 30 Tiere mit bleifreier Munition. Von jedem Tier wurden Proben aus dem Schusskanal, der Keule und dem Rücken untersucht. Gemessen wurden die Gehalte der Elemente Blei, Kupfer und Zink. Die Werte für Kupfer und Zink zeigten keine Unterschiede bei der Verwendung bleifreier oder bleihaltiger Munition. Die Kupfergehalte liegen zwischen 0,9 mg/kg und 2,4 mg/kg, die Zinkgehalte zwischen 23 und 69 mg/kg. Die Konzentrationen dieser beiden Elemente liegen im physiologisch üblichen Bereich. Dabei sind die Schwankungen zwischen den unterschiedlichen Fleischteilen innerhalb eines Tieres gering. Größere Spitzen bei den Kupfer und Zinkgehalten, die aus Splittern von Geschossen resultieren könnten, traten nicht auf. Dagegen waren bei den Bleiwerten im Fleisch die Unterschiede zwischen den mit bleifreier und mit bleihaltiger Munition erlegten Tieren deutlicher. Von den 30 bleifrei erlegten Tieren waren nur in insgesamt drei Proben Gehalte in Keule und Rücken zwischen 0,07 und 0,23 mg/kg sowie in einem Fall ein Gehalt von 0,21 mg/kg in einem Schusskanal feststellbar.

Bei den mit bleihaltiger Munition erlegten Tieren wies ein Schusskanal einen Bleigehalt von 2,0 mg/kg auf, bei den anderen Proben war in den Schusskanälen kein Blei messbar. Überraschenderweise fand das LGL höhere Bleiwerte in den Rücken- und Keulenstücken. In fünf Rückenstücken wurden Gehalte zwischen 0,06 und 0,84 mg/kg ermittelt, bei einem Median von 0,21 mg/kg. Sechs der untersuchten Keulen wiesen messbare Bleigehalte im Fleisch auf, Spitzenreiter waren zwei Keulenstücke mit 19 und 73 mg/kg. In den anderen Keulen lagen die Bleigehalte unter 0,1 mg/kg.

Diese Ergebnisse zeigen, dass offensichtlich bei Verwendung von bleihaltiger Munition Geschosssplitter, die beim Aufprall entstehen, weit ins Muskelfleisch vordringen können und sich im Fleisch weiträumig verteilen. Diese sind nicht sichtbar, werden bei der Zubereitung von Wildmahlzeiten verarbeitet und in der Folge vom Verbraucher aufgenommen. Eine hierdurch verursachte Bleibelastung des Organismus könnte durch die Verwendung anderer Geschossmaterialien vermieden werden. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen des BfR hängt vom Ergebniss der Studie ab.

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