Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pharmakologisch wirksame Stoffe – Untersuchungsergebnisse 2005

Was hat das LGL untersucht?

Insgesamt hat das LGL 11.320 Proben auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe untersucht (NRKP-Proben, Hemmstoff-Proben nach Fleischhygienerecht und Lebensmittel). 23 Proben (0,2 %) wurden beanstandet.

Die überwiegende Zahl der Proben wurde im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) untersucht. In diesem für jeden EU-Staat verbindlichen Probenplan sind Anzahl und Auswahl der Proben sowie das Untersuchungsziel detailliert vorgegeben. Wie aus dem Diagramm „NRKP-Proben 2005“ ersichtlich, sind vor allem Rinder und Schweine zu untersuchen, aber auch Geflügel, Fische und Milch werden häufig kontrolliert. Die Aufteilung der bayerischen Proben auf die Kreise basiert auf den regionalen Viehbestands- und Schlachtzahlen sowie den Urproduktionsdaten einiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Diese Proben werden meist zunächst mit schnell und einfach durchführbaren Screeningverfahren untersucht. Lassen sich dabei Rückstände nicht eindeutig ausschließen, werden die Ergebnisse mit aufwendigen Bestätigungsverfahren, die eine sichere Identifizierung vorhandener Rückstände erlauben, überprüft.

Diagramm: NRKP-Proben 2005 (8233 Proben, ohne Hemmstoffproben)

Kuchendiagramm der NRKP Proben 2005

Welche Ergebnisse liegen vor?

Chloramphenicol

Chloramphenicol (CAP) ist ein sehr wirksames und preiswertes Antibiotikum. Es wird noch in vielen Ländern in der Tierproduktion eingesetzt, insbesondere bei Fischen und anderen im Wasser lebenden Tieren. In der EU darf dieses Arzneimittel schon seit 1994 nicht mehr bei Tieren angewendet werden, die der Nahrungsmittelproduktion dienen, denn dieser Stoff kann in seltenen Fällen beim Menschen die lebensbedrohliche aplastische Anämie auslösen. Für andere Tiere ist es aber weiterhin zugelassen. Um das Anwendungsverbot in der EU zu überwachen, wurden insgesamt 1.687 Proben untersucht. In je einem Rind und Masthähnchen war Chloramphenicol nachweisbar (0,39 und 2,5 µg/kg). In einem Fall wurde die Probe bei der Probenahme kontaminiert, im zweiten Fall war der Grund für den Chloramphenicolnachweis nicht zu ermitteln.

Malachitgrün – weiterhin ein Problem bei Fischen und Fischprodukten

Wie im vergangenen Jahr wurden auch 2005 weiter verstärkt Fische auf die illegale Anwendung des Triphenylmethanfarbstoffes Malachitgrün untersucht. Malachitgrün wirkt gegen Pilzerkrankungen und Parasiten bei Fischen, hat jedoch auch krebserregende, erbgutverändernde und fruchtschädigende Wirkung und darf daher in der EU nicht bei Tieren eingesetzt werden, die Lebensmittel liefern. Das LGL untersuchte insgesamt 257 Fischproben (156 Forellen, 101 Karpfen) sowie sechs Proben Forellenkaviar auf Rückstände von Malachitgrün. Bei vier Forellenproben aus vier verschiedenen Aufzuchtbetrieben wurde der Metabolit Leukomalachitgrün nachgewiesen. Drei der vier Proben wiesen diesen Stoff im Konzentrationsbereich von 2,2 bis 8,8 µg/kg auf, die vierte Probe enthielt 182 µg/kg. Hier wurde nicht nur ein unzulässiges Antiparasitikum verwendet, die Probe war zudem als nicht sicheres Lebensmittel nach der EU-Basisverordnung zu beanstanden. In acht von zwölf Verfolgsproben wurde Leukomalachitgrün nachgewiesen (4 bis 132 µg/kg). Die gleichfalls nicht zugelassenen Triphenylmethanfarbstoffe Kristallviolett und Brillantgrün waren in keiner Probe enthalten. Im Rahmen einer Rückrufaktion wurden sechs Proben Forellenkaviar auf Triphenylmethanfarbstoffe untersucht. Alle enthielten Leukomalachitgrün im Bereich von 4,6 bis 12 µg/kg.

Nitrofurane

Nitrofurane sind kanzerogene und erbgutschädigende Antibiotika und seit 1995 in der EU verboten. Sie werden im Tierkörper sehr rasch umgewandelt, so dass eine verbotswidrige Verwendung nur über ihre Metaboliten im Lebensmittel nachweisbar ist. Nitrofurane werden vor allem noch in Südostasien und Südamerika in der Tierzucht eingesetzt, da sie wirksam und preisgünstig sind.

2005 wurden gezielt Shrimps, Garnelen und Geflügel aus Drittländern untersucht, die häufig Gegenstand von EU-Schnellwarnungen waren. Während in Geflügel keine dieser verbotenen Antibiotika nachgewiesen werden konnten, wiesen vier von 22 Shrimps-Proben aus Indonesien und Vietnam Rückstände des Furazolidon-Metaboliten AOZ auf (0,7 bis 3,65 µg/kg).

Andere Wirkstoffe

In Honig, Lachs und Geflügel waren erfreulicherweise im Gegensatz zu den Vorjahren keine Antibiotika-Rückstände feststellbar. Beanstandet wurden eine Schlachtkuh, die das für Lebensmittel liefernde Tiere nicht zugelassene entzündungshemmende Medikament Phenylbutazon enthielt, und Eier, in denen das in der EU nicht mehr zugelassene Coccidiostatikum Nicarbazin festgestellt wurde.

Hemmstoffe

Fleisch und Innereien geschlachteter Tiere werden stichprobenweise auf Stoffe untersucht, die das Bak­terienwachstum hemmen können. Mit diesem einfach durchführbaren biologischen Test werden hauptsächlich Antibiotikarückstände angezeigt. Aber auch andere Stoffe wie Desinfektionsmittel können das Bakterienwachstum behindern und dadurch Antibiotika vortäuschen.
Viele Hemmstofftests werden direkt an den Schlachthöfen durchgeführt. Nur ein geringer Anteil der in Bayern durchgeführten Hemmstoffuntersuchungen erfolgt im LGL. Die folgende Tabelle „Hemmstoffuntersuchungen 2005“ gibt einen Überblick über die Ergebnisse der im LGL durchgeführten Tests. In der Aufstellung enthalten sind auch 16 Verdachts- und Verfolgsproben, in denen Hemmstoffe aber nicht nachgewiesen wurden. 17 Proben waren Hemmstoff-positiv, zeigen also festgestellte Hemmstoffe an.

Hemmstoff-Nachuntersuchungen

16 positive Hemmstoffproben wurden mit aufwendigen Methoden weiter untersucht, um den Wirkstoff zu identifizieren.

In neun Proben waren elf Antibiotika nachweisbar. Vier Proben wiesen Aminoglycosid-Antibiotika (Gentamicin und Neomycin) auf, drei Proben enthielten Tetracycline, zwei Sulfonamide, und in je einer Probe wurden ein ß-Lactam-Antibiotikum sowie Enrofloxacin nachgewiesen. Bei drei Rindern und jeweils zwei Schafen und Schweinen waren die zulässigen Höchstwerte überschritten oder es wurden für die Tierart nicht zugelassene Antibiotika verwendet.

Tabelle: Hemmstoffuntersuchungen 2005

Tierart

Anzahl

Bemerkungen

Proben negativ positiv
Kälber 83 81 2 1 x Muskel,
1 x Niere
Rinder 147 145 2
Schweine 2.719 2.710 9
Schafe 130 126 4
Ziegen 2 2
Damwild 1 1
Forellen 2 2
Karpfen 3 3
Summen: 3.087 3.070 17

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