Gehäuftes Auftreten von Hantavirus-Fällen in Bayern 2021

Epidemiologische Situation 2021

Aktuell wird in Bayern ein gehäuftes Auftreten von Hantavirus-Erkrankungen beobachtet. Zwischen der Meldewoche 1-22 wurden dem LGL 154 Fälle von Hantavirus-Erkrankungen übermittelt (Datenstand: 08.06.2021), so viele wie noch nie im Vergleichszeitraum der Vorjahre. Ähnliche Häufung wie 2021 gab es bereits in den Jahren 2007, 2010, 2012, 2015, 2017 und 2019 (Abbildung 1). Das Auftreten von Hantavirusinfektionen unterliegt jährlichen Schwankungen, die auf das Nahrungsangebot der Überträgertiere (insbesondere Rötelmaus) und klimatische Faktoren zurückzuführen sind. So genannte „Hanta-Jahre“, also Jahre mit gehäuftem Auftreten von Infektionen, treten in der Regel alle 2-3 Jahre auf. Ihnen gehen in der Regel Jahre mit einem großen Nahrungsangebot für die Reservoirtiere (durch Buchen- oder Eichelmast) voran, die zu einer sprunghaften Vergrößerung der Population führen.

Balkendiagrammm zu Hantaviruserkrankungen 2007 bis 2021

Abbildung 1: Übermittelte Fälle von Hantavirus-Erkrankungen in Bayern, 2001-2021 (Datenquelle: SurvNet; Datenstand: 08.06.2021)

Erreger

Hantaviren sind einzelsträngige RNA-Viren aus der Familie der Hantaviridae, Ordnung Bunyavirales. Die einzelnen Hantavirus-Typen sind jeweils mit spezifischen Nagetierspezies assoziiert. In Deutschland treten vorwiegend das Puumalavirus und das Dobrave-Begrad-Virus auf. Ersteres wird von der Rötelmaus, zweites von der Brandmaus übertragen.

Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion wird in der Regel anhand des klinischen Bildes und der serologischen Untersuchungsergebnisse gestellt, die bereits einen Hinweis auf den Virustyp geben. Der labordiagnostische Nachweis wird in der Regel serologisch durch den Nachweis spezifischer Immunglobulin(Ig)M- und IgG-Antikörper mittels Enzymimmunoassay (ELISA) oder Immunblot erbracht.

Infektionsweg

Die Viren werden von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und können darin einige Zeit Tage infektiös bleiben. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch die Inhalation virushaltiger Aerosole, durch den Kontakt der verletzten Haut mit kontaminiertem Staub oder durch Bisse. Auch eine Übertragung über Lebensmittel, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminiert wurden, ist möglich.

Klinische Symptomatik

Hantaviren verursachen in Abhängigkeit vom Virustyp verschiedenartige Krankheitsbilder mit unterschiedlich schwerem Verlauf. In Deutschland wie auch in West-, Nord- und Mitteleuropa manifestiert sich die Hantavirus-Infektion in der Regel als Nephropathia epidemica, einer eher milden bis moderaten Verlaufsform des hämorrhagischen Fiebers mit Nierenbeteiligung. Die Leitsymptome sind hohes Fieber, Myalgien, Kopfschmerz, gastrointestinale Beschwerden und akutes Nierenversagen. Generell ist jedoch davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Hantavirus-Infektionen asymptomatisch bzw. mit unspezifischen Symptomen verläuft, so dass keine diagnostische Abklärung veranlasst wird und es so zu einer Untererfassung kommt.
Insgesamt 55% der im Jahr 2021 übermittelten Infektionen musste stationär im Krankenhaus aufgrund der Hantavirus-Infektion behandelt werden. Bei 56% der Fälle trat eine Nierenfunktionstörung auf. Weitere Symptome die berichtet wurden waren u.a. Fieber (bei 84% der Fälle), Glieder-oder Muskelschmerzen (73%), Kopfschmerzen (65%) und Übelkeit (44%).

Therapie

Eine kausale Therapie gegen Hantavirus-Erkrankungen existiert nicht. Die Behandlung erfolgt daher entsprechend der aufgetretenen Symptomatik (z. B. Dialyse bei akuter Nierenbeteiligung).

Demographische Aspekte 2021

Mit einem Anteil von 61% waren Männer 2021 etwas häufiger von Hantavirus-Erkrankungen in Bayern betroffen als Frauen. Die 22-Wochen-Inzidenz war sowohl bei männlichen als auch weiblichen Personen in der Altersgruppe 40-49 Jahre am höchsten (Abbildung 2).

Balkendiagramm

Abb. 2: 22-Wochen-Inzidenz übermittelter Hantavirus-Erkrankungen in Bayern 2021, nach Altersgruppe und Geschlecht (Datenquelle: SurvNet; Datenstand: 08.06.2021)

Regionale Verteilung

Bekannte Endemiegebiete für Hanta sind die Region um Aschaffenburg-Würzburg, Teile des Bayerischen Waldes sowie die Schwäbische Alb. Auch 2021 trat ein Großteil der übermittelten Fälle in den bekannten Endemiegebieten auf (Abbildung 3). Sporadisch wurden Einzelfälle von Hantavirus-Infektionen aber aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Bayern berichtet.

Bayern-Karte mit Punkten als Dartellung von aufgetretenen Hantavirus-Erkrankungen

Abbildung 3: Regionale Verteilung übermittelte Fälle von Hantavirus-Erkrankungen in Bayern 2021 (n=154; Datenquelle: SurvNet; Datenstand: 08.06.2021)

Prävention

Da weder eine Impfung gegen Hantaviren noch eine spezifische Therapie existiert, steht zur Vermeidung von Infektionen ausschließlich das Einhalten bestimmter Hygieneregeln zur Verfügung Wie zuvor bereits beschrieben, sind die Hantaviren in den Ausscheidungen von infizierten Nagetieren zu finden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt entweder über die Atemwege durch das Einatmen virushaltiger Stäube oder Aerosole (Tröpfcheninfektion) oder durch Schmierinfektionen über die Hände nach Kontakt mit lebenden oder toten Nagetieren bzw. deren Ausscheidungen oder auch über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Besondere Vorsicht ist deshalb geboten bei Tätigkeiten in Räumen, in denen Mäuse hausen (wie z. B. Schuppen, Keller, Dachböden, Gartenhäuschen), aber auch im Freien z. B. bei Kompost- oder Holzarbeiten. Staubentwicklung sollte bei Reinigungsarbeiten durch vorheriges Befeuchten vermieden werden. Bei sichtbarem Mäusebefall sollten Handschuhe und Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Weitere Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen finden Sie in einem Merkblatt des Robert Koch-Instituts:

Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen (PDF)

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