Diabetes mellitus in Bayern

An Diabetes mellitus, der "Zuckerkrankheit", sind in Deutschland fünf bis sieben Millionen Erwachsene erkrankt. In Bayern sind es ca. 700.000 bis eine Million Menschen. Betroffene bemerken zu Beginn ihrer Erkrankung häufig nichts. Geht man von Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) aus, könnten bis zu 1,5 Millionen Menschen in Deutschland einen nicht diagnostizierten Diabetes mellitus haben, in Bayern bis zu 200.000. Diabetes mellitus nimmt zu – für Deutschland berichtet das RKI von einem Anstieg um ca. 40 % in den letzten 15 Jahren. Die Gründe für diesen Anstieg sind die Zunahme von Risikofaktoren (vor allem Adipositas), verbesserte Diagnostik und besseres Überleben mit der Erkrankung. Diabetes frühzeitig zu erkennen ist wünschenswert, da der überwiegende Typ-II-Diabetes durch verhaltenspräventive Maßnahmen, zum Beispiel mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung, günstig beeinflusst werden kann.

Fakten zu Diabetes Mellitus Typ 1 und Typ 2

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der im Urin von Betroffenen zu viel Zucker festzustellen ist, daher der Ausdruck "Zuckerkrankheit". Ursache ist ein Mangel oder eine ungenügende Wirkung von Insulin, dem zentralen blutzuckersenkenden Hormon des Menschen. Insulin wird von den β-Zellen der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse produziert, von denen (lateinisch "insula") sich der Name Insulin ableitet. Beim Diabetes werden verschiedene Erkrankungsformen unterschieden. Die beiden wichtigsten sind der Typ-1-Diabetes, der schon bei Kindern und Jugendlichen auftritt, und der Typ-2-Diabetes, der vor allem Erwachsene betrifft.

Beim Typ-1-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse aufgrund einer Entzündung der Langerhans-Inseln kein oder nicht genügend Insulin her, es kommt zu einem absoluten Mangel des Hormons. Ursache ist ein Autoimmunprozess, durch den das Immunsystem die β-Zellen irrtümlich als fremd erkennt und zerstört; genetische Faktoren und Umweltfaktoren spielen hierfür eine Rolle. Nur der kleinere Teil (3 bis 5 %) aller Diabeteserkrankungen ist ein Typ-1-Diabetes.

Beim Typ-2-Diabetes besteht ein relativer Insulinmangel, das heißt, das Hormon ist zwar vorhanden, aber in seiner Wirkung eingeschränkt. Ursache ist eine Insulinresistenz, bei der Muskulatur, Fettgewebe und Leber nicht mehr ausreichend auf Insulin ansprechen, worauf die Bauchspeicheldrüse zunächst mit einer erhöhten Insulinausschüttung reagiert – was nach einiger Zeit die Insulinfreisetzung aus der Drüse erschöpft. Ursache sind genetische Faktoren und Faktoren des Lebensstils, allen voran Bewegungsmangel und starkes Übergewicht (Adipositas). Folge eines relativen oder absoluten Insulinmangels ist, dass Kohlenhydrate ("Zucker") aus der Nahrung nicht normal verwertet werden können und der Blutzuckerspiegel übermäßig ansteigt, was auf Dauer ein hohes Gesundheitsrisiko darstellt und vor allem Blutgefäße und Nerven schädigt: Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Durchblutungsstörungen insbesondere der Beine mit dem Risiko der Amputation, Erkrankungen von Nieren und Augen sind die häufigsten Folgen.

Eckdaten aus dem Bayerischen Diabetesbericht

Diabetes mellitus war das Schwerpunktthema 2014 des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Das LGL war in diesem Rahmen für die Erstellung des Bayerischen Diabetesberichts zuständig (online verfügbar unter www.diabetes-bewegt-uns.de).

Tabelle: Eckdaten zu Diabetes
  Deutschland Bayern
Anzahl der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren mit Diabetes mellitus (Typ 1) Ca. 30.000 3.500 bis 4.500
Anzahl der Erwachsenen im Alter ab 18 Jahren mit bekanntem Diabetes mellitus (Typ 1 und 2) 2011/2012 5 bis 7 Millionen 700.000 bis 1 Million
Anteil der Erwachsenen im Alter ab 18 Jahren mit bekanntem Diabetes mellitus (Typ 1 und 2) 2011/2012 7,4 % bis 10,2 % 6,8 % bis 9,5 %
Anzahl der Erwachsenen mit unbekanntem Diabetes mellitus 2012 500.000 bis 1,5 Millionen 70.000 bis 200.000
Direkt zugerechnete Sterbefälle 2012 (ICD-Ziffern E10 bis E14) 24.055 3.908
Sterberate 2012 (altersstandardisiert) 13,8/100.000 15,2/100.000
Direkte Krankheitskosten des Diabetes mellitus 2011 13,2 bis 18,2 Milliarden Euro 1,9 bis 2,6 Milliarden Euro
Datenquelle: Bayerischer Diabetesbericht, www.diabetes-bewegt-uns.de

Mehr zu diesem Thema

Allgemeine Informationen zum Thema