Infektionskrankheiten

Zecke

Bild: Hyalomma marginatum-Zecke

In Bayern natürlich vorkommende potentielle Überträger von Infektions-krankheiten (sogenannte Vektoren) sind vor allem Stechmücken, Zecken, Flöhe und Wanzen. Auch kleine Nager, wie Rötelmäuse oder Spitzmäuse, können Erreger in sich tragen, die ausgeschieden werden können (Reservoirwirte). Über diese Vektoren und Reservoirwirte können verschiedene Krankheitserreger wie Viren und andere Mikroorganismen auf den Menschen übertragen werden. Sowohl das Vorkommen der Vektoren und Reservoirwirte, als auch der Krankheitserreger selbst ist von den klimatischen Verhältnissen abhängig. Durch die zunehmende Globalisierung, internationalen Handel und verstärkte Reisetätigkeit können zum einen neue Vektoren und zum andern nicht-endemische Krankheitserreger aus anderen Teilen der Erde eingeschleppt werden, wie beispielsweise die Leishmaniose durch den Vektor Sandmücke. Durch veränderte Witterungsverhältnisse können sich diese ggf. zu stabilen Populationen (mit Reproduktions- und Überwinterungsfähigkeiten) entwickeln bzw. als Krankheitserreger in heimischen und eingewanderten Tierarten ausbreiten.

Der Klimawandel kann indirekt, durch eine Begünstigung der Ausbreitung von wärmeliebenden Vektoren und Reservoirwirten, die Ausbreitung von Erkrankungserregern begünstigen, die bislang nur in den Tropen bzw. wärmeren Erdregionen aufgetreten sind. Jährlich werden ein paar hundert Fälle von tropischen vektorübertragenen Infektionskrankheiten verzeichnet (bspw. Dengue, Chikungunya) die von Reiserückkehrern importiert werden. Durch die Etablierung von Vektoren, die diese Viren von Mensch zu Mensch übertragen können, könnten auch in Bayern autochthone Übertragungen (Einzelfälle oder Ausbrüche) möglich sein, wie dies bereits in Teilen Frankreichs, Spanien und Italiens seit einiger Zeit beobachtet wird. Im Falle des West-Nil-Virus (WNV) kam es bereits im Sommer 2019 erstmalig zur autochthonen Übertragung des Virus auf den Menschen durch Stechmücken innerhalb Deutschlands. Mögliche Effekte der Klimaänderung sind laut Umweltbundesamt beispielsweise:

  • zunehmende Vermehrung von Vektoren durch kürzere Generationsdauer (z. B. bei Malaria Erreger Plasmodium falciparum und Vibrio spp )
  • Verlängerung der jährlichen Aktivitätsperiode der Vektoren und Reservoirwirte (z. B. bei zeckenübertragenen Erkrankungen wie Lyme-Borreliose und FSME)
  • höhere Überlebensraten der Vektoren und Reservoirwirte durch mildere Winter
  • zunehmende Verbreitung einheimischer Vektoren und Krankheitserreger (z.B. Zunahme der Zeckendichte in Deutschland durch klimatische Veränderungen)
  • Etablierung und Verbreitung eingeschleppter neuer Vektorarten und Krankheitserreger durch veränderte Klimabedingungen (z. B. Asiatische Tigermücke und Hyalomma-Zecke)

Zusammengefasst

Der Klimawandel begünstigt

  • die Verbreitung eingeschleppter Vektoren und Etablierung von tropischen Vektoren,
  • die autochthone Übertragung tropischer Krankheiten in Bayern,
  • und die Vergrößerung der Risikogebiete bei bereits etablierten Krankheiten.

Umsetzung von Klimaanpassung (Beispiele)

Das Wissen über die gesundheitlichen Folgen veränderter Umweltbedingungen und Veränderungen im Ökosystem im Zuge des Klimawandels ist trotz aktueller Forschungsanstrengungen derzeit noch lückenhaft und muss weiterhin erforscht werden. Bekämpfungsmaßnahmen gegen die tierischen Vektoren oder Reservoirwirte stehen oft in Widerspruch zu Umwelt- und Naturschutzinteressen. Darüber hinaus fehlen für Aufklärungs- und Vorsorgemaßnahmen präzise regionale Daten und Risikobewertungen.

Zwar gibt es gemäß Infektionsschutzgesetz seitens des Robert Koch-Institutes auf nationaler Ebene Surveillancesysteme für übertragbare Krankheiten. Überwachungsprogramme für Überträger wie Mücken, Zecken oder Reservoirwirte (Mäuse etc.) fehlen jedoch in Deutschland bislang weitestgehend.

Weiterführende Literatur finden Sie hier.