Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Projekt: Humanbiomonitoring - Interne Belastung der Bevölkerung im Landkreis Altötting mit perfluorierten Substanzen

 

Kurzbeschreibung:

Ziel der Humanbiomonitoring-Untersuchung ist es, die Belastungssituation der Bevölkerung mit perfluorierten Substanzen im Landkreis Altötting zu ermitteln und ggf. durch eine Nachuntersuchung den Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen zur Verringerung der Exposition der Bevölkerung durch die Umwelt zu überprüfen.

Hierzu soll im Jahr 2018 bei Personen verschiedener Gemeinden des Landkreises Altötting, bei denen in unterschiedlicher Höhe und Dauer eine PFOA-Belastung über das Trinkwasser bekannt ist, die interne Belastung im Blut bestimmt werden. In einer Folgeuntersuchung im Jahr 2021 oder 2022 könnten dann ggf. die Teilnehmer an der ersten Untersuchung zur wiederholten Teilnahme eingeladen werden.

Unter dem Begriff perfluorierte Kohlenwasserstoffe werden organische Verbindungen zusammengefasst, bei denen alle Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst durch Fluoratome ersetzt sind. Hauptvertreter sind die Perfluoroctansäure (PFOA) und die Perfluoroctansulfon-säure (PFOS). Bei diesen perfluorierten Tensiden handelt es sich um Substanzen mit am-phiphilem Charakter. Während die fluorierte Kohlenstoffkette lipophil ist, besitzt die Kopf-gruppe hydrophile Eigenschaften. Dies Verhalten bewirkt, dass sie, wie andere Tenside, in der Lage sind, die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit oder die Grenzflächenspannung zwischen zwei Phasen herabzusetzen. Aufgrund ihrer thermischen und chemischen Stabilität, ihrer Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Verwitterung sowie der schmutz-, farb-, fett-, öl-, und wasserabweisenden Eigenschaften fanden diese Verbindungen in einer Vielzahl von Industrie- und Konsumprodukten Anwendung, aber auch großtechnisch als Prozessierungshilfe (Emulgatoren) in der Herstellung von Fluorpolymeren.

Zahlreiche Versuche an Ratten, Mäusen und Primaten deuten für PFOA sehr einheitlich insbesondere auf ein hepatotoxisches Potential sowie ein verringertes Körpergewicht und eine vermehrte Mortalität als wesentliche Endpunkte hin. Fütterungsversuche mit Ratten kamen zu dem Ergebnis, dass PFOA ein kanzerogenes Potential besitzt, wobei eine erhöhte Inzidenz an Leber-, Hoden- und Pankreastumoren bei den männlichen Tieren beobachtet wurde. Als Mechanismus vermutet man eine durch Aktivierung des PPARα (Peroxisome Proliferator Activated Receptor α) induzierte Peroxisomenproliferation, die bei männlichen Ratten und Mäusen beiderlei Geschlechts zu beobachten war, jedoch nicht bei weiblichen Ratten oder Primaten. Der Mensch ist bezogen auf diesen Mechanismus als unempfindlich einzustufen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass PFOA keine Mutationen auslöst und nicht zu Chromosomenaberrationen oder Zelltransformationen führt, so dass von einem nicht-gentoxischen Mechanismus der Tumorentstehung auszugehen ist.
In einer sehr umfangreichen epidemiologischen Untersuchung aus den USA (sogenannte C8-Studie) im Umfeld eines PFOA-Produzenten wird von einem „wahrscheinlichen“ Zusammenhang zwischen der PFOA-Belastung im Trinkwasser und dem Auftreten von Hoden- und Nierentumoren beim Menschen ausgegangen. Für andere Tumorformen wurde keine Assoziation beobachtet. Die internationale Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) hat PFOA 2017, bei begrenzter Evidenz aus dem Tierversuch und aufgrund von epidemiologischen Daten als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B) eingestuft.
In einem Industriebetrieb in Gendorf im Landkreis Altötting wurde PFOA in den Jahren 1968 bis 2003 produziert und noch bis 2008 zur Herstellung von Fluorpolymeren eingesetzt. Im Rahmen dieser Anwendung ist es zu einer großflächigen Kontamination der Umwelt und einer Belastung der Menschen gekommen. Als wesentliche Quelle für die interne PFOA-Belastung der Bevölkerung in diesem Bereich wurde kontaminiertes Trinkwasser festgestellt.
Seit dem Jahr 2008 wird statt PFOA ein Ersatzprodukt eingesetzt. Es handelt sich um das sogenannte ADONA (Perfluoro-4,8-dioxa-3H-nonansäure -Carboxyl Ammoniumsalz; siehe Abbildung 2), das von der Firma Dyneon in ihrem Werk im Landkreis Altötting seither als Prozessierungshilfe eingesetzt wird.

Laufzeit: 01.02.2018-31.12.2018