Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Exposition am Arbeitsplatz - Staub bei Elektroinstallationsarbeiten
Laufzeit: 2007-2008

Das Projekt wurde vom Sachgebiet Chemikaliensicherheit und Toxikologie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen durchgeführt.

Hintergrund

Die Staubbelastung auf Baustellen stellt eine ernst zu nehmende Gesundheitsgefahr für Arbeitnehmer dar. Messungen der Gefahrstoffmessstelle des Landes Hessen anlässlich der durchgeführten Schwerpunktaktion „Staub auf Baustellen“ sowie Messungen der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro (BG ETE) bei Maschinenarbeiten im Rahmen von Elektroinstallationsarbeiten zeigten, dass diese Tätigkeiten einen besonderen Belastungsschwerpunkt darstellen.

Im Rahmen des durch die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) bearbeiteten Forschungsprojektes „Bewertung des Staubemissionsverhaltens von handgeführten Maschinen und Geräten für die Bearbeitung mineralischer Werkstoffe“ wurde die Abhängigkeit der Staubbelastung von den eingesetzten Maschinen und Entstaubern aufgezeigt. Für typische Tätigkeiten mit Staubexpositionen bei Elektroinstallationsarbeiten lagen nur wenige praxisbezogene Messwerte vor.

Welchen Staubbelastungen die Elektrotechniker auf Baustellen beim Betrieb von Mauernutfräsen ausgesetzt sind, hatte die BG ETE bereits von 1998 bis 2001 durch Messungen auf 31 Baustellen untersucht. Dabei kamen die Mauernutfräsen und die Entstauber zum Einsatz, die in den Betrieben vorhanden waren. Überwiegend wurden die Geräte nicht als ein vom Hersteller empfohlenes System, d. h. nicht aufeinander abgestimmt eingesetzt. Ferner fanden bei den Untersuchungen auf den Baustellen auch Tätigkeiten wie Bohren und Stemmen statt, welche teilweise separat messtechnisch erfasst wurden. In der nachfolgenden Tabelle sind die Untersuchungsergebnisse der Baustellenmessungen für den Zeitraum von 1998 bis 2001 zusammengefasst.

Tabelle 1: Messergebnisse auf Baustellen bei Schlitz-, Fräs-, Bohr- und Stemmarbeiten bzw. Kombinationen aus diesen Tätigkeiten, jeweils an der Person gemessen
Gefahrstoff Konzentrationsbereich
mg/m3
Mittelwert
mg/m3
Arbeitsplatzgrenzwert (2008)
mg/m3
Einatembarer Staub 1,5 - 134 42,80 10
Alveolengängiger Staub 0,02 - 23,18 4,43 3
Quarz 0,01 - 2,85 0,49 kein Grenzwert festgelegt


 

 

 

 

 

Ziel / Projektdurchführung

Die Gefahrstoffmessstellen der Länder Bayern, Berlin und Hessen haben daher in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro und Unterstützung des Fachverbandes Elektrowerkzeuge im ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. sowie der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft eine entsprechende Messkampagne durchgeführt. Ziel dieser gemeinsamen Aktion war, die Staubexposition bei Anwendung des Standes der Technik zu ermitteln.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse sollte gemeinsam mit Vertretern von Verbänden, des Handwerks und der Maschinenhersteller sowie den Sozialpartnern eine praxisorientierte Handlungshilfe erarbeitet werden, die aufzeigen soll, mit welchen Maßnahmen auf Baustellen Staubexpositionen verringert werden können.

Fazit

Der Einsatz abgestimmter Bearbeitungssysteme (z. B. Mauernutfräse und Entstauber Staubklasse M) des Typs I „Staubarm“ führt zu einer erheblichen Minimierung der Staubbelastung. Die Staubgrenzwerte werden dann eingehalten. Der Einsatz nicht abgesaugter Maschinen führt im Allgemeinen zu einer Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte.

Das Ausbrechen der Stege sollte nach Möglichkeit (in Abhängigkeit vom Baustoff) händisch mit einem Brechmeißel erfolgen, da das maschinelle Ausstemmen mittels Kombihammer ohne Entstauber zu einer deutlich höheren Staubbelastung führt, zumal der benötigte Kraftaufwand für beide Verfahren vergleichbar ist. Das händische Ausbrechen hat gegenüber dem Maschineneinsatz den Vorteil des schwingungsfreien Arbeitens und benötigt in der Regel die gleiche Zeit. Bei Beachtung der technischen Anforderungen (abgestimmte Systeme und abgesaugte Maschinen) und der erforderlichen organisatorischen Maßnahmen ist die Staubexposition gering.

Bei Elektroinstallationsarbeiten in Altbauten (kleine Räume, schlechte Lüftungsverhältnisse) ist in der Regel mit einer Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte zu rechnen. Hier sind technische Raumlüftungen oder der Einsatz von PSA für die Dauer der gesamten Tätigkeit erforderlich. Die Elektroinstallationsunternehmen können auf die Ergebnisse dieser Untersuchung im Rahmen ihrer Gefährdungsbeurteilung zurückgreifen, sofern sie abgestimmte Systeme verwenden und vergleichbare Tätigkeiten durchführen. Die Verwendung abgestimmter Bearbeitungssysteme, insbesondere abgesaugte Dosenbohrer und Kombihämmer, ist zur Minimierung der Staubbelastung in der betrieblichen Praxis dringend erforderlich.

Es sollte geprüft werden, ob es möglich ist, Entstauber so zu konstruieren, dass sie für alle Bearbeitungsgeräte einsetzbar sind. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen in eine branchenspezifische Regelung für stauberzeugende Tätigkeiten bei Elektroinstallationen auf Baustellen einfließen.

Ergebnisse

Der Abschlussbericht ist als Band 4 der Schriftenreihe Arbeitsschutz und Produktsicherheit veröffentlicht:

Exposition am Arbeitsplatz: Staub bei Elektroinstallationsarbeiten - Band 4 der Schriftenreihe (PDF, 5 MB)

Links zu Broschüre und Tipps der BG ETE, die auf den beschriebenen Untersuchungen basieren, sind oben rechts zu finden.

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