Nadelstichverletzungen

Vorkommen, Häufigkeit von Verletzungen

Kanüle und Behälter

Infektionsgefahr für Hepatitis B, C und HIV besteht z. B. nach:

  • Nadelstichverletzungen
  • Schnittverletzungen
  • Sekretspritzern (Blut oder andere Körperflüssigkeiten) auf Schleimhäute (Mund, Nase, Augen), intakte oder geschädigte Haut.

Vorbeugung

Neben den üblichen Maßnahmen zur Verringerung der Häufigkeit von Nadelstichverletzungen, wie Verwendung von durchstichsicheren Behältern, Unterlassen von Recapping usw. wurden

S I C H E R H E I T S K A N Ü L E N

entwickelt, die folgende Mechanismen besitzen:

Passiv ausgelöste Systeme decken spitze oder scharfe Instrumententeile ohne Zutun des Arbeitnehmers ab, ehe eine Verletzung mit kontaminierten Instrumenten möglich wird. Es gibt hier verschiedene Systeme. Beispielsweise kann durch das Herausziehen des Instrumentes aus dem Stichkanal ein automatischer Schutzmechanismus ausgelöst werden, der die Kanüle stumpf macht oder in eine Schutzhülse hineinzieht. Aktiv ausgelöste Schutzmechanismen werden vom Arbeitnehmer ausgelöst. Es kommt dabei zur Retraktion von Kanülen in eine Schutzhülse, zum Abwurf von Kanülen oder zur Überdeckung von Kanülen mit einem Schutzschild.

Maßnahmen nach Kontakt mit infektiösem Material

Sofortmaßnahmen

  • Intakte Haut: Waschen der Haut mit Wasser und Seife und anschließend Desinfektion mit einem viruzid wirksamen Hautantiseptikum
  • Geschädigte/entzündete Haut: Großzügiges Spülen mit einem viruziden Hautantiseptikum
  • Stich-/Schnittwunde: Blutung der Wunde anregen durch Druck auf das direkt umgebende Gewebe, anschließend mindestens 10 Minuten mit einem viruziden Hautantiseptikum spülen
  • Auge: Sofortige Spülung mit PVP-Jodlösung* 2,5% über mindestens 10 Minuten, falls nicht vorhanden, mit Wasser
  • Mundschleimhaut: Mehrmals spülen mit 80%-igem Alkohol, falls nicht vorhanden, mit PVP-Jodlösung* 2,5% oder mit Wasser

* Anmerkung: Jod-Unverträglichkeit oder sonstige Kontraindikationen gegen jodhaltige Präparate beachten!

Direkt im Anschluss daran oder parallel dazu (Helfer)

  • Benachrichtigung des Betriebsarztes oder Durchgangsarztes (D-Arzt)
  • Arztkontakt innerhalb einer Stunde erwirken
  • Infektionsquelle recherchieren: Patient bekannt?
  • Blutstatus der möglichen Infektionsquelle erheben (Hepatitis B, C, HIV)
  • Eintrag ins Verbandbuch

Vorgehen des Arztes

  • Impfstatus/Antikörperstatus des Verletzten und der potenziell infektiösen Kontaktperson erheben (Hepatitis B, C, HIV) durch Blutabnahme - Nullwert - HIV-Test (Einverständnis des Verletzten)

Bei potenzieller Infektionsgefahr

HIV:

  • Entscheidung zur medikamentösen Prophylaxe innerhalb von Stunden treffen und mit der Behandlung beginnen

Hepatitis B:

  • Entscheidung zum weiteren Vorgehen treffen
  • Passive Immunisierung innerhalb von Stunden (auch noch 24 Stunden später sinnvoll)
  • Aktive Immunisierung gegen Hepatitis B durchführen (Simultanimpfung möglich), z. B. Tag 0 - 6 Wochen - 6 Monate

Hepatitis C:

  • Verlaufskontrollen
  • keine weiteren Akutmaßnahmen

Weiteres Vorgehen

  • Erneute Testung auf Anti-HCV oder Anti-HIV

Mehr zu diesem Thema

Allgemeine Informationen zum Thema