Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Forschungsprojekt:Untersuchung von Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft aus dem ökologischen Anbau

Kurzbeschreibung

Immer mehr Menschen setzen heute großes Vertrauen in Bio-Produkte. Sie gelten als gesund und sicher und den Verbrauchern wird immer wieder empfohlen, Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau verstärkt zu berücksichtigen. Heute bieten auch Supermarktketten und Discounter verstärkt Öko-Ware an und auch das Angebot aus dem Ausland wird immer größer.

An die Produktion solcher Lebensmittel sind mit der EU-Öko-Erzeugnisse-VO hohe Anforderungen gestellt. Demnach dürfen Bezeichnungen wie "ökologisch" und "biologisch" nur verwendet werden, wenn zum Beispiel der Hersteller keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel angewendet hat, es sei denn, es werden Ausnahmen explizit in einer Positivliste genannt. Auch Mineraldünger und gentechnisch veränderte Organismen sind nicht erlaubt.

Eine hohe Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln erfordert große Anstrengungen von Erzeuger und Handel und birgt das Risiko, auch konventionell erzeugte Produkte mit einer "Öko- Bewerbung" auf den Markt zu bringen und so den Verbraucher über den wahren Zustand des Produktes zu täuschen.

Bislang fehlt für eine differenzierte Betrachtungsweise eine umfassendere Datenbasis, die Aspekte wie Herkunft und Handelsform berücksichtigt und es erlaubt, den Verbraucher in seiner Entscheidungsfindung konkreter zu unterstützen. Das LGL führte deshalb im Jahr 2007 eine erste Schwerpunktuntersuchung durch. Sie ergab zum Beispiel bei Bio-Obst und -Gemüse deutlich weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln als bei konventionell hergestellter Ware und bestätigte die Ergebnisse eines Öko-Monitorings in Baden-Württemberg.

Aus den erhobenen Daten lässt sich allgemein ableiten, dass die Bio-Produkte in der Regel ihre Auslobung zu Recht tragen. Verbrauchertäuschungen bei Bio-Ware treten kaum auf. Somit kann der Verbraucher beim Einkauf guten Gewissens zu Produkten aus dem ökologischen Anbau greifen.

Im Vergleich zu konventioneller Ware sind Bio-Lebensmittel kaum mit Rückständen von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln belastet. Der Großteil der Proben enthielt gar keine Rückstände, der Rest meist nur in geringen Spuren. Überschreitungen der nach dem europäischen Rückstandsrecht geltenden Höchstgehalte traten nur in Einzelfällen auf. Zweifelhafte Befunde mit der Möglichkeit einer Verbrauchertäuschung waren selten. In der Regel ist "Bio drin, wo Bio draufsteht". Das gilt vor allem für die in all den unterschiedlichen Vermarktungsformen angebotene deutsche Bio-Ware. Bio-Erzeugnisse sind somit eine gute Alternative, wenn man die Aufnahme von Rückständen durch die Nahrung reduzieren möchte. Gerade bei Trockenobst sollte man auf die ökologisch erzeugten Produkte zurückgreifen, wenn man dieses Kindern als Ersatz für Süßigkeiten anbietet und dabei auf eine rückstandsarme Ernährung achtet.

Eine Tendenz zu niedrigeren Nitratgehalten in biologisch erzeugten Lebensmitteln ist ebenfalls erkennbar, wenn auch andere Faktoren wie Jahreszeit (Erntezeitpunkt), Anbauart (Gewächshaus/Freiland) und Herkunft ihren Beitrag zum Nitratgehalt in der Probe leisten. Deutsches Bio-Gemüse (Feldsalat, Kopfsalat, Rucola, Spinat) hatte durchschnittlich geringere Nitratgehalte als Bio-Ware aus dem Ausland und konventionelle Proben aus dem In- und Ausland.

Im Hinblick auf Antibiotikarückstände waren die untersuchten Bio-Honige aus dem Ausland tendenziell weniger auffällig als entsprechende konventionelle. Keiner der untersuchten bayerischen Honige enthielt nachweisbare Rückstände, obwohl diese allesamt konventionell gewonnen wurden. Insgesamt enthielten auch die auffälligen Proben nur äußerst geringe Rückstandsspuren, so dass nicht von einem Risiko für den Verbraucher durch die Aufnahme von Antibiotikarückständen in Honig auszugehen ist.

Bei der fortwährenden Untersuchung von Bio-Lebensmitteln auf gentechnisch verändertes Material sind keine Proben beanstandet worden, so dass die günstige Situation auch weiterhin Bestand hat.

In keinem der untersuchten Weine lag für den Kupfergehalt eine Grenzwertüberschreitung vor. Nach dem vorliegenden Datenmaterial unterscheiden sich die Kupfergehalte der Weine aus dem ökologischen Anbau nicht signifikant von denen aus dem konventionellen Anbau. Das ist zum einen darin begründet, dass die kupferhaltigen Mittel auch im konventionellen Anbau verwendet werden. Zum anderen findet beim Ausbau von Wein eine deutliche Kupfer-Abreicherung durch die verwendete Hefe statt.

Laufzeit: 2008-2011