Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Forschungsprojekt: Belastung von Lebens- und Futtermitteln sowie Belastung von Mensch und Tier mit Mutterkornalkaloiden

Kurzbeschreibung:

Am LGL wurde jeweils eine neue analytische Methode zur Bestimmung der Einzelergotalkaloide Ergotamin, Ergometrin, Ergocornin, Ergocristin und α-Ergokryptin in Lebens- bzw. in Futtermitteln aufgebaut und validiert. Bei den genannten Ergotalkaloiden handelt es sich um diejenigen, die hauptsächlich im Mutterkorn anzutreffenden sind und die zugleich auch die größte toxikologische Bedeutung besitzen.

In Form eines Marktscreenings wurde bei einer großen Probenzahl, insgesamt 139 Brotgetreidemehle und 102 verzehrsfertige Getreideprodukte (Brote, Müslis, Kekse) sowie 100 Proben Futtermittel, die Konzentrationen der genannten Einzelergotalkaloide bestimmt.

Die untersuchten Brotroggenmehle wiesen deutlich höhere Ergotalkaloid-Gehalte als die untersuchten Brotweizenmehle auf.

Folgende mittlere Konzentrationen wurden in den untersuchten Brotroggenmehlen festgestellt: Ergometrin 33,2 µg/kg, Ergotamin 22,8 µg/kg und Ergotalkaloide der Ergotoxin-Gruppe (Summe aus Ergocornin, Ergocristin und α-Ergokryptin) 94,6 µg/kg. Die maximal festgestellten Einzelergotalakaloid-Gehalte der untersuchten Brotroggenmehle betrugen: Ergometrin 332 µg/kg, Ergotamin 227 µg/kg und Ergotalkaloide der Ergotoxin-Gruppe 978 µg/kg.

Brotroggenmehle aus ökologischem Anbau wiesen im Vergleich zu Mehlen aus konventionellem Anbau im Mittel leicht höhere Einzelergotalkaloid-Gehalte auf; der Unterschied war aber nicht statistisch signifikant. Weiterhin wiesen Brotroggenmehle aus kleinen Mühlenbetrieben im Vergleich zu solchen aus großen Mühlen im Mittel höhere Ergotalkaloidgehalte auf; aber auch dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant.

Verzehrsfertige Roggenbrote (n=36) mit hohem Roggenanteil (≥ 80%) wiesen die folgenden mittleren bzw. maximalen Ergotalkaloid-Gehalte auf: Ergometrin 11,8 bzw. 99,1 µg/kg; Ergotamin 6,3 bzw. 38,6 µg/kg und Ergotalkaloide der Ergotoxin-Gruppe 23,7 bzw. 120 µg/kg.

Da es bisher weder auf EU- noch auf nationaler Ebene einen gesetzlich festgelegten Grenz- bzw. Höchstwert für den Gehalt der nachgewiesenen, einzelnen Ergotalkaloide und auch nicht für deren Summe in Brotgetreidemehlen und verzehrsfertigen Getreideprodukten gibt, wurden die festgestellten Einzelergotalkaloid-Gehalte toxikologisch bewertet. Hierbei handelt es sich um einen neuen Bewertungsansatz, der der Tatsache Rechnung trägt, dass die einzelnen Ergotalkaloide Ergotamin, Ergometrin sowie die Alkaloide der Ergotoxin-Gruppe sich in ihrem Wirkungsprofil, den Wirkungsmechanismen der Toxizität und der Stärke der toxischen Wirkung unterscheiden und daher nicht einfach anhand des Gesamtergotalkaloid-Gehaltes bewertet werden können.

Der Bewertung werden die in Tierversuchen ermittelten bzw. daraus abgeleiteten NOAELs für die Einzelergotalkaloide Ergotamin, Ergometrin und α-Ergokryptin zugrunde gelegt und die unter den Bedingungen des Durchschnitts- bzw. Vielverzehrs der Roggenmehle bzw. der Roggenbrote sich ergebenden Dosen der Einzelergotalkaloide dazu in Bezug gesetzt. Bei einem Abstand ≥ 1000 (Margin of Safety, MoS) werden die festgestellten Ergotalkaloid-Gehalte der Brote und Mehle als gesundheitlich unbedenklich beurteilt. Beim Abstand < 1000 werden die Brote bzw. Mehle als nicht ausreichend sicher für den Verzehr eingestuft.

Als am kritischten erwiesen sich die Ergotalakaloide der Ergotoxin-Gruppe (Ergocornin, Ergocristin und α-Ergokryptin), da für diese im Vergleich zu Ergometrin und Ergotamin höhere Gehalte in den untersuchten Mehlen und Broten festzustellen waren und sie zugleich im Vergleich zu Ergometrin und Ergotamin eine höhere toxische Potenz besitzen.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der ganz überwiegende Teil der im bayerischen Handel befindlichen Mehle und Brote ohne gesundheitliche Bedenken verzehrt werden kann. Es gibt aber auch einzelne Brotroggenmehle (ca. 5%) sowie einzelne Roggenbrote (ca. 3%), die beim Verzehr aufgrund ihrer Ergotalkaloid-Gehalte nach toxikologischer Bewertung als nicht ausreichend sicher einzustufen sind.
Schlussfolgerung:

Eine Überwachung der im Handel befindlichen Brotroggenmehle und Roggenbrote, insbesondere solcher mit hohem Roggenanteil, mit Untersuchung durch die neu am LGL etablierte Methode erscheint angezeigt. Bestimmt werden sollten insbesondere die Gehalte der Ergotalkaloide der Ergotoxin-Gruppe (Ergocornin, Ergocristin und α-Ergokryptin), da sich diese im Vergleich zu Ergometrin und Ergotamin als am kritischten erwiesen (höchste vorkommende Gehalte bei gleichzeitig höchster toxischer Potenz).

Laufzeit: 2005-2007