Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Forschungsprojekt: Vorkommen von Fusarientoxinen bei Kartoffeln

Kurzbeschreibung

Zur Untersuchung von Kartoffeln und Kartoffelprodukten auf ihre Belastung mit Fusarientoxinen wurden zwei validierte HPLC-MS/MS-Methoden für insgesamt 19 Toxine - inklusive vier nicht erhältlicher und daher aus Schimmelpilzkulturen bzw. chemischer Umwandlung selbst hergestellter Analyten - etabliert. Die erste Methode für Typ A Trichothecene berücksichtigt dabei 3,4,15-Triacetoxyscirpenol, 4,15- Diacetoxyscirpenol, 4-Monoacetoxyscirpenol, 15-Monoacetoxyscirpenol, Scirpentriol, Acetyl T-2 Toxin, T-2 Toxin, HT-2 Toxin, T-2 Triol, T-2 Tetraol, Neosolaniol, Verrucarol und Diacetylverrucarol. Die zweite Methode umfasst neben Zearalenon die Typ B Trichothecene Deoxynivalenol, 3-Acetyldeoxynivalenol, 15-Acetyldeoxynivalenol, Nivalenol und Fusarenon X. Zur Minimierung von Matrixeffekten wurden als interne Standards 13C-Diacetoxyscirpenol, 13C-15-Monoacetoxyscirpenol, 13C-T-2 Toxin, 13CHT-2 Toxin, 13C-Deoxynivalenol und Zearalanon verwendet. Die Bestimmungsgrenzen der Toxine lagen zwischen 0,2 μg/kg und 19 μg/kg.

Zur Abschätzung des Gesundheitsrisikos für den Verbraucher wurden unterschiedliche im Einzelhandel erhältliche Kartoffelsorten und Kartoffelprodukte untersucht. Insgesamt konnten dabei in 30 % der gesamten Proben Toxingehalte nachgewiesen werden. Die höchsten Konzentrationen ergaben sich bei rohen Kartoffeln. Hier fanden sich neben Diacetoxyscirpenol (max. 89 μg/kg) und 15-Monoacetoxyscirpenol (max. 254 μg/kg) unter anderem die im Rahmen dieses Forschungsvorhabens selbst hergestellten Scirpentriol und 4-Monoacetoxyscirpenol, sowie T-2 Toxin (max. 25 μg/kg), HT-2 Toxin (max. 55 μg/kg) und Neosolaniol (9,7 μg/kg). Bei diesen maximalen Konzentrationen ist eine nachteilige Wirkung auf die Gesundheit des Verbrauchers nicht auszuschließen, insbesondere im Hinblick auf die Mehrfachbelastung an Toxinen in 71 % aller positiven Kartoffelproben. Da jedoch vor einem Verzehr durch den Verbraucher die besonders belasteten Faulstellen üblicherweise entfernt werden, reduziert sich die jeweilige Toxinkonzentration beträchtlich. Um allerdings jegliches Risiko auszuschließen, müsste die Diffusion von Toxinen aus der Faulstelle von natürlich infizierten Kartoffelknollen ins angrenzende Gewebe noch genauer untersucht werden.

Auch in mehreren Kartoffelpüreeproben (42 %) konnten Toxine der Scirpentriol-Gruppe (DAS, 4-MAS, 15-MAS, SCRP) nachgewiesen werden. Die am höchsten belastete Probe enthielt neben 4-Monoacetoxyscirpenol und Scirpentriol 7,1 μg/kg Diacetoxyscirpenol sowie 25 μg/kg 15-Monoacetoxyscirpenol. Nimmt man für die Summe von Diacetoxyscirpenol und 15-Monoacetoxyscirpenol den gleichen tTDI wie für ΣT-2;HT-2 von 0,06 μg/kg KG an, wäre bei einem Kleinkind mit einem Körpergewicht von 15 kg und einem Verzehr von 112,5 g Kartoffelpüree der tTDI bereits erreicht. Bezöge man die Gehalte der nur qualitativ erfassten Toxine 4-Monoacetoxyscirpenol und Scirpentriol in diese Berechnung ebenfalls mit ein, wäre der tTDI sogar schon bei geringeren Mengen erreicht. Dies zeigt, dass eine Gesundheitsgefährdung von Kleinkindern durch den Verzehr von hoch mit Vertretern der Scirpentriol-Gruppe belastetem Kartoffelpüree durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Desweiteren konnten Deoxynivalenol und Zearalenon in zahlreichen Produktgruppen wie Kartoffelknödel/Kloßteig, Kartoffelpüree, rohen Kartoffeln, Kartoffelpuffer und Pommes Frites bzw. Kartoffel-Wedges gefunden werden. Dabei lagen die jeweiligen Konzentrationen jedoch mit maximalen Werten von 45 μg/kg (DON) und 7,2 μg/kg (ZON) nicht in gesundheitsrelevanten Konzentrationen vor.

In gekochten Kartoffeln, Bratkartoffeln und Kartoffelchips konnten keine der untersuchten Toxine nachgewiesen werden.

Laufzeit: 2006-2008