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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Stillverhalten in Bayern - Epidemiologische Erhebung im Rahmen der Gesundheitsinitiative Gesund.Leben.Bayern

Einführung und Problemstellung

Muttermilch ist als normale und ideale Ernährung des Säuglings am besten geeignet. Sie ist auf den Nährstoffbedarf des Kindes optimal abgestimmt und reicht als einzige Nahrungs- und Flüssigkeitsquelle die ersten vier bis sechs Monate aus. Sie schützt vor Infektionen und schafft eine besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind. Stillen stellt einen präventiven Faktor für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas im späteren Leben dar. Zudem wird Stillen im Zusammenhang mit zahlreichen Erkrankungen wie Allergien, Diabetes mellitus Typ 1, Zöliakie, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bestimmten Krebserkrankungen im Kindesalter und Brustkrebs als Schutzfaktor diskutiert.
Die Nationale Stillkommission empfiehlt deshalb in Anlehnung an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens sechs Monate lang, ohne Gabe von zusätzlicher Nahrung oder Getränken, zu stillen ("ausschließliches Stillen"). Danach sollte teilweise gestillt werden, so lange Mutter und Kind dies wünschen. Die Stillkommission hält auch kürzeres ausschließliches Stillen als sechs Monate und teilweises Stillen für sehr sinnvoll.

In Bayern wurde bisher durch das Gesundheitsministerium im Rahmen der allgemeinen Aufklärung der Bevölkerung auf die Vorteile des Stillens hingewiesen.

Zielsetzung des Projektes

Ziel der Studie war die Bestimmung des Ist-Zustands bezüglich Stillraten, Stilldauer und Stillverhalten für ganz Bayern durch eine repräsentative Erhebung, um realistische gesundheitspolitische Ziele zur Verbesserung des Stillens festlegen zu können. Die Gründe für das Abstillen interessierten besonders, da sie Eckpunkte für Diskussionen zu Erfolg versprechenden Stillförderungsmaßnahmen liefern können.

Durchführung und Ablauf der Studie

Die Studie "Stillverhalten in Bayern" wurde am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim im Sachgebiet Umweltmedizin zwischen April 2005 und Februar 2006 durchgeführt. Bayern folgte damit als erstes Bundesland in Deutschland den wissenschaftlichen Empfehlungen der Nationalen Stillkommission und der WHO. Die Studienplanung lehnte sich an das Vorgehen des Bundesinstitutes für Risikobewertung an, und das Studiendesign wurde mit den beteiligten Kooperationspartnern abgestimmt und festgelegt.

Über 3.800 Mütter wurden im April 2005 über fast alle Geburtskliniken in Bayern, in vielen Geburtshäusern und durch Hausgeburtshebammen als Teilnehmerinnen gewonnen. Die Erstbefragung zum Stillverhalten wurde zwei bis sechs Tage nach der Geburt durchgeführt. Folgebefragungen erfolgten im 2., 4. und 6. Monat nach der Geburt. Im 9. Lebensmonat der Babys wurden zum Abschluss alle Studienteilnehmerinnen zur Säuglingsernährung, Kindergesundheit und zu zusätzlichen Themen - wie z. B. Stillen und Erwerbstätigkeit oder Genussmittelkonsum – befragt.

Kooperationspartner

An der Planung und Durchführung des Projektes waren als Kooperationspartner beteiligt:

  • Herr Prof. Dr. med. B. Koletzko, Kinderklinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital Klinikum der Ludwigs-Maximilians-Universität München
  • Frau Prof. Dr. med. R. Bergmann, Klinik für Geburtsmedizin der Charité Universitätsmedizin Berlin.
  • Frau Prof. Dr. med. H. Przyrembel, Bundesinstitut für Risikobewertung und Geschäftsführerin der Nationalen Stillkommission

Begleitet wurde das Projekt von der "Arbeitsgruppe Stillen", in die die wesentlichen Berufsgruppen, Verbände und Institutionen eingebunden waren, die in Bayern Stillende betreuen.

Ergebnisse

Etwa 90 % der Teilnehmerinnen fangen nach der Geburt an zu stillen. Diese anfänglich hohe Stillquote fällt dann in den folgenden Monaten deutlich ab (Abbildung 1). Seit der letzten umfangreichen Studie im Jahr 1997/98 scheint sich demnach die Stillsituation nicht wesentlich verändert zu haben. Im 2. Monat stillen noch zwei Drittel der Mütter ausschließlich oder voll, im 6. Monat noch 60%. Nur jede fünfte bayerische Mutter (21%) stillt ihre Kinder im 6. Monat ausschließlich.

Stillraten in Bayern in den ersten sechs Lebensmonaten

Abbildung 1: Stillraten in den ersten sechs Lebensmonaten (Studie Stillverhalten in Bayern)

Als Hauptgrund für das Abstillen innerhalb der ersten vier Monate nach der Geburt werden von den Müttern Stillprobleme genannt. Unter den Stillproblemen findet man medizinische Ursachen wie Flach- und Hohlwarzen, Brustentzündung, Saugprobleme des Kindes, aber auch die Sorge der Mutter, dass das Kind mit Stillen allein nicht satt wird. Die 10% der Mütter, die gar nicht mit dem Stillen anfangen, halten Flaschenfütterung für bequemer oder genauso gut wie Stillen, hatten bereits Stillprobleme bei einem Kind oder wollten rasch in den Beruf zurückkehren. In der Befragung im 9. Monat nach der Geburt berichteten 26% der Mütter über die Aufnahme der Erwerbstätigkeit innerhalb dieses Zeitraums. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Vermeidung von Stillproblemen und die qualifizierte Beratung bei auftretenden Problemen ein wichtiges Thema der Stillförderung darstellt.

Daneben führen die Ergebnisse zu fünf der zehn von der WHO empfohlenen Schritte zum erfolgreichen Stillen im Krankenhaus wie z. B. das frühe Anlegen nach der Geburt (nur bei 63% der entbundenen Mütter innerhalb der 1 Stunde).

Abschlusssymposium

Die Ergebnisse der Studie wurden am 6. und 7. Oktober 2007 in München bei dem Internationalen Symposium „Stillen und kindliche Gesundheit“, das vom Sachgebiet Umweltmedizin als Abschlusstagung veranstaltet wurde, vorgestellt. Neben Vorträgen zu den Auswirkungen des Stillens auf die kindliche Gesundheit wurden auch aktuelle Daten und Projekte zur Stillförderung vorgestellt. Die Beiträge des Symposiums wurden in einem Sonderheft der Zeitschrift „Das Gesundheitswesen“ Anfang 2008 veröffentlicht.

Stillen und kindliche Gesundheit. Gesundheitswesen 2008, 70/S1

Foto Abschlusssymposium

Abbildung 2: Abschlusssymposium

Anschlussprojekt

Basierend auf den Studienergebnissen führte das Sachgebiet Umweltmedizin im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit eine Interventionsstudie zur Verbesserung der Stillbedingungen durch:

Wissenschaftliche Veröffentlichungen