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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Bovines Herpesvirus Typ 1-Infektionen (BHV-1 Infektionen; IBR, IPV, IBP)

Erreger

Das Bovine Herpesvirus Typ 1 (BHV-1) tritt in verschiedenen Subtypen auf, die jedoch immunologisch nicht unterscheidbar sind. Eine Differenzierung ist über Genomanalysen möglich, hat aber für Diagnosestellung und Bekämpfung keine Relevanz.

Vorkommen und Übertragung

BHV-1-Infektionen der Rinder und anderer Boviden sind weltweit verbreitet. Die Prävalenzen variieren jedoch sehr stark. Deutschland besitzt derzeit eine EU-Anerkennung für sein BHV-1-Bekämpfungsprogramm (Artikel 9-Status, Richtlinie 64/432/EWG). Bayern, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern besitzen bereits Artikel 10 Status (Freiheit).

Einmal infizierte Tiere bleiben – wie für Herpesvirusinfektionen charakteristisch – lebenslang latent infiziert. Das Virus kann dann jederzeit wieder produziert und ausgeschieden werden und somit unbemerkt zur Infektion von Kontakttieren führen.

Auch eine Impfung verhindert die Infektion mit Feldvirus nicht, sodass auch diese Tiere Virus latent beherbergen und ausscheiden können.

Krankheitsbild

Häufig verläuft die Infektion bei Einzeltieren oder sogar in ganzen Beständen klinisch unauffällig. Sehr variable klinische Manifestationen sind jedoch möglich. Die vorwiegend respiratorische Form wird als Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR) bezeichnet. Aborte treten vor allem im fünften bis achten Trächtigkeitsmonat auf. Die genitale Form der Infektion zeigt sich als Infektiöse Pustuläre Vulvovaginitis (IPV, weibliche Tiere) bzw. Infektiöse Balanoposthitis (IBP, Bullen). Anlass für eine diagnostische Abklärung stellen das Auftreten von Leistungsabfall, vor allem aber von respiratorischen Erkrankungen und Aborten im Bestand dar.

Diagnostik

Für die Virologie geeignete kommerzielle Tupferentnahmesysteme (Nasen- und Genitaltupfer), Sperma, Abortmaterial und ganze Tierkörper von kürzlich verendeten oder getöteten Tieren können eingesandt werden. Einfrieren und Auftauen von Probenmaterial führt zur drastischen Senkung der Nachweiswahrscheinlichkeit in der Zellkultur.

Für die Diagnose bei akuter klinischer Erkrankung stehen am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) spezifische PCR-Verfahren in Kombination mit der Virusisolierung über die Zellkultur zur Verfügung.

Monitoring- und Verbringungsuntersuchungen werden serologisch über Antikörper-ELISA-Systeme durchgeführt.

Gesetzliche Regelungen, Referenzlabor

Verordnung zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Herpesvirus Typ 1 (BHV1-VO), Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen in der jeweils gültigen Fassung

Nationales Referenzlabor: Friedrich-Loeffler-Institut, 17493 Greifswald – Insel Riems (O. I. E und Nationales Referenzlabor für BHV-1), Tel. 038351 7 223.

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