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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

BSE-Untersuchungen

Allgemeines

Im Prinzip hat die BSE-Überwachung zwei Ziele:

Zum einen den Verbraucherschutz, der sich in der Testung von Schlachttieren widerspiegelt, zum anderen die epidemiologische Risikoabschätzung: das Monitoringprogramm.

Zum Monitoringprogramm gehören Proben von Rindern mit einem erhöhten BSE-Risiko. Dazu zählen notgeschlachtete Tiere, Tiere mit ausgesprochenem BSE-Verdacht, Kohortentiere und aufgrund anderer Ursachen verendete oder getötete Rinder, welche in der Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt werden. Die Untersuchung sowohl dieser Proben, als auch die Testung der Schlachttiere werden in Bayern von privaten Untersuchungseinrichtungen in staatlicher Verantwortung durchgeführt.

Mit Entscheidung der Kommission vom 28. September 2009 zur Ermächtigung bestimmter Mitgliedstaaten, ihr jährliches BSE-Überwachungsprogramm zu überarbeiten (2009/719/EG) wurde der Geltungsbereich der Anwendung von BSE-Testaltersgrenzen geändert. Demnach waren normal- und notgeschlachtete Rinder sowie Monitoringrinder, die in den alten EU-Mitgliedstaaten sowie Slowenien geboren wurden, ab einem Alter von über 48 Monaten testpflichtig. Bei Rindern, die in anderen EU-Mitgliedstaaten oder Drittländern geboren wurden, blieb das Testpflichtalter unverändert (Normalschlachtung > 30 Monate; Notschlachtung, Monitoring > 24 Monate). Damit war die Haltung der Rinder für die Bestimmung des Testpflichtalters nicht mehr relevant.

Die o. a. Regelung zur BSE-Testpflicht bei Rindern wurde in Bayern bereits im Vorgriff auf die Anpassung der nationalen Gesetzgebung seit dem 15. Januar 2010 angewendet. Die Umsetzung in nationales Recht erfolgte mit Wirkung vom 4. März 2010 durch Inkrafttreten der "Ersten Verordnung zur Änderung TSE-rechtlicher Verordnungen".

Mit der "Zweiten Verordnung zur Änderung TSE-rechtlicher Verordnungen" vom 14. Juli 2010 wurden die für die alten EU-Mitgliedsstaaten und Slowenien geltenden Regelungen auf Zypern ausgeweitet.

Mit dem Durchführungsbeschluss 2011/358/EU der Kommission vom 17. Juni 2011 zur Änderung der Entscheidung 2009/719/EG wurde für bestimmte Mitgliedstaaten die gesetzliche Grundlage geschaffen, das Testpflichtalter für gesund geschlachtete Rinder auf über 72 Monate anzuheben. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte mit Wirkung zum 19. Juli 2011 durch das Inkrafttreten der "Dritten Verordnung zur Änderung TSE-rechtlicher Verordnungen". Für Estland, Lettland, Litauen, Malta, Ungarn sowie die Kanalinseln und Insel Man gelten damit die gleichen Regelungen wie für die alten EU-Mitgliedsstaaten. Mit der "Vierten Verordnung zur Änderung TSE-rechtlicher Verordnungen" vom 19. Oktober 2011 wurden darüber hinaus die Länder Polen, Slowakei und Tschechische Republik einbezogen.

Am 20.07.2013 trat die „Dritte Verordnung zur Änderung der BSE-Untersuchungsverordnung“ in Kraft, durch die in Deutschland das Testpflichtalter für Rinder, die zum menschlichen Verzehr geschlachtet werden, von 72 Monate auf 96 Monate angehoben wurde.

Am 28.04.2015 trat die "Verordnung zur Änderung der TSE-Überwachungsverordnung und zur Aufhebung der BSE-Untersuchungsverordnung" in Kraft, durch die in Deutschland die Testpflicht für Rinder, die zum menschlichen Verzehr geschlachtet werden, aufgehoben wurde. Dies gilt für alle Rinder, die in Deutschland, Belgien, Tschechien, Dänemark, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Finnland, Schweden oder dem Vereinigten Königreich sowie den Kanalinseln und der Isle of Man geboren wurden.

Neben den Rindern werden auch Schafe und Ziegen auf TSE untersucht. Proben, welche wiederholt positiv reagieren, werden zur endgültigen Abklärung des Befundes nach Riems an das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut, weitergeleitet.

BSE-Tests in staatlicher Verantwortung

Die Vorfälle um die BSE-Untersuchung von Gehirnproben durch ein nicht nach der Tierseuchenerreger-VO zugelassenes Privatlabor, sowie in der Folge die Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten auch in anderen Bundesländern (Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) haben die grundsätzliche Frage aufgeworfen, wie die Qualität der BSE-Untersuchungen durch private Laboreinrichtungen verbessert und der geforderte Qualitätsstandard effektiver überprüft werden kann. Deshalb entschloss man sich in Bayern, die Untersuchung von testpflichtigen Schlachtrindern ausschließlich in die Verantwortung des LGL zu überführen und gab diesem Projekt den Namen "BSE-Tests in staatlicher Verantwortung". Diese Entscheidung bedeutet jedoch nicht, dass die Tests nur noch in staatlichen Untersuchungseinrichtungen vorgenommen werden. Vielmehr bedient sich das LGL privater Laboreinrichtungen und stellt durch besondere Qualitätssicherungsmaßnahmen und durch ein enges staatliches Beratungs- und Kontrollnetz ein besonders hohes Maß an Zuverlässigkeit sicher.

Dieses seit Januar 2003 bestehende System setzt unmittelbar bei den Untersuchungsabläufen in den einzelnen Laboratorien an und basiert im wesentlichen auf zwei Säulen: nämlich der Durchführung der Tests in Laboren, die nach einem Ausschreibungsverfahren beauftragt wurden, und einem EDV-gestützten Controlling am LGL (elektronisches Labordatenscreening). Im Weiteren gewährleisten Auflagen in Form von Nebenbestimmungen und angekündigte, sowie unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen ein hohes beständiges Qualitätsniveau. Da sich dieses System bewährte, werden seit Januar 2007 auch Proben aus dem Monitoringprogramm an privaten Einrichtungen untersucht. Grundlage der täglichen Kontrolle ist das elektronische Labordatenscreening, das im Wesentlichen auf der HI-Tier-Datenbank basiert.

HI-Tier (Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere)-Datenbank

Die HI-Tier ist eine Datenbank, auf die via Internet zugegriffen werden kann. Registriert ist hier jedes Rind, das eine Ohrmarke besitzt. Jede Tierbewegung muss an die HI-Tier-Datenbank gemeldet werden. Mittels dieses Systems kann man jederzeit den Standort eines Tieres nachvollziehen und den Lebenslauf abrufen. Jeder Besitzer ist über eine ihm zugeordnete Betriebsnummer zu ermitteln.

An die HI-Tier-Datenbank wird auch das BSE-Ergebnis übermittelt. Doch hinter dem bloßen Befund negativ oder positiv verbirgt sich noch mehr; nämlich das elektronische Labordatenscreening.

Das elektronische Labordatenscreening

Das elektronische Labordatenscreening gewährleistet, dass es bei der Testdurchführung nicht unbemerkt zu Unregelmäßigkeiten kommen kann. Am Schlachthof meldet der amtliche Tierarzt per EDV die Schlachtdaten wie Schlachthof, Schlachttag, Schlachtnummer, Probengefäßnummer, Ohrmarkennummer an das Privatlabor. Dies ermöglicht eine eindeutige Identifizierung des Tierkörpers und somit Zuordnung des Testergebnisses. Diese Schlachtdaten werden an die HI-Tier-Datenbank übermittelt und nach der Testdurchführung werden Messdaten, Plattendaten und Testbefund ebenfalls an diese weitergegeben. All diese Daten werden dann automatisch auf Plausibilität überprüft: z. B. ist die Zeit zwischen Probeneingang und Befundausgang ausreichend, um einen Test ordnungsgemäß durchzuführen, wie sehen die einzelnen Messwerte aus, wurden die Kontrollen richtig durchgeführt. Auf diese Daten hat das LGL Zugriff. Alle Plausibilitäten werden überprüft. Sind alle Anforderungen erfüllt, wird vom Computer das Testergebnis freigegeben und ein Befund erstellt, der durch den amtlichen Tierarzt abgerufen werden kann. Dies geschieht in der Regel nachts oder am frühen Morgen. So ist eine zeitnahe Überwachung der Testdurchführung gewährleistet und die geschlachteten Rinder werden erst dann auf den Markt gebracht, wenn das negative Ergebnis des BSE-Pflichttests überprüft und eine Freigabe erteilt worden ist.

Verbraucherschutzmaßnahmen

Welche Maßnahmen werden derzeit noch durchgeführt, um den Verbraucher vor einer möglichen BSE-Infektion zu schützen?

Um eine Neuinfektion bei Tieren zu verhindern, wurde die Tiermehlfütterung verboten, 1994 das Verfüttern von Tiermehl an Wiederkäuer, 2001 bzw. 2002 dann das totale Tiermehlverfütterungsverbot durchgeführt. Seit 1. Juni 2013 ist die Verfütterung von verarbeitetem Nichtwiederkäuer-Protein in Aquakulturen erlaubt.

Die unschädliche Beseitigung von spezifiziertem Risikomaterial wie z. B. Darm, Tonsillen, Gehirn etc. und die Kohortentötung sollen verhindern, dass möglicherweise BSE belastetes Material von Tieren auf den Markt gelangt, die sich noch in der Inkubationszeit befinden, und der Erreger sich sozusagen noch auf seiner Reise ins Gehirn befindet, während der er bislang nicht nachgewiesen werden kann. Die Kontrolle auf spezifiziertes Risikomaterial, Separatorenfleisch und nicht deklariertes Rindfleisch in Lebensmitteln wird ebenfalls am LGL durchgeführt.

Was ist unter der Kohorte zu verstehen?

Eine Kohorte ist die Gruppe aller Rinder, die in den zwölf Monaten vor oder nach der Geburt eines kranken Rindes in dem Bestand geboren wurden, in dem auch das kranke Tier geboren ist, und die in ihrem ersten Lebensjahr zu irgendeinem Zeitpunkt gemeinsam mit dem kranken Rind in dessen erstem Lebensjahr aufgezogen wurden.

Bei weiblichen Tieren werden die zuletzt von ihnen während der zwei Jahre vor oder nach dem Auftreten der ersten klinischen Krankheitsanzeichen geborenen Tiere getötet und unschädlich beseitigt.

Rechtsgrundlage: VO (EG) 999/2001.

SRM-spezifiziertes Risikomaterial (Stand 2015)

Folgende Gewebe gelten als spezifiziertes Risikomaterial, welches unschädlich beseitigt wird und somit nicht in die Nahrungsmittelkette gelangt:

Rinder

alle Altersklassen:

  • die letzten vier Meter des Dünndarms, der Blinddarm UND das Gekröse
  • Tonsillen

> 12 Monate:

  • Schädel ohne Unterkiefer einschließlich Gehirn, Augen
  • Rückenmark

> 30 Monate:

  • Wirbelsäule inklusive Spinalganglien
  • ohne Schwanzwirbel
  • ohne Dorn- , Querfortsätze der Hals-, Brust- und Lendenwirbel
  • und ohne Crista sacralis mediana und Kreuzbeinflügel

Schafe und Ziegen

alle Altersklassen:

  • Milz, Ileum

> 12 Monate (bzw. ein Schneidezahn durchgebrochen):

  • Schädel einschließlich Gehirn, Augen
  • Tonsillen
  • Rückenmark

Untersuchungszahlen

Abbildung 1: Bestätigte BSE-positive Tiere nach Bundesland (Stand 31.08.2013)

Abbildung 1: Bestätigte BSE-positive Tiere nach Bundesland (Stand 06.02.2014)

Abbildung 2: Bestätigte BSE-positive Tiere nach Geburtsjahrgang (Stand 31.08.2013)

Abbildung 2: Bestätigte BSE-positive Tiere nach Geburtsjahrgang (Stand 06.02.2014)

Abbildung 3: Anzahl der bestätigten BSE-positiven Fälle: Vergleich BRD-Bayern (Stand 31.08.2013)

Abbildung 3: Anzahl der bestätigten BSE-positiven Fälle: Vergleich BRD-Bayern (Stand 06.02.2014)

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