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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Noroviren

Erreger

Noroviren, ehemals auch als „Norwalk-like Viren“ bezeichnet, sind 27 Nanometer kleine, unbehüllte Viren, die der Familie der Caliciviren zugeordnet werden. Sie werden anhand ihrer Genomstruktur in fünf verschiedene Genogruppen unterteilt. Für den Menschen relevant sind Noroviren der Genogruppen I, II und IV, wobei bei Infektionen fast ausschließlich Vertreter der Genogruppen I und II eine Rolle spielen. Die Erreger sind weltweit verbreitet und infizieren alle Altergruppen. Infektionen mit Noroviren treten das ganze Jahr über auf, in den Wintermonaten kommt es jedoch zu einer saisonalen Häufung von Erkrankungen, die hauptsächlich in Form von großen Ausbrüchen auftreten.

Mit über 170.000 gemeldeten Erkrankungen pro Jahr (sogar 212.724 gemeldete Erkrankungen im Jahr 2008; Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches BulletinNr. 3, 2010) stellen Noroviren die häufigste Ursache infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland dar. Norovirusinfektionen übersteigen die Anzahl an bakteriellen Infektionen, wie sie z. B. durch Salmonellen oder Camylobacter verursacht werden, um ein Vielfaches.

Übertragung

Noroviren sind sehr infektiös. Bereits zehn bis 100 aufgenommene Viruspartikel sind ausreichend, um eine Infektion hervorzurufen (Kapikian et al., 1996; Glass et al., 2000). Die Viren werden in den meisten Fällen direkt von Mensch zu Mensch über Ausscheidungen oder Erbrochenes übertragen. Da Noroviren sehr umweltresistent sind und außerhalb des Körpers lange überdauern können, spielen bei der Verbreitung der Viren insbesondere auch Lebensmittel, Wasser, Bedarfsgegenstände und Oberflächen eine wichtige Rolle. Vor allem beim Erbrechen entstehen winzige virushaltige Flüssigkeitströpfchen, die Lebensmittel und Oberflächen über weite Distanzen hinweg kontaminieren.

Epidemiologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass mindestens 12-16 % aller Noroviruserkrankungen durch kontaminierte Lebensmittel verursacht werden (DeWitt et al., 2003). In Anbetracht der Gesamtzahl an jährlichen Noroviruserkrankungen in Deutschland bedeutet dies, dass mehr als 10.000 bis 20.000 Erkrankungen pro Jahr durch kontaminierte Lebensmittel verursacht werden. Mit Hilfe von neu entwickelten, sensitiven Analysemethoden konnten Noroviren in den letzten Jahren häufig auch direkt aus den Lebensmitteln isoliert und nachgewiesen werden, was ihre Bedeutung für die Lebensmittelhygiene zusätzlich unterstreicht.

Erkrankung

Nach einer kurzen Inkubationszeit von zehn bis 50 Stunden treten erste Symptome einer akuten Magen-Darm-Infektion auf, die vor allem mit „projektilartigem“ Erbrechen, Bauchkrämpfen und starken Durchfällen, in vielen Fällen auch mit Fieber und Gliederschmerzen, einhergeht. Die Erkrankung ist selbstlimitierend und heilt normalerweise folgenlos aus. Für Säuglinge, Kleinkinder und ältere bzw. geschwächte Menschen stellt jedoch der durch Erbrechen und Durchfall entstandene Flüssigkeits- und Elektrolytverlust eine ernsthafte Gesundheitsgefahr dar, sodass diese Personen nicht selten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Nach ein bis drei Tagen klingen die Krankheitssymptome in der Regel wieder ab. Die Viren werden jedoch noch mindestens zwei Tage, in manchen Fällen sogar bis zu zwei Wochen nach Abklingen der Symptome in sehr hoher Menge (bis zu 100 Millarden (!) infektiöse Partikel pro Gramm) mit dem Stuhl ausgeschieden. Somit ist auch über das Akutstadium hinaus eine effektive Händehygiene wichtig, um eine weitere Verbreitung der Erreger zu verhindern.

Meldepflicht

Eine Erkrankung mit Noroviren ist nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig.

Quellen und weiterführende Hinweise

  • DeWitt M.A., M.P. Koopmans, Y.T. van Duynhoven (2003): Risk factors for norovirus, Sapporo-like virus and group A rotavirus gastroenteritis. Emerg. Infect. Dis. 9 (12): 1563-1570
  • Glass R.I., J. Noel, T. Ando, R. Franhauser, G. Belliot, A. Mounts, U.D. Parashar, J.S. Bresee, S.S. Monroe (2000): The epidemiology of enteric caliciviruses from humans: a reassessment using new diagnostics. J. Infect. Dis. 181: 254-261
  • Kapikian A.Z., M.K. Estes, RM. Chanock (1996): Norwalk group of viruses. In: Fields virology, 3rd ed; B.M. Fields, D.M. Knipe, P.M. Howley (eds.). Lippincott-Raven, Philadelphia. 783-810
  • Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin
  • Bundesinstitut für Risikobewertung

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