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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Zitrusfrüchten von Januar bis Mai 2010

Hintergrund der Untersuchungen

Zitronen

Zitrusfrüchte sind die Früchte der Zitruspflanzen, eine Pflanzengattung (Citrus) aus der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Sie stammen aus dem tropischen und subtropischen Südosten Asiens und werden heute weit verbreitet in den warmen Gebieten der Erde angebaut. Die Früchte stellen eine Sonderform der Beere dar, die charakteristisch für die Gattung Citrus ist.

Zu den Zitrusfrüchten gehören unter anderem Zitronen (Citrus limon), Limette (Citrus aurantiifolia), Orangen (Citrus sinensis), Mandarinen (Citrus reticulata), Clementinen (Citrus clementina), Grapefruits (Citrus paradisi) und Pomelos (Citrus aurantium).

Zitronen werden gerne als säuerndes Nahrungsmittel eingesetzt und enthalten deutliche Mengen an Vitamin C. Limette werden meist zu Saft oder ätherischem Öl verarbeitet, sind aber auch als Bestandteil von Cocktails bekannt geworden. Orangen werden vornehmlich als Saft und roh verzehrt. Sie enthalten wie Zitronen deutliche Mengen an Vitamin C. Man unterteilt die Orangensorten in Bitterorangen (Pomeranzen) und vier Gruppen von süßen Orangensorten, die Rundorangen, die Navelorangen, die Blutorangen sowie die säurefreien Orangen. Die Mandarinen zeichnen sich durch ihr komplexes Aroma aus und werden meist roh verzehrt oder als Konserven angeboten. Clementinen sind kernlose Zitrusfrüchte, die eine Hybridform zwischen Orange und Mandarinen darstellen. Die Grapefruit ist eine Kreuzung aus Orangen und Pampelmusen, deren Fruchtfleisch bitter schmeckt. Eine Rückkreuzung von Grapefruit und Pampelmuse ist die Pomelo, deren Fruchtfleisch säuerlich-süß und erfrischend schmeckt.

Zitrusfrüchte sind einem hohen Schädlingsdruck von lnsekten und Pilzen ausgesetzt. Um die Erträge zu sichern, werden oft Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Insbesondere um den Verderb während des Transports zu minimieren, werden oft Schalenbehandlungsmittel zum Beispiel wie Orthophenylphenol oder Thiabendazol eingesetzt.

Um die Belastungssituation weiter zu verfolgen, wurden Zitrusfrüchte in einer Schwerpunktuntersuchung im Frühjahr 2010 besonders intensiv beobachtet. Der vorliegende Beitrag berichtet über die Ergebnisse der von Januar bis Mai 2010 durchgeführten Untersuchungen.

Zusammenfassung

Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 94 Proben Zitrusfrüchte aus dem Groß- und Einzelhandel untersucht. Der überwiegende Anteil der Proben (80) stammte aus der konventionellen Erzeugung. 14 Proben waren als Bio-Produkte ausgelobt, so dass bei deren Herstellung auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, aber auch von Schalenbehandlungsmittel zu verzichten war. Die Proben stammten aus verschiedenen Herkunftsländern, vor allem jedoch aus Südeuropa.

Alle Zitrusfruchtproben konventioneller Erzeugung enthielten Rückstände. Bei 4 % waren die Höchstmengen überschritten (siehe Abbildung 1).

Das Tortendiagramm zeigt, dass 96 % der Proben Rückstände unterhalb der Höchstmengen und 4 % Rückstände über den Höchstmengen aufwiesen.

Abbildung 1: Anteil von rückstandshaltigen Zitrusfrüchten konventioneller Erzeugung (01/2010 - 05/2010)

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation von konventionell erzeugten Zitrusfrüchten gibt Tabelle 1. Mit Ausnahme von Brasilien, Spanien und der Türkei sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass statistische Aussagen nicht zu verallgemeinern sind. 80 verschiedene Stoffe wurden insgesamt 464-mal nachgewiesen. Im Gesamtdurchschnitt wurden 5,8 Rückstände pro Probe gefunden, der mittlere Rückstandsgehalt lag bei 1,75 mg/kg. Der höchste Einzelrückstand betrug 5,1 mg/kg für das fungizid wirkende Schalenbehandlungsmittel Orthophenylphenol in einer Probe türkischer Grapefruits. In 149 Fällen (32 %) lagen die Gehalte der einzelnen Rückstände unter 0,01 mg/kg.

Damit sind die konventionell erzeugten Zitrusfrüchte auf Grund der hohen Anzahl an Rückständen pro Probe und dem hohen Durchschnittsgehalt als eher stark belastet anzusprechen. Jedoch ist dabei zu berücksichtigen, dass die Proben mitsamt den Schalen untersucht werden. Daher bedingen die Schalenbehandlungsmittel die hohen Durchschnittgehalte.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm der Anteil an Proben mit Höchstmengenüberschreitungen von 7 % auf 4 % zwar ab, dafür stieg jedoch der Durchschnittsgehalt deutlich (Tabelle 1).

Tabelle 1: Gesamtübersicht der Ergebnisse für Zitrusfrüchte aus konventioneller Erzeugung (01/2010 - 05/2010)
Herkunftsland Gesamt-
zahl
ohne R mit R
kleiner als HM
mit R
größer als HM
verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) (mg/kg)
Brasilien 16 0 16 0 25 5,0 1,25
China 2 0 2 0 10 6,0 0,43
Griechenland 6 0 6 0 19 5,0 1,28
Israel 3 0 3 0 18 7,3 2,38
Italien 5 0 4 1 14 3,8 0,72
Spanien 28 0 28 0 33 5,9 1,43
Türkei 12 0 11 1 25 7,0 3,01
Vereinigte Staaten
von Amerika
4 0 4 0 16 5,8 3,79
Zypern 1 0 0 1 6 6,0 5,73
ungeklärt 3 0 3 0 17 7,0 1,33
Gesamt 80 0 77 3 80 5,8 1,75
0 % 96 % 4 %
zum Vergleich 2009 56 0 % 93 % 7 % 52 5,5 1,19

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Bei drei Proben (4 %) wurden Höchstmengenüberschreitungen festgestellt, im Vergleich zu 2009 ein geringerer Anteil. Jedoch sind die Daten nur bedingt miteinander vergleichbar, da in dem diesjährigen Schwerpunkt kaum Pomelos mit einbezogen wurden, die sich 2009 als vergleichsweise stark belastet zeigten. Unterschiedlichen Anteile der übrigen Obstarten und die Herkunft der Proben beeinflussen das Gesamtergebnis und können einen genauen Vergleich erschweren.

Daher sind in Tabelle 2 die Einzelergebnisse für die verschiedenen untersuchten Zitrusfrüchte abgebildet. Die einzelnen Arten unterschieden sich nennenswert in der Belastungssituation: Grapefruit waren am stärksten belastet. Durchschnittlich wurden 6,6 Rückstände und 2,89 mg/kg pro Probe festgestellt. Dabei enthielten zwei von 22 Proben Rückstände über den zulässigen Grenzwerten. Eine weitere Höchstmengenüberschreitung wurde bei Orangen beobachtet. Bei diesen lagen jedoch die durchschnittliche Anzahl der Rückstände pro Probe mit 5,2 und der Rückstandsgehalt pro Probe mit 1,18 mg/kg niedriger. Im entsprechenden Bereich schnitten auch Limetten mit 5,0 Rückständen pro Probe und einem Gehalt von 1,24 mg/kg ab, jedoch überschritt hier kein Rückstand den zulässigen Grenzwert. Clementinen und Zitronen wiesen eine dem Durchschnitt entsprechende Belastungssituation auf. Die durchschnittlichen Rückstandsgehalte lagen bei 1,69 und 1,54 mg/kg, die mittlere Rückstandszahl pro Probe bei 6,4 und 5,8. Nachdem nur zwei Proben Pomelos vorgelegt wurden, lassen sich keine Aussagen für die Zitrusart verallgemeinern.

Tabelle 2: Ergebnisübersicht Zitrusfrüchte nach Obstarten (01/2010 - 05/2010)
Obstart Gesamt-
zahl
ohne R mit R
kleiner als HM
mit R
größer als HM
verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) (mg/kg)
Clementine 11 0 11 0 24 6,4 1,69
Grapefruit 22 0 20 2 42 6,6 2,89
Limette 17 0 17 0 25 5,0 1,24
Orange 19 0 18 1 42 5,2 1,18
Pomelo 2 0 2 0 10 6,0 0,43
Zitrone 9 0 9 0 20 5,8 1,52
Gesamt 80 0 77 3 80 5,8 1,75
0 % 96 % 4 %

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Höchstmengenüberschreitungen wurden bei einer Probe Orangen aus Italien und zwei Proben Grapefruit (je einmal aus der Türkei und Zypern) gefunden. Die unzulässig hohen Gehalte betrafen das Insektizid Fenitrothion und den Stoff Chlorpyrifos, der gegen Insekten, Milben und Würmer wirkt (Tabelle 3).

Tabelle 3: Zitrusfruchtproben mit Höchstmengenüberschreitungen (01/2010 - 05/2010)
Obstart Herkunftsland Anzahl HMÜ Stoff Rückstands-Gehalt
(mg/kg)
zulässige Höchstmenge
(mg/kg)
zulässige Höchstmenge
(mg/kg)
Orange Italien 1 Fenitrothion (I) 0,061 0,01 36
Grapefruit Türkei 1 Chlorpyrifos (A, I, N) 0,51 0,3 46
Grapefruit Zypern 1 Chlorpyrifos (A, I, N) 0,48 0,3 43

HMÜ = Höchstmengenüberschreitung, A = Akarizid, I = Insektizid, N = Nematizid

Bei allen Höchstmengenüberschreitungen wird eine toxikologische Risikoabschätzung durchgeführt. Dazu wird am Beispiel eines Kindes von 2 bis unter 5 Jahren überprüft, in welchem Maß bei einem einmaligen Verzehr die Akute Referenz-Dosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei Überschreitung des ARfD-Wertes sind gesundheitliche Risiken nicht mit der gebotenen Sicherheit auszuschließen. In solchen Fällen erfolgt über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) eine entsprechende Mitteilung an die Mitgliedstaaten. Das war allerdings bei den vorliegenden Proben in keinem Fall erforderlich.

Von den insgesamt 80 verschiedenen, nachgewiesen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die häufigsten Stoffe (mindestens zehnmal nachgewiesen) in der Abbildung 2 aufgelistet.

Das Balkendiagramm zeigt die häufig nachgewiesenen Stoffe in Zitrusfrüchten. Imaza-lil wurde 70-mal detektiert, gefolgt von Chlorpyrifos mit 43-mal und Fenbutatinoxid mit 42-mal. Thiabendazol wurde 38-mal nachgewiesen, Orthophenylphenol 34-mal und Pyriproxyfen 28-mal. 2,4-D wurde 23-mal gefunden, Prochloraz 21-mal und Imida¬cloprid zwölfmal. Elfmal wurde Etofenprox detektiert und zehnmal Pyrimethanil. Von den genannten Stoffen sind Imazalil, Orthophenylphenol, Prochloraz , Pyrimethanil und Thiabendazol Fungizide. Etofenprox, Imidacloprid und Pyriproxyfen haben insek-tizide Wirkung. Chlorpyrifos ist sowohl Akarizid als auch Insektizid und Nematizid. Fenbutatinoxid ist akarazid wirksam und 2,4-D wird als Herbizid und Wachstumsregu-lator eingesetzt.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Zitrusfrüchten (01/2010 - 05/2010)
A= Akarizid, F = Fungizid, H = Herbizid, I = Insektizid, N = Nematizid, W = Wachstumsregulator

In allen Proben wurden mehrere Stoffe gleichzeitig gefunden. 25 Proben (31 %) enthielten zwei bis vier Rückstände und 38 Proben (48 %) fünf bis sieben Rückstände. Weiterhin gab es noch 17 Proben (21 %) mit acht und mehr Rückständen (Abbildung 3). Eine Probe Orangen mit zwölf Rückständen stellte den Spitzenreiter dar. Diese Probe stammte aus Griechenland und wies mit 3,62 mg/kg einen Gesamtrückstandsgehalt deutlich über dem Durchschnitt (1,75 mg/kg) auf.

Das Säulendiagramm zeigt, dass zwei Rückstände in sechs Proben nachgewiesen wurden und drei Rückstände in neun Proben. Jeweils zehn Proben enthielten vier oder fünf Rückstände. In 18 Proben wurden sechs verschiedene Komponenten nachgewie-sen. Sieben verschiedene Stoffe wurden in zehn Proben gefunden und acht Stoffe in sechs Proben. In fünf Proben wurden neun Komponenten detektiert. In sechs Proben wurden mindestens zehn Rückstände detektiert.

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Zitrusfrüchten (01/2010 - 05/2010)

Eine Besonderheit bei den Zitrusfrüchten sind die Kennzeichnungsvorschriften zur Nacherntebehandlung. Für Orthophenylphenol ist diese nach der Zusatzstoffzulassung-Verordnung (ZZulV) durch die Angabe "konserviert" oder "mit Konservierungsstoff" zu kennzeichnen. Die Behandlung von Zitrusfrüchten mit Thiabendazol ist nach der Rückstandshöchstmengen-Verordnung (RHmV) durch die Angabe "konserviert mit Thiabendazol" kenntlich zu machen. Für nach der Ernte verwendete Konservierungsmittel und sonstige chemische Stoffe, wie zum Beispiel Imazalil, besteht eine Kennzeichnungspflicht nach der Vermarktungsnorm für Zitrusfrüchte, ein bestimmter Wortlaut ist hier nicht vorgeschrieben. Während die Kennzeichnungsvorgaben nach ZZulV und RHmV für alle Zitrusfrüchte gelten, sind von der Vermarktungsnorm nur Orangen, Mandarinen (einschließlich Tangerinen und Satsumas), Clementinen sowie Zitronen betroffen. Grapefruits, Limetten oder Pomelos werden dagegen nicht von den Vermarktungsnormen erfasst. Für die Einhaltung der Vermarktungsnormen ist in Bayern nicht die Lebensmittelüberwachung zuständig sondern die Landesanstalt für Landwirtschaft.

Bei fünf der neun Zitronenproben (dreimal aus Spanien, zweimal aus der Türkei) fehlte die Kennzeichnung der Nacherntebehandlung. Bei einer dieser Proben war das Produkt sogar als "unbehandelt" ausgelobt worden, so dass diese Irreführung beanstandet wurde. Des Weiteren waren sechs der 19 Orangenproben nicht nach den Vorgaben gekennzeichnet. Bei zwei Proben waren wiederum irreführende Angaben wie "Schale nicht konserviert" oder "unbehandelt" zu bemängeln. Außerdem war noch die Grapefruitprobe aus Zypern, die eine Höchstmengenüberschreitung aufwies, hinsichtlich der unzureichenden Kennzeichnung nach ZZulV und RHmV auffällig.

Im Rahmen der Schwerpunktuntersuchung wurden 14 Proben aus dem ökologischen Landbau vorgelegt. Darunter befanden sich je vier Proben Orangen und Zitronen, drei Proben Clementinen, zweimal Grapefruits und einmal Limetten. Die Proben stammten aus fünf verschiedenen Ländern oder deren Herkunft war nicht angegeben. In sieben dieser Proben (50 %) wurden keine Rückstände nachgewiesen. In den anderen Proben waren die Gehalte so gering, dass nicht von einer Anwendung auszugehen war. Lediglich in der Limettenprobe wurde ein geringfügig höherer Gehalt des Fungizids Imazalil detektiert. Dieser Gehalt des Schalenbehandlungsmittels war jedoch als nicht technologisch wirksam anzusehen und auf eine Kontamination zurückzuführen.

Fazit

Auf Grund der hohen Anzahl an Rückständen pro Probe und dem hohen Durchschnittsgehalt sind die untersuchten Zitrusfrüchte aus konventioneller Herstellung als eher stark belastet anzusehen.

Von den einzelnen Arten enthielten Grapefruits die größten Rückstandsmengen. Besser schnitten Orangen und Limetten ab. Clementinen und Zitronen wiesen eine durchschnittliche Belastungssituation auf. Die hohen Rückstandsgehalte sind im Wesentlichen durch Schalenbehandlungsmittel bedingt. Nachdem diese aber nahezu vollständig auf der Schale verbleiben, kann der Verbraucher diese durch Schälen entfernen.

Höchstmengenüberschreitungen wurden bei Grapefruits und Orangen festgestellt. Die Akute Referenz-Dosis (ARfD) wurde in keinem Fall überschritten. Demzufolge waren gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die einzelnen nachgewiesenen Rückstände nach der derzeitigen Datenlage nicht zu erwarten.

Die Zitrusfrüchte aus dem ökologischen Landbau waren kaum mit Rückständen behaftet und trugen ihre Auslobung als Bio-Produkte berechtigterweise.

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