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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Nickel als Beispiel für die Anwendung des Humanbiomonitorings in der Umweltmedizin

Was ist Nickel? Chemische Eigenschaften, Vorkommen und Verwendung von Nickel

Nickel (Ni) ist ein silberweißes geschmeidiges Metall. Es kommt als elementares Nickel (Ni0), Ni+1, Ni+2, Ni+3 und Ni+4 vor und wird zu 90% aus Nickelsulfid-Erz gewonnen. 40% des Jahresaufkommens von etwa 750.000 Tonnen geht in die Produktion rostfreier Stähle. Das Metall geht auch in rund 300 Legierungen ein. Es ist zudem ein essentielles Spurenelement im menschlichen Körper. Nickelverbindungen werden unter anderem als Katalysatoren, Pigmente und in Batterien benutzt. Im Haus ist die Anwendung der oberflächlichen Vernicklung von Bauteilen in der Hausinstallation und die Verwendung als Legierungselement von Loten und Armaturwerkstoffen von Interesse. Der Mensch kann zudem über folgende weitere Quellen mit Nickel in Berührung kommen:

  • über Schmuck (Modeschmuck) und Körperschmuck (Piercing),
  • über Gebrauchsgegenstände wie z. B. Küchenzubehör, Wasserkocher mit offenerer Heizspirale,
  • über Geld (nickelhaltiges Kleingeld),
  • über Werkstoffe, die beim Zahnarzt oder in der Medizin Verwendung finden (Zahn-, Hüftendoprothesen),
  • am Arbeitsplatz (Dentallabor, Musiker, Kassierer).

Aufnahme und Ausscheidung von Nickel

Die Bevölkerung nimmt Nickel bzw. Nickelverbindungen über Nahrung, Trinkwasser und Luft auf. Dabei stellt die Nahrung die mengenmäßig bedeutsamste Quelle dar. Die durchschnittliche tägliche Nickelaufnahme liegt zwischen 90 µg und 280 µg pro Person. Durch Verzehr besonders nickelhaltiger Lebensmittel kann die tägliche Aufnahme auf bis zu 1 mg steigen. Pflanzliche Lebensmittel enthalten mehr Nickel als tierische Produkte. Folgende Tabelle gibt einen groben Überblick über die Vielzahl nickelreicher Lebensmittel. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Nickelgehalte untersuchter Lebensmittel stark schwanken.

Alphabetische Liste nickelreicher Nahrungsmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel

  • Aal
  • Algenpräparat
  • Ananas
  • Backpflaumen
  • Backpulver
  • Beerenfrüchte (Erdbeeren, Himbeeren, Heidel- und Johannisbeeren)
  • Brasse
  • Broccoli
  • Buchweizen
  • Feigen
  • Getreidekörner
  • Frühstückscerealien (Getreidevollkornflocken, Haferflocken, Cornflakes, Müsli)
  • Hirse und Hirseprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Hecht
  • Hefetabletten
  • Hering
  • Hummer
  • Innereien
  • Kohlgemüse (Blumen-, China-, Grün-, Rosenkohl)
  • Lauch
  • Linsen
  • Lakritz
  • Makrele
  • Mais und Maisprodukte (Polenta, Popcorn, Cornflakes, Tortilla, Maizena, Mondamin)
  • Nüsse (Erd-, Hasel-, Walnüsse)
  • Ölsamen (Mohn, Sesam, Sonnenblumenkerne)
  • Pellkartoffeln
  • Pilze
  • säurehaltige Lebensmittel
  • Schokolade und Schokoladenprodukte
  • Soja und Sojaprodukte (Tofu, Sojafleisch, Sojamilch)
  • Spargel
  • Tee
  • Thunfisch
  • Vollkornprodukte
  • Zander

Die Zufuhr von Nickel über die Lunge durch Belastungen der Außen- und Innenraumluft sind in der Regel vernachlässigbar gering. Nur das Rauchen leistet einen bedeutsamen Beitrag zur inhalativen Nickelzufuhr. So wird angenommen, dass über das Rauchen einer Packung Zigaretten zusätzlich 4 µg Nickel pro Person zugeführt werden. Der Hauptanteil des aufgenommenen Nickels wird über den Kot und über den Schweiß, geringe Mengen auch über den Harn ausgeschieden.

Gesundheitliche Bedeutung

Nickelverbindungen mit Ausnahme von metallischem Nickel sind als krebserzeugend für den Menschen eingestuft. Nickel ist zudem das häufigste Kontaktallergen. Nach einer vorausgegangenen Sensibilisierungsphase gegen Nickel, in der das Immunsystem Kontakt mit dem Nickel hat und stimuliert wird, kann sich eine Nickelallergie in Form einer allergischen Kontaktdermatitis entwickeln. Sie zeigt sich zunächst durch Entzündungen, Rötungen, Schwellungen zum Beispiel an Fingern, Händen, Augenlidern. In deren Folge können sich Ekzeme an den Ellbogen und großflächig am ganzen Körper ausbilden.

Kontaktekzem, Hautausschlag auf der oberen Brust

Abbildung 1: Kontaktekzem

Allergietest auf dem Rücken

Abbildung 2: Epikutan-Test

Hautausschlag nach dem Allergietest auf dem Rücken

Abbildung 3: Epikutan-Test

Das Bildmaterial wurde dem LGL mit freundlicher Genehmigung von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München zur Verfügung gestellt.

Nickelsensibilisierung bei Frauen und Männern

Junge Frauen sind häufiger von einer Nickelallergie betroffen als junge Männer (Grafik 1). Bei älteren Patientinnen sind die Sensibilisierungsraten ebenfalls niedriger (bei 45- bis 58- jährigen Patientinnen 17,5%, bei einem Alter über 58 Jahre: 7,5%.).
Die Auswertungen der zeitlichen Verläufe bei Patienten in dermatologischen Kliniken im Zeitraum von 1992 bis 2001 ergaben zwar, dass bei jungen Frauen unter 31 Jahren die Sensibilisierungshäufigkeiten zurückgegangen sind, doch sie betrugen im Jahr 2001 immer noch 25,8%. Der Rückgang wird auf die Einführung staatlicher Maßnahmen in Deutschland zurückgeführt. So gibt es für Bedarfsgegenstände, die nicht nur vorübergehend Körperkontakt haben, wie z. B. Ohrringe, Uhrenarmbänder aus Metall, Piercings nach Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz einen Grenzwert.

Säulendiagramm: Nickelsensibilisierungsraten bei Frauen und Männer seit 1992; Nickelsensibilisierung ist bei Frauen unter 31 Jahren deutlich am höchsten (25-35 %); Frauen über 58 Jahren: etwa 5-10 %; Männer unter 31 Jahren 5-10 %; Männer über 58 Jahren 1-5%; generell geht die Tendenez der Sensibilisierung von 1992-2001 zurück

Grafik 1: Nickelsensibilisierungsraten im zeitlichen Verlauf

Als Hauptursachen der Sensibilisierung werden derzeit bei jungen Frauen und Männern das Ohrlochstechen, "Body Piercing" und das Tragen von Modeschmuck betrachtet. Dagegen werden als mögliche Ursachen, die das Ekzem auslösen und unterhalten können, alle vorher dargestellten Quellen diskutiert. Die allergologische Bedeutung der Nickelzufuhr über Lebensmittel wird für die Mehrheit der Nickelallergiker für gering gehalten. Die geringe Anzahl an Patienten, deren Ekzem durch die Nickelzufuhr über die Nahrung unterhalten wird, muss eine spezielle Diät an nickelarmen Lebensmitteln halten.

Untersuchungen zur Belastung des Menschen

Die Konzentrationen im Urin werden zur Charakterisierung der Belastung des Menschen benutzt. Allerdings liegen keine repräsentativen Untersuchungen über die Belastung der Normalbevölkerung vor. Denn in Deutschland wurde in keinem der bisher durchgeführten Umwelt-Surveys Nickel im Urin bei einer größeren Bevölkerungsgruppe bestimmt. Auch in den USA wurde Nickel bisher nicht in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe wie dem National Health and Nutrition Examination Survey berücksichtigt. Dies ist vor dem Hintergrund der analytischen Schwierigkeiten beim Nachweis von geringen Nickelmengen im Urin nicht verwunderlich. Denn in einer Querschnittsuntersuchung aus den 90er Jahren aus Bremen, bei der zwar ein Kollektiv ca. 500 Frauen und Männern mit einem Durchschnittsalter von ca. 61 Jahren auf die Schwermetallbelastungen untersucht wurden, waren bei 610 Urinuntersuchungen die Messwerte bei 22,5% unter der Nachweisgrenze von 0,4 µg Nickel/l Urin. In folgender Tabelle und Abbildung sind die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und mit dem derzeit gültigen Referenzwert, der von der von der Human-Biomonitoring-Kommission des Umweltbundesamtes unter Berücksichtigung von Literaturdaten festgelegt wurde, verglichen.

Tabelle 2: Nickelgehalte im Urin [ μg/g Kreatinin] (modifiziert nach [Jöckel 1996])

Männer

Tabelle 2: Nickelgehalte im Urin
Anzahl Probanden %-Anteil unter NG P 50 P 95 Maximum Referenzwert
Männer 429 23,1 0,79 3,12 10,10 -
< 50 Jahre 43 14,0 0,82 2,57 3,75 -
50-60 Jahre 134 24,6 0,73 2,68 7,04 3
> 70 Jahre 71 25,4 1,01 4,24 10,10 -

Frauen

Tabelle 2: Nickelgehalte im Urin
Anzahl Probanden %-Anteil unter NG P 50 P 95 Maximum Referenzwert
Frauen 164 18,9 1,31 4,88 10,45 3
< 50 Jahre 30 13,3 1,33 3,2 3,5 -
50-60 Jahre 45 13,3 1,3 3,93 6,3 -
> 70 Jahre 35 22,9 1,75 6,97 8,08 -
  • NG: Nachweisgrenze
  • P 50: 50 Perzentile des Bremerkollektivs
  • P 95: 95 Perzentile des Bremer Kollektivs
  • Referenzwert: 95 Perzentile bei Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse aus mehreren Untersuchungen

Grafik 2: 95%-Werte der Nickelgehalte im Urin in Bremer Kollektiv (modifiziert nach [Jöckel 1996])

Säulendiagramm: Nickel im Urin 95% des Kollektivs

In den Ergebnissen deuten sich die wissenschaftlich diskutierten alters- und geschlechtsabhängigen Unterschiede an. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass 2,6mal mehr Männer als Frauen untersucht wurden. Auch die Schwankungsbreite der Untersuchungsergebnisse gibt die Tabelle wieder. Diese Schwankungen der Einzelwerte innerhalb der untersuchten Kollektive werden im Zusammenhang mit vielen Einflussfaktoren wie z. B. pharmakinetische Einflüssen bei der Aufnahme und Ausscheidung von Nickelverbindungen, Medikamenteneinnahme und unterschiedlichen Expositionsquellen diskutiert. Bei Patienten mit Nickelallergie wird zudem eine erhöhte Nickelausscheidung kontrovers diskutiert. Nicht einmal der Einfluss des "Lifestyle"-Faktors Rauchen auf die Uringehalte ist bei Gesunden und Patienten mit Nickelallergie bisher durch Untersuchungen ausreichend gesichert.

Zur Klärung einiger der offenen Fragen führt das LGL zusammen mit der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der TU München ein Projekt durch.

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