Lebensbaumlogo Geschäftsbereich lebensministerium.bayern.de

Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Elektronisches Polleninformationsnetzwerk Bayern (ePIN)

Hintergrund

Von allen allergischen Erkrankungen stellen durch Pollen verursachte Allergien den größten Anteil dar, in Bayern sind mittlerweile bis zu 30% der Bevölkerung betroffen. Je besser die Informationslage über den aktuellen Pollenflug ist, umso besser können Betroffene rechtzeitig reagieren.
Die wesentliche Grundlage für die Pollenflugvorhersage durch Wetterdienste in Bayern bilden bislang allgemeine meteorologische Messdaten in Kombination mit aus manuellen Pollenfallen gewonnen Daten über den Pollenflug. Die Anzahl der durch die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) betriebenen manuellen Pollenfallen in Bayern ist in den letzten Jahren von fünf im Jahr 2010 auf mittlerweile zwei Pollenfallen zurückgegangen. Die immer noch weltweit überwiegend verwendete Messtechnik zur qualitativen und quantitativen Pollenanalyse durch manuelle Pollenfallen stammt aus dem Jahr 1952 und erfordert eine manuelle Auswertung mit dem Mikroskop. Daher liegen die Pollendaten den Wetterdiensten meist erst mehrere Tage nach der Messung vor und Berechnungen der Pollenflugvorhersage basieren somit auf zeitlich verzögerten Messdaten. Im Vergleich zur allgemeinen meteorologischen Wettervorhersage, die auf „real-time“ Daten basiert, ist die Validität der Pollenflugvorhersage daher um Größenordnungen geringer.
Die derzeit von verschieden Anbietern im Internet abrufbaren Pollenflugvorhersagen spiegeln, analog zur allgemeinen Wettervorhersage, eine Qualität vor, die nicht der Realität entspricht. Hiermit lassen sich vielfach gemachte Erfahrungen erklären, bei denen die Symptomatik der Betroffenen häufig nicht mit den Angaben oder Vorhersagen der Wetterdienste zum Pollenflug in Einklang zu bringen ist.

Neue Technologien

Mit dem Aufkommen neuer Techniken ist mit elektronischen Pollenmonitoren eine automatisierte Pollenzählung und -charakterisierung möglich. So können Wetterdiensten und anderen Anbietern Daten zum aktuellen Pollenflug nahezu „real-time“ (alle 3 Stunden) zur Verfügung gestellt werden. Dadurch kann die Vorhersagequalität für Pollenallergiker durch Verwendung leistungsfähiger meteorologischer Modelle wesentlich gesteigert werden.

ePIN in Bayern

Das Vorhaben ePIN ist Teil der bayerischen Klimaanpassungsstrategie und wird im Auftrag des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) sowie des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) federführend durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit Unterstützung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) umgesetzt.
Geplant sind acht elektronische Pollenmonitore in acht Landkreisen in Bayern (Altötting, Feucht, Garmisch-Partenkirchen, Hof, Marktheidenfeld, Mindelheim, München, Viechtach) sowie vier manuelle Pollenfallen mit dem Schwerpunkt Klimaforschung. Dem Umsetzungsprojekt gingen vor dem Beschluss zur Durchführung des Projektes im Bayerischen Ministerrat am 13.09.2016 umfangreiche Validierungs- und Machbarkeitsstudien voraus. Dabei wurden insbesondere die technischen Anforderungen an die Standorte sowie die Auswahl der geeigneten Standorte ermittelt. Dem vorausgegangen waren mehrjährige Validierungsstudien mit dem Vergleich der Leistungsfähigkeit manueller Pollenfallen mit derjenigen elektronischer Pollenmonitore. Die Studien wurden von dem Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM) der Technischen Universität München (TUM) durchgeführt.
Das LGL beginnt als leitender Projektkoordinator von ePIN in diesem Jahr mit dem Aufbau und der Installation der acht Pollenmonitore an den ausgewählten Standorten, im darauffolgenden Jahr 2018 folgen der Testbetrieb und die Implementierungsphase, und ab 2019 soll der Regelbetrieb von ePIN aufgenommen werden.

Eine valide Pollenflugvorhersage ermöglicht es den Patienten, rechtzeitig entsprechende Medikamente einzunehmen oder geeignete Maßnahmen zur Expositionsverminderung zu ergreifen. Hierdurch kann die Symptomatik reduziert werden, resultierend in einer gesteigerten Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität.
Einen weiteren Nutzen soll ePIN für die Klimaforschung darstellen. ePIN soll eine substantielle Verbesserung der Datenlage für die allergie- und gesundheitsbezogenen Klimaforschung sowie eine langfristige Verbesserung der bayernweiten Datengrundlage zum Klimamonitoring ermöglichen. Aus ermittelten Zeitreihen können konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt werden, wie zum Beispiel bei der Bepflanzung mit bestimmten Gehölzen wie der Birke im urbanen Raum. Zusammenfassend soll ePIN ein deutliches Plus an Lebensqualität für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger und einen wichtigen Beitrag zur Klimaforschung in Bayern liefern.

Bayernkarte mit Standorten der Pollenfallen und Elektronische Pollenmonitore

Abb.: Schematische Übersicht über die geplanten Standorte der Pollenfallen und Pollenmonitore in Bayern.