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Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Ambrosia artemisiifolia als Inhalationsallergen: Krankheitsbild, Häufigkeit, Auslöser, diagnostische Maßnahmen

Allgemeine Informationen zur Ambrosia artemisiifolia

Ambrosia artemisiifolia, auch als Ambrosia eliator, Beifußblättriges Traubenkraut, Hohe Ambrosie, Beifußblättrige Ambrosie oder gemeines Ragweed bezeichnet, gehört zu der Familie der Korbblütler, die ca. 1.100 Gattungen und 20.000 Arten umfasst. Allerdings sind nur einige wenige Gattungen allergologisch relevant. Ambrosia artemisiifolia stammt aus Amerika und ist dort als Unkraut weit verbreitet. Sie ähnelt dem gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris). Auch können die Blätter der Ambrosia mit den Blättern eines weiteren heimischen Korbblütengewächses, der Studentenblume, Sammetblume oder Totenblume (Tagetes) verwechselt werden. Folgende Abbildungen 1-3 zeigen die Blätter der drei Pflanzen im Vergleich:

(Bildautor: S. Nawrath & B. Alberternst, Projektgruppe Biodiversität, Goethe-Universität Frankfurt/M.)

Merkmale zur Identifikation der Pflanze findet man unter

Eine detaillierte Abbildung der Pflanze kann unter

eingesehen werden.

Neben Ambrosia artemisiifolia kommen mehrere Ambrosia-Arten (beispielsweise Ambrosia trifida, Ambrosia aptera) in Europa vor. Nach dem derzeitigen Wissensstand ist allerdings nur das „Beifußblättrige Traubenkraut“ allergologisch bedeutsam. Es besiedelt insbesondere gestörte Flächen wie Baustellen, Ackerränder, Brachen, offene Böden, Weg- und Straßenränder. Es vermehrt sich ausschließlich über Samen. Abhängig von der Ambrosia-Spezies werden 3.000 bis 6.000 Samen pro Pflanze im Jahr gebildet. Am höchsten sind die Pollenkonzentrationen in der Außenluft in den Monaten August bis September. Die Samen keimen aber schon ab Monat März. Besonders problematisch ist die lange Überlebensfähigkeit der Samen im Boden von 30 bis 40 Jahren. Die Samen werden über kurze Strecken durch den Wind verbreitet. Besondere Bedeutung hat die Verbreitung der Samen mit kontaminiertem Erdmaterial, das zum Auffüllen beim Straßen- und Wegebau benutzt wird. Auch das Aussäen von kontaminiertem Vogelfutter oder Saatgut aus Regionen, in denen Ambrosia häufig auf Äckern wächst, führt zur Verbreitung der Pflanze. Folglich hat sich die Ambrosia inzwischen von Amerika über Kanada bis nach Zentral- und Mitteleuropa ausgebreitet. Vor allem wird über das Vorkommen der Pflanze in Ungarn, Kroatien, bestimmten Regionen in Frankreich, in Italien, Bulgarien, Schweden, Schweiz, Österreich, Slowakei, Tschechien, Polen, Russland berichtet. Auch in Deutschland kommt die Pflanze inzwischen an vielen Stellen vor. Das Auftreten dieses Ackerunkrauts ist seit 1863 in Deutschland dokumentiert.

Abbildung 4 zeigt Ambrosia artemisiifolia an einem Autobahnabschnitt in Bayern.

(Bildautor: S. Nawrath & B. Alberternst, Projektgruppe Biodiversität, Goethe-Universität Frankfurt/M.)

Warum ist Ambrosia artemisiifolia allergologisch so bedeutsam?

Das Krankheitsbild entspricht einer Typ-I-Allergie. Das Vorgehen bei der Diagnosestellung ist in dem Artikel "Inhalationsallergien" dargestellt:

Nach Angaben der amerikanischen Allergie- und Asthma-Gesellschaft leiden inzwischen schätzungsweise 10 bis 20% der Amerikaner an Ambrosia-Allergie. Unter Allergikern wird sogar eine Häufigkeit von ca. 50% berichtet. Ambrosia-artemisiifolia-Pollen gilt inzwischen in den USA als der Hauptauslöser des allergischen Schnupfens. Wie bei anderen Aeroallergenen können bei Ambrosia artemisiifolia auch Kreuzreaktionen mit bestimmten Nahrungsmittelallergenen auftreten. Nahrungsmittelunverträglichkeiten vor allem auf Bananen und Melonen sind die Folge. Bisher gibt es wenige gesicherte Erkenntnisse zur Ambrosia-Allergiehäufigkeit in Europa. In Frankreich sollen schätzungsweise 6 bis 12% der Bevölkerung gegen Ambrosia sensibilisiert sein. In Deutschland fehlen entsprechende Zahlen. Deutsche Allergologen beunruhigt aber die Schwere der beobachten Krankheitsbilder vor allem des allergischen Asthmas und die Zahl der amerikanischen Patienten, die an allergischem Schnupfen und allergischem Asthma leiden. Da bekannt ist, dass mit steigender Zahl potenter Allergene auch die Sensibilisierungswahrscheinlichkeit für Allergene insgesamt steigt, ist die Verbreitung eines weiteren potenten Allergens in Deutschland, das im Garten oder in der landwirtschaftlichen Bereich keinerlei Nutzen hat, im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes unerwünscht.

Deshalb empfiehlt die Biologische Bundesanstalt jedem, der mithelfen will, die weitere Verbreitung der Ambrosia zu verhindern:

  • Fragen Sie beim Einkauf nach Vogelfutter, das frei von Ambrosia-Samen ist.
  • Beobachten Sie im Frühjahr die Fläche unter der Futterstelle.
  • Wenn Sie junge Ambrosia-Pflanzen finden (siehe Abbildung 1), reißen Sie sie mit Handschuhen mit der Wurzel vor der Blüte aus und entsorgen Sie sie über die Mülltonne.
  • Wenn Sie blühende Pflanzen ausreißen, tragen Sie Handschuhe und eine Feinstaubmaske. Werfen Sie die Pflanzen in einem Plastikbeutel in den Hausmüll. Große Pflanzen vorher zerkleinern (Spaten, Gartenschere)! Werfen Sie bitte die blühenden Pflanzen nicht auf den Kompost, weil die Pollen noch fliegen können und die Pflanze eventuell wieder anwächst.
    Allergiker sollten diese Arbeiten nicht durchführen.

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