Shamonda-Virus (SHAV)
Erreger
Das Shamonda-Virus (SHAV) wird durch Stechmücken, sog. Gnitzen übertragen. Es handelt sich um ein Orthobunyavirus, dass eng mit Viren der Simbu-Serogruppe verwandt ist, zu der auch das Schmallenberg-Virus (SBV) und das Akabane-Virus (AKAV) gehören.
Vorkommen und Übertragung
Das Shamonda-Virus wurde erstmals Mitte der 1960er Jahre in Nigeria nachgewiesen und bis 2026 vereinzelt im westlichen, östlichen und südlichen Afrika und in Asien.
Seit Sommer 2026 gibt es die ersten Nachweise des neuartigen Shamonda-Virus in Mitteleuropa. Aufgefallen waren zunächst Erkrankungen bei Rindern in der Schweiz, Frankreich und in Baden-Württemberg.
Bisher sind nur Milchviehhaltungen und hier nur adulte Tiere betroffen. Aufgrund der Verwandtschaft zum Schmallenberg-Virus ist anzunehmen, dass auch Feten, Kälber und kleine Wiederkäuer und deren Jungtiere betroffen sein können.
Die Übertragung des Virus erfolgt durch Stechmücken sogenannte Gnitzen. Die Ansteckung erfolgt somit hauptsächlich saisonal.
Für den Menschen besteht laut FLI kein relevantes Infektionsrisiko.
Krankheitsbild
Insgesamt ist das klinische Bild dem von Infektionen mit dem Schmallenberg-Virus sehr ähnlich. Betroffene Tiere zeigen Fieber, Milchleistungsrückgang und Durchfall. Infektionen sind auch bei SHAV nur mit einer sehr kurzen Virämiephase verbunden.
Aktuell ist noch unklar, ob Infektionen während der Trächtigkeit zu typischen fetalen Schädigungen („Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom (AHS)“) führen. Aufgrund der engen Verwandtschaft zum Schmallenberg-Virus ist dies aber sehr wahrscheinlich.
Diagnostik
Für den Erregernachweis mittels PCR eignen sich Serum- oder EDTA-Blutproben, diese müssen während der sehr kurzen Phase der Virämie entnommen werden. Für den Nachweis ist daher die Untersuchung und Beprobung von akut klinisch kranken Tieren (Fieber, Durchfall, Milchrückgang) entscheidend. Bei Vorliegen von Aborten, Totgeburten und missgebildeten Kälbern oder Lämmern (AHS) sollten diese unbedingt untersucht werden. Der Erregernachweis erfolgt nach derzeitigen Wissenstand analog zum Schmallenberg-Virus aus Organmaterial von Feten, insbesondere aus Gehirn und Milz.
Bekämpfung und Monitoring
Aktuell kann nur der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen/Mücken das Infektionsrisiko mindern. Zudem kann durch eine Verlegung des Besamungszeitpunktes weiblicher Tiere versucht werden, dass das vulnerable Stadium der Trächtigkeit außerhalb der Vektor-aktiven Zeit liegt.
Impfstoffe stehen aktuell noch nicht zur Verfügung.
Um eine Ausbreitung von SHAV in Bayern frühzeitig zu erkennen, wurde ein passives Monitoring etabliert. Die Untersuchungen erfolgen am LGL.
Im Rahmen des Monitorings am LGL konnte in eingesandten Proben aus Bayern Genom spezifisch für Orthobunyaviridae der Simbu-Serogruppe (zu der u. a. das Schmallenberg-Virus (SBV) und das Shamonda-Virus gehören) nachwiesen werden. Eine akute Infektion mit SBV wird mittels spezifischer PCR ausgeschlossen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das Shamonda-Virus auch bei Rindern in weiten Teilen Bayerns zu finden ist. Nachweise liegen bereits aus allen Regierungsbezirken vor.
Beim Auftreten der geschilderten akuten klinischen Symptome wie Milchrückgang, Fieber und Durchfall sollte ein Tierarzt hinzugezogen und geeignete Proben von den Tieren an das LGL weitergeleitet werden:
- Während der akuten Krankheitsphase: Serum- und EDTA-Blutproben
- bei Aborten nach vorangegangener Symptomatik beim Muttertier bzw. bei Missbildungen des muskuloskelettalen Systems des Fetus: der ganze Tierkörper
Die Untersuchungsanträge finden sie hier:
Weitere Informationen zum Verfahren geben die zuständigen Veterinärbehörden.

