Aktuelles zur Geflügelpest in Bayern 2020/2021

Seit November 2020 tritt die HPAI (hochpathogene Aviäre Influenza, Geflügelpest) auch in Bayern auf.

In den Landkreisen Bayreuth, Ebersberg, Erding, Kulmbach, Mühldorf a. Inn, Roth, Schwandorf, Weißenburg-Gunzenhausen und Würzburg wurden im aktuellen Geschehen 2020/2021 Fälle von Geflügelpest bei Hausgeflügel durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt.

In den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten Bamberg, Bayreuth-Stadt, Cham, Deggendorf, Erlangen-Höchstadt, Haßberge, Hof Stadt, Ingolstadt Stadt, Kitzingen, Kulmbach, Landsberg am Lech, Lichtenfels, Neuburg-Schrobenhausen, Neustadt a. d. Waldnaab, Passau, Regen, Roth, Schwandorf, Starnberg, Straubing-Bogen, Straubing Stadt, Tirschenreuth und Weißenburg-Gunzenhausen wurden Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln nachgewiesen (Stand: 13.04.21).

Zu den durch die zuständigen Behörden getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung und Eindämmung der Geflügelpest finden Sie weitere Informationen auf den offiziellen Webseiten der betroffenen Landkreise und kreisfreien Städte.

Übersicht der Geflügelpest-Fälle in Bayern am 23.04.21 (Hausgeflügel: gelb, Wildvögel: rot; 
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Übersicht der Geflügelpest-Fälle in Bayern 2020/2021 (Hausgeflügel: gelb, Wildvögel: rot;) (Stand: 23.04.21)

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Durch die jeweils zuständigen Behörden werden bei Ausbruch der Geflügelpest die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung der anzeigepflichtigen Tierseuche getroffen. Hierzu zählt u. a. eine risikoorientierte Aufstallungspflicht für Geflügel, um in den betroffenen Gebieten den Kontakt von potentiell infizierten Wildvögeln mit Nutzgeflügel zu verhindern. Bei Ausbruch der Geflügelpest in einem Geflügelbestand schreibt die Geflügelpest-Verordnung vor, dass die gehaltenen Vögel des betroffenen Bestands getötet werden müssen. Darüber hinaus legt die zuständige Behörde um den Seuchenbestand einen Sperrbezirk sowie ein Beobachtungsgebiet fest, wo besondere Schutzmaßregeln gelten. Entsprechende verpflichtende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Geflügelpest werden im Rahmen von Allgemeinverfügungen erlassen und sind auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden abrufbar.

Seit Ende Oktober 2020 wurden vorwiegend in Norddeutschland bereits mehrere hundert Fälle von HPAI, verursacht durch verschiedene, reassortante Viren des Subtyps H5, bei Wildvögeln festgestellt. Zudem sind bereits zahlreiche Nutzgeflügelbestände in Deutschland von der Geflügelpest betroffen. In vielen anderen europäische Staaten wurde das hochpathogene aviäre Influenzavirus des Subtyps H5 (HPAIH5) sowohl bei Wildvögeln als auch in Nutzgeflügelbeständen mittlerweile nachgewiesen, viele dieser Staaten melden täglich neue Fälle von bei Nutzgeflügel und Wildvögeln. Aktuell zirkulieren überwiegend zwei Virussubtypen: HPAI H5N8 und, weit weniger häufig vertreten, HPAI H5N5. Infektionen mit HPAI des Subtyps H5N8 wurden zum Jahresbeginn 2020 vor allem in Osteuropa festgestellt, dabei waren sowohl Wildvögel als auch Nutzgeflügelbestände betroffen.

Im aktuellen, sehr dynamischen Geschehen wird durch das FLI das Risiko weiterer Einträge von HPAI H5–Infektionen nach Deutschland und Bayern als hoch eingestuft. Auch die Gefahr der weiteren Ausbreitung in Populationen von Wasservögeln und eines eventuellen Eintrags in Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen wird als hoch eingestuft. HPAI-Viren können bei einer hohen Viruslast, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten ist, sporadisch auf den Menschen übertragen werden. Trotz des umfangreichen und nach wie vor aktiven Geschehens bei Geflügel und Wildvögeln liegen bisher keine Hinweise auf humane Infektionen oder natürliche Infektionen bei Säugetieren in Deutschland oder anderen europäischen Ländern vor. Allerdings schließt das FLIin seiner aktuellen Risikoeinschätzung nicht mehr aus, dass H5N8-Viren auch Menschen infizieren können. Grundlage für diese Einschätzung waren Berichte aus Russland, wonach bei Mitarbeitern eines Geflügelmastbetriebes Infektionen mit HPAI des Subtyps H5N8 festgestellt wurden. Die Betroffenen zeigten zu keiner Zeit Symptome und eine Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch wurde nicht beobachtet.
Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, sollten dennoch auf das Auftreten von respiratorischen Symptomen bzw. Bindehautentzündungen achten. Sobald Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Darüber hinaus gelten allgemeine Hygieneregeln: tote Vögel sollten nicht mit bloßen Händen angefasst und die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist. Auf die einschlägigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts wird hingewiesen. Für Wildvögel scheint eine ähnliche Virulenz vorzuliegen, wie sie in der H5N8 Epizootie der Jahre 2016/2017 beobachtet wurde, auffällige Todesraten zeigen sich bei Nonnengänsen und Pfeifenten. Im aktuellen Geschehen wurde HPAI H5 am häufigsten bei Gänsevögeln nachgewiesen. Wenn daher aktuell vermehrt Wildvögel tot aufgefunden werden, insbesondere Wasservögel, sollte dies unbedingt den Veterinärbehörden gemeldet werden. Das LGL führt ganzjährig Monitoring-Untersuchungen bei solchen verendet aufgefundenen Wildvögeln durch. Wichtiges Ziel ist es, die Nutzgeflügelbestände zu schützen. Die Biosicherheit in den Geflügelbetrieben sollte daher jetzt überprüft und ggf. optimiert werden. Kontakte zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln gilt es unbedingt zu verhindern.

Im Rahmen der Vorbeugung und Bekämpfung der Geflügelpest sind die einschlägig empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen sowie die Überwachungs- und Abklärungsuntersuchungen in Geflügelhaltungen konsequent einzuhalten. Nur dadurch können die Geflügelbestände vor einem Eintrag des Erregers geschützt und eine weitere Verbreitung der H5N8-Infektionen vermieden werden. Die Geflügelhalter sind zur Einhaltung der Grundregeln zur Biosicherheit gesetzlich verpflichtet. In Bayern sind seit dem 02.02.2021 weitergehende Biosicherheitsmaßnahmen für alle privaten und gewerblichen Geflügelhalter verpflichtend (mehr Informationen: Aktuelle Maßnahmen gegen die Geflügelpest in Bayern). Nach Tiertransporten aus betroffenen Regionen müssen Fahrzeuge und Geräte gereinigt und desinfiziert werden. Geflügelhalter sollten außerdem eine funktionierende physische Barriere zwischen ihren Geflügelhaltungen und den Habitaten von wilden Wasservögeln errichten. Der Erreger kann auch indirekt über kontaminiertes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge u. ä.) in einen Bestand eingeschleppt werden.

Weitere Informationen und Hinweise zu konkreten Schutzmaßnahmen können der aktuellen Risikoeinschätzung zum Auftreten der HPAIV in Deutschland entnommen werden.