Aktuelles zur Geflügelpest in Deutschland und Europa 2020/2021

Seit November 2020 tritt die HPAI (hochpathogene Aviäre Influenza, Geflügelpest) auch in Bayern auf. Nach der Feststellung der Geflügelpest bei zehn erlegten Wildenten aus dem Landkreis Passau hat Anfang Januar 2021 das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auch den Nachweis von HPAI-Virus (HPAIV) des Subtyps H5N8 bei einem tot aufgefundenen Schwan aus dem Landkreis Landsberg am Lech bestätigt. Durch die jeweils zuständigen Behörden werden bei Ausbruch der Geflügelpest bei Wildvögeln die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung der anzeigepflichtigen Tierseuche getroffen. Hierzu zählt u. a. eine risikoorientierte Aufstallungspflicht für Geflügel, um in den betroffenen Gebieten den Kontakt von potentiell infizierten Wildvögeln mit Nutzgeflügel zu verhindern. Um eine weitere Ausbreitung der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation in Bayern zeitnah feststellen zu können, wird das bayerische Wildvogelmonitoring intensiv fortgeführt.

Seit Ende Oktober 2020 wurden vorwiegend in Norddeutschland bereits mehrere hundert Fälle von HPAI, verursacht durch verschiedene, reassortante Viren des Subtyps H5, bei Wildvögeln festgestellt. Hier sind zudem bereits mehrere Nutzgeflügelbestände von der Geflügelpest betroffen. Auch das Vereinigte Königreich und die Niederlande berichten von Infektionen mit hochpathogenen aviären Influenzaviren des Subtyps H5 (HPAIV H5) in Nutzgeflügelbeständen. Laut FLI unterscheiden sich die Genom-Sequenzen der aktuell nachgewiesenen Viren von den H5N8-Viren, die im Winter 2019/2020 in Europa aufgetreten sind. Infektionen mit HPAIV des Subtyps H5N8 wurden zum Jahresbeginn 2020 vor allem in Osteuropa festgestellt: in Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und der Slowakei waren sowohl Wildvögel als auch Nutzgeflügelbestände betroffen.

Im aktuellen, sehr dynamischen Geschehen wird durch das FLI das Risiko weiterer Einträge von HPAIV H5–Infektionen nach Bayern und Deutschland, der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen und des Eintrags in deutsche Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen als hoch eingestuft.
Bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass die aktuell nachgewiesenen H5-Viren Menschen infizieren können, dennoch sollten Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, beispielsweise bei der Tötung und unschädlichen Beseitigung, für mindesten zehn Tage auf das Auftreten von Atemwegssymptomen bzw. Bindehautentzündungen achten. Sollten Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen und eine Testung zu initiieren. Bei umfangreichem Kontakt mit infizierten Vögeln sollte die Aufnahme von antiviralen Medikamenten als Prophylaxe in Betracht gezogen werden.
Für Wildvögel aber scheint eine ähnliche Virulenz vorzuliegen, wie sie in der H5N8 Epizootie der Jahre 2016/2017 beobachtet wurde, auffällige Mortalitäten zeigen sich bei Nonnengänsen und Pfeifenten. Wenn daher aktuell vermehrt Wildvögel tot aufgefunden werden, insbesondere Wasservögel, sollte dies unbedingt den Veterinärbehörden gemeldet werden. Das LGL führt ganzjährig Monitoring-Untersuchungen bei solchen verendet aufgefundenen Wildvögeln durch. Wichtiges Ziel ist es, dann die Nutzbestände zu schützen. Die Biosicherheit in den Geflügelbetrieben sollte daher jetzt überprüft und ggf. optimiert werden. Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln gilt es unbedingt zu verhindern.

Im Rahmen der Vorbeugung und Bekämpfung der Geflügelpest sind die einschlägig empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen sowie die Überwachungs- und Abklärungsuntersuchungen in Geflügelhaltungen konsequent einzuhalten. Nur dadurch können die Geflügelbestände vor einem Eintrag des Erregers geschützt und eine weitere Verbreitung der H5N8-Infektionen vermieden werden. Die Geflügelhalter sind zur Einhaltung der Grundregeln zur Biosicherheit gesetzlich verpflichtet. Nach Tiertransporten aus betroffenen Regionen müssen Fahrzeuge und Geräte gereinigt und desinfiziert werden. Geflügelhalter sollten außerdem eine funktionierende physische Barriere zwischen ihren Geflügelhaltungen und den Habitaten von wilden Wasservögeln errichten. Der Erreger kann auch indirekt über kontaminiertes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge u. ä.) in einen Bestand eingeschleppt werden.

Weitere Informationen und Hinweise zu konkreten Schutzmaßnahmen können der aktuellen Risikoeinschätzung zum Auftreten der HPAIV in Deutschland entnommen werden.