Bekämpfung der Geflügelpest in Bayern

Die Geflügelpest-Epidemie 2020/2021 hatte im Herbst 2020 Deutschland erreicht und sich seitdem bundesweit ausgebreitet. Seit dem 30.10.2020 wurden in Deutschland über 250 Ausbrüche bei Geflügel und weit über 1.000 Fälle bei Wildvögeln festgestellt, die meisten davon in Norddeutschland. Zahlreiche europäische Länder meldeten ebenfalls täglich neue Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln oder Hausgeflügel. In der aktuellen Epidemie zirkuliert überwiegend HPAIV vom Virustyp H5N8, allerdings auch H5N1, H5N3, H5N5 und H5N4. Die Dimension der Epidemie 2020/2021 in Deutschland und Europa hat bereits diejenige von 2016/2017 überschritten.

In Bayern wurde in der aktuellen Epidemie der erste Fall von Geflügelpest im November 2020 festgestellt, seitdem gab es insgesamt 58 HPAI-Fälle bei Wildvögeln und 12 Fälle bei Hausgeflügel, die letzte Feststellung war am 26.04.2021. In Bayern waren seit dem 02.02.2021 weitergehende Biosicherheitsmaßnahmen für alle privaten und gewerblichen Geflügelhalter (auch für Kleinhaltungen unter 1000 Stück Geflügel) verpflichtend. Die bayernweite präventive Stallpflicht wurde Ende April aufgehoben.

Seit Ende April 2021geht die Zahl der neuen Fälle und Ausbrüche von Geflügelpest in Bayern, Deutschland und in vielen Ländern Europas zurück. Es muss jedoch nach wie vor mit dem Vorkommen der Geflügelpest bei Wildvögeln, auch in Bayern, gerechnet werden.

Bei Ausbruch der Geflügelpest (hochpathogene aviäre Influenza, HPAI) ergreifen die jeweils zuständigen Behörden die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung und zum Schutz des Nutzgeflügels vor dieser Tierseuche. Zu diesen Maßnahmen zählt u. a. eine risikoorientierte Aufstallungspflicht für Geflügel, um in den betroffenen Gebieten den Kontakt von potentiell infizierten Wildvögeln mit Nutzgeflügel zu verhindern. Bei Ausbruch der Geflügelpest in einem Geflügelbestand schreibt die Geflügelpest-Verordnung vor, dass die gehaltenen Vögel des betroffenen Bestands getötet werden müssen. Darüber hinaus legt die zuständige Behörde um den Seuchenbestand sogenannte Sperrzonen fest, wo besondere Schutzmaßregeln gelten. Entsprechende verpflichtende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Geflügelpest werden im Rahmen von Allgemeinverfügungen erlassen und sind dann auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden abrufbar.

Um eine Verbreitung und Einschleppung der Geflügelpest in Geflügelbestände zu verhindern, müssen die einschlägig empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen und Überwachungs- bzw. Abklärungsuntersuchungen überprüft und konsequent eingehalten werden. Als Biosicherheitsmaßnahmen werden alle Vorsorgemaßnahmen verstanden, die gegen eine Einschleppung oder Weiterverbreitung von Seuchenerregern gerichtet sind. Die Biosicherheitsmaßnahmen tragen dazu bei, das Risiko des Eintrags von Geflügelpestviren in Geflügelhaltungen bzw. deren Verbreitung zu vermindern. Kontakte zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln gilt es zu verhindern.
Zur Einhaltung von Grundregeln der Biosicherheit sind Geflügelhalter gesetzlich verpflichtet. Außerdem ist die Errichtung einer funktionierenden physischen Barriere zwischen den Habitaten von wilden Wasservögeln (z. B. Gewässer, Felder auf denen sich Gänse, Enten oder Schwäne sammeln) und den Geflügelhaltungen wesentlich.
Die Aufstallung von Geflügel und weitere Biosicherheitsmaßnahmen minimieren das Risiko eines direkten und indirekten Kontakts mit infizierten Wildvögeln. Der Erreger kann auch indirekt über kontaminiertes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge u. ä.) in einen Bestand eingeschleppt werden. Nach Tiertransporten aus betroffenen Regionen müssen Fahrzeuge und Geräte gereinigt und desinfiziert werden.

Eine Ansteckung des Menschen oder anderer Säugetiere mit HPAI-Viren über infizierte Vögel oder deren Ausscheidungen ist in Deutschland oder anderen europäischen Ländern im aktuellen Seuchengeschehen bisher nicht bekannt geworden. HPAI-Viren können bei einer hohen Viruslast, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten ist, sporadisch auf den Menschen übertragen werden. Aus Russland gab es im Anfang 2021 Meldungen von Infektionen mit HPAIV des Subtyps H5N8 bei Mitarbeitern eines Geflügelmastbetriebes. Die Betroffenen zeigten zu keiner Zeit Symptome und eine Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch wurde nicht beobachtet. Das FLI schließt daher aber nicht mehr aus, dass H5N8-Viren auch Menschen infizieren können. Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, sollten dennoch auf das Auftreten von respiratorischen Symptomen bzw. Bindehautentzündungen achten. Sobald Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen Darüber hinaus gelten allgemeine Hygieneregeln: tote Vögel sollten nicht mit bloßen Händen angefasst und die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist. Auf die einschlägigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts wird hingewiesen: Empfehlungen des RKI zur Prävention bei Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko durch hochpathogene aviäre Influenza A/H5.
Tot aufgefundene Wildvögel, insbesondere Wasservögel, sollten unbedingt weiterhin den Veterinärbehörden gemeldet werden. Das LGL führt ganzjährig Monitoring-Untersuchungen bei solchen verendet aufgefundenen Wildvögeln durch. Wichtiges Ziel ist es, die Nutzgeflügelbestände zu schützen.

Weitere Informationen und Hinweise zu konkreten Schutzmaßnahmen und zur aktuellen Situation können der aktuellen Risikoeinschätzung zum Auftreten der HPAIV in Deutschland entnommen werden.