Leptospirose

Die Leptospirose ist eine weltweit verbreitete Zoonose. Verursacht wird sie durch Leptospiren, die zu den phylogenetisch ältesten Bakterien gehören. Es handelt sich um Schraubenbakterien aus der Ordnung Spirochaetales, Familie Leptospiraceae, zu der neben der Gattung Leptospira, auch die Gattungen Treponema, Borrelia und Leptonema gezählt werden.

Historie

Als eigenständige Krankheit wurde die Leptospirose erstmalig 1886 durch Weil beschrieben. Der Erreger selbst aber wurde erst später entdeckt. Unabhängig voneinander publizierten die Japaner Inada und Ido sowie die Deutschen Uhlenhuth und Fromme im Jahre 1915 Leptospira (L.) icterohaemorrhagiae als Erreger des Morbus Weil.

In den folgenden Jahrzehnten wurde eine Reihe von weiteren, spezifischen, also mit jeweils einheitlichen, eigenständigen Krankheitsbildern verbundenen, Leptospirenserovaren gefunden. So isolierten Ido, Ito und Wanni 1916/17 L. hebdomadis als Erreger des japanischen Siebentagefiebers, Walch 1926 L. bataviae als Erreger der indonesischen Weilschen Krankheit, Abe 1934 L. autumnalis als Erreger des Japanischen Herbstfiebers. Mittlerweile sind Hunderte von verschiedenen Serovaren bekannt.

Morphologie

Leptospiren sind feine Fäden mit hakenförmigen Enden, deren enge, spiralige Windungen nur bei stärkerer Vergrößerung sichtbar sind. Sie besitzen einen Durchmesser von nur 0,1 µm (0,06 µm - 0,12 µm) und sind zwischen 3 und 30 (selten auch bis 40) µm lang.

Abb.: 1 Elektronenmikroskopische Aufnahme von L. borgpetersenii serovar Hardjo (LGL, Franziska Horvath, 2006)

Leptospiren unter dem MikroskopLeptospiren sind beweglich; sie drehen sich um die eigene Achse. Sie vermehren sich durch Querteilung. Morphologisch sind die verschiedenen Serovare nicht zu unterscheiden.

Systematik

Die Differenzierung von Leptospiren erfolgte bisher serologisch. Durch die moderne Molekularbiologie mit den Möglichkeiten der Erbgutuntersuchung ist die Taxonomie im Wandel begriffen. Momentan existieren parallel zwei Einteilungsschemata, die nicht deckungsgleich, aber, jeweils für sich, durchaus berechtigt sind.

Serologische Einteilung

Innerhalb der Gattung Leptospira werden die Spezies L. interrogans sensu lato und L. biflexa sensu lato unterschieden. Im Gegensatz zu den saprophytär lebenden, apathogenen L. biflexa umfasst L. interrogans alle pathogenen Leptospiren. Antigene Eigenschaften führen zu einer weiteren Unterteilung in Serogruppen mit jeweils unterschiedlichen Serovaren. Von L. biflexa sind mehr als 60, von L. interrogans mehr als 200 verschiedene Serovare in 23 Serogruppen bekannt.

Tabelle 1: Wichtige Serogruppen und Serovare von L. interrogans
Serogruppe Serovar
Australis Australis

Bratislava

Autumnalis

Autumnalis

Bataviae

Bataviae

Ballum

Ballum

Canicola

Canicola

Grippotyphosa

Grippotyphosa

Icterohaemorrhagiae

Copenhageni

Icterohaemorrhagiae

Pomona

Pomona

Pyrogenes

Pyrogenes

Sejroe

Hardjo

Saxkoebing

Sejroe

Tarassovi

Tarassovi

Streng genommen galt diese serologische Einteilung nur bis 1989. Sie wurde abgelöst durch die Genotypische Einteilung.

Genotypische Einteilung

Die Entschlüsselung der Leptospiren-DNS mit den dadurch erkannten Ähnlichkeiten der Basensequenzen führte in der Gattung Leptospira zu 16 verschiedenen Genospezies und definierte die neue Gattung der Leptonema.

Tabelle 2: Genospezies und Serogruppen nach Brenner et al. (1999) überarbeitet durch Terpstra (2003)

Genospezies

Serogruppen

L. alexanderi

Hebdomadis, Manhao

L. borgpetersenii

Ballum, Javanica, Sejroe, Tarassovi

L. interrogans sensu stricto

Australis, Autumnalis, Canicola, Sejroe, Icterohaemorrhagiae, Pomona, Pyrogenes

L. kirschneri

Autumnalis, Grippotyphosa, Icterohaemorrhagiae

L. noguchi

Australis, Icterohaemorrhagiae

L. santarosai

Hebdomadis, Mini, Pyrogenes, Sejroe, Tarassovi

L. weilii

Celledoni, Javanica, Tarassovi

L. faineia

Hurstbridge

L. inadaia

Lyme, Manhao

L. meyeria

Javanica, Mini, Sejroe

L. biflexa sensu strictob

Andamana

L. wolbachii

Codice, Semaranga

Turneria parva

Tureneri

Leptonema illinib

"Leptonema"

Genomspezies 1a

Saprophytäre Serogruppe Ranarum

Genomspezies 3

Vorläufig saprophytäre Serogruppe Holland

Genomspezies 4b

Icterohaemorrhagiae

Genomspezies 5b

Saprophytäre Serogruppe Ranarum

a Pathogenität nicht geklärt
b Saprophyten/andere Genera

2002 legte der Klassifizierungsausschuss für Leptospiren fest, dass Gattung und Art kursiv, die Serovar nicht kursiv aber mit Großbuchstaben zu schreiben sei.

Die bewährte Klassifizierung in Serogruppen und Serovare hat jedoch weiterhin ihre Berechtigung. Das eigenständige klinische Bild der Leptospirosen, der Bezug zu typischen Hauptwirten und insbesondere die Immunitätsausbildung sind serovarbezogen.

Epidemiologie

Entscheidend für die Verbreitung der Leptospirose sind Reservoirwirte (Hauptwirte). Vor allem Nagetiere, insbesondere Ratten und Mäuse, aber auch Haus- und Nutztiere, wie z. B. Hund und Rind können jeweils spezifische Serovare beherbergen und diese ausscheiden, meist ohne dabei selbst zu erkranken.

Informationen zum Reservoir, den Übertragungs- und Infektionswegen und der Meldepflicht finden Sie unter den Links.

Krankheitsbild

Informationen zum Krankheitsbild bei verschiedenen Tierarten und dem Menschen finden Sie unter den Links.

Therapie und Prophylaxe

Leptospiren sind gegenüber vielen Antibiotika empfindlich. Als Mittel der Wahl gelten Penicillin G für den Menschen, in der Tiermedizin dagegen Tetracycline.

An Impfstoffen gegen Leptospirose sind in Deutschland nur die bekannten Impfstoffe für Hunde gegen die Serovare Canicola und icterohaemorrhagiae zugelassen.

Im Ausland werden auch polyvalente Vakzinen für Pferde und Rinder angeboten. In Deutschland ist lediglich die Herstellung von stallspezifischen Vakzinen möglich, was aber die -extrem aufwändige- Isolierung des Erregers voraussetzt.

Die Tatsache, dass in vielen europäischen Ländern zugelassene Vakzinen nicht nur für Hunde, wie in Deutschland, sondern auch für die landwirtschaftlichen Nutztiere Rind und Pferd auf dem Markt erhältlich sind, spricht für einen wesentlich höheren Stellenwert der Leptospirose in diesen Ländern.

Diagnostik

Bei der Diagnostik muß zwischen dem Erregernachweis und dem Nachweis von Antikörpern unterschieden werden.