Mutterkorn und Ergotalkaloide in Futtermitteln: Statuserhebung

Mutterkorn kann auf sämtlichen Getreidearten, vor allem aber auf Roggen und Triticale, von Pilzen der Gattung Claviceps gebildet werden. Für Mutterkorn in Futtermitteln ist EU-weit ein Grenzwert von 1.000 mg/kg über Anhang I der VO (EU) 32/2002 festgesetzt, der jedoch nur für Futtermittel gilt., die aus ganzen Getreidekörnern bestehen oder diese enthalten. Die Mengenbestimmung erfolgt durch Ausselektieren und Wiegen der Mutterkörner und ist deshalb für verarbeitetes Getreide nicht geeignet. Für verarbeitetes Getreide oder Futtermittel, die solches enthalten, gibt es derzeit keine gesetzlichen Höchstgehalte.

Die toxischen Wirkungen von Mutterkorn auf die Gesundheit von Mensch und Tier sind auf die darin enthaltenen Ergotalkaloide zurückzuführen. Da der Gehalt und die Zusammensetzung der toxischen Ergotalkaloide je nach Pilzstamm, geographischer Region, und Wirtspflanze stark variieren können, ist für eine sinnvolle Risikoabschätzung die alleinige Bestimmung des Mutterkorngehaltes nicht ausreichend. Für eine Abschätzung der gesundheitsschädigenden Wirkung ist die chemische Analyse der Ergotalkaloidgehalte und für die Futtermittelüberwachung die Festlegung eines entsprechenden Höchstgehaltes notwendig.

Futtermittelprobe mit Mutterkorn

Abbildung 02: Futtermittelprobe mit Mutterkorn

Für eine Festssetzung von Höchstgehalten für die Ergotalkaloide liegen laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu wenige Daten zu Gehalten, Toxizität und Verteilungsmuster vor. Die EU hat deshalb ein Monitoringprogramm für Futtermittel mit dem Ziel empfohlen, die Gehalte und Verteilungsmuster an Ergotalkaloiden über die chemische Analyse und den Gehalt an Mutterkorn (mikroskopische Untersuchung) zu erfassen und deren Beziehung zueinander festzustellen. Dabei sollen sechs verschiedene Ergotalkaloide und deren isomere Formen (Ergometrin, Ergometrinin, Ergocrostin, Ergocristinin, Ergotamin, Ergotaminin, Ergocryptin, Ergocryptinin, Ergosin, Ergosinin, Ergocornin, Ergocorninin), die als Hauptalkaloide angesehen werden, bestimmt werden.

Dieses Monitoringprogramm wird seit 2012 Bayern durchgeführt.

Da gereinigtes Getreide keinen Rückschluss auf die ursprüngliche Belastung mehr zulässt, wurden im Jahr 2012 zunächst 31 Proben ungereinigtes Getreide untersucht.

Die Untersuchungen ergaben bei 24 von 31 Proben (77,4 %) Mutterkorngehalte zwischen 8 und 6.658 mg/kg bezogen auf 88% Trockensubstanz. Bei zwei Roggen- und zwei Triticale-Proben (12,9 %) lag eine Überschreitung des Höchstgehaltes von 1.000 mg/kg vor. Die Gehalte an Ergotalkaloiden lagen zwischen 0,04 und 9,89 mg/kg bezogen auf 88% Trockensubstanz. Nur in 7 von 31 Proben (22,6 %) waren weder mikroskopisch Mutterkorn noch analytisch Ergotalkaloide nachweisbar.

Die große Schwankungsbreite im Anteil an Ergotalkaloiden im Mutterkorn zwischen 0,02 und 1,8 % zeigt, dass ausgehend vom Mutterkorngehalt nicht direkt auf den Gehalt der untersuchten Ergotalkaloide geschlossen werden kann.

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