Forschungsprojekt: Effiziente Marktaufsicht im Bereich Standby

Kurzbeschreibung:

Die Leistungsaufnahme energiebetriebener Haushalts- und Bürogeräte im Aus- und Bereitschaftszustand ("Stand-by ") ist in einer europäischen Verordnung geregelt, der Vollzug im Energiebetriebene-Produkte-Gesetz (EBPG). Die Überwachung der Grenzwerte für den Energiebedarf im Aus- und Bereitschaftszustand obliegt den Marktüberwachungsbehörden. Genaue Messungen im Bereich dieser Grenzwerte sind im Normalfall jedoch nur mit aufwändiger und kostenintensiver Messtechnik zu erreichen.

Aus diesem Grund sollte überprüft werden, ob eine grobe "Vormessung" mit kostengünstigen Stecker-Leistungsmessgeräten (für etwa 50 €) verwertbare und ausreichend genaue Messergebnisse liefert. Sollte dies der Fall sein, so kann nach einer solchen Vormessung entschieden werden, ob exaktere und kostenintensivere Messungen sinnvoll sind.
Die Marktaufsichtsbehörde untersuchte in Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg die Eignung von einfachen Stecker- Leistungsmessgeräten für Energieeffizienzmessungen der Marktüberwachungsbehörden. Es wurden die Messergebnisse von zwei Stecker-Leistungsmessgeräten mit den Messergebnissen von zwei Präzisions-Leistungsmessern verglichen

Es kam eine simulierte, steuerbare Versorgungsspannung zum Einsatz, bei welcher die signifikanten Kennwerte (Spannungseffektivwert, Frequenz, Verzerrung (THD)) kontrolliert verändert werden konnten. So war es möglich, die bei der realen Netzversorgungsspannung auftretenden Schwankungen dieser Kennwerte zu simulieren und deren Einflüsse auf die Messgenauigkeit der Stecker-Leistungsmessgeräte festzustellen. Bei den Kenngrößenschwankungen wurden die von DIN 50160 ("Merkmale der Spannung in öffentlichen Elektrizitätsversorgungsnetzen") vorgegebenen Grenzwerte verwendet. Alle Messungen wurden soweit möglich nach den Vorgaben von DIN 62301 ("Elektrische Geräte für den Hausgebrauch – Messung der Stand-by -Leistungsaufnahme") durchgeführt.
Als Vorbereitung wurden fünf elektrisch betriebene Geräte mit repräsentativen, d.h. möglichst unterschiedlichen, Eigenschaften bezüglich des Stromaufnahmeverlaufs und der Höhe der Wirkleistungsaufnahme als Prüflinge ausgewählt. Dafür wurden die Eigenschaften von etwa 20 elektrisch betriebenen Haushaltsgeräten ausführlich untersucht.

Bei der folgenden Vergleichsmessung wurde jeweils einer der erwähnten Kennwerte in den Grenzen nach DIN 50160 verändert. Zu jedem eingestellten Wert wurden dann die Messergebnisse aller vier Messgeräte notiert. Auf diese Weise war es möglich, sowohl die allgemeine Messgenauigkeit der Stecker-Leistungsmessgeräte als auch deren Abhängigkeit von eventuell schwankenden Kennwerten zu beurteilen – als Bezug dafür dienten die Messergebnisse der zwei Präzisions-Leistungsmessgeräte.

Es konnte ein geeignetes Stecker-Leistungsmessgerät gefunden werden, das in der Vergleichsmessung bei keinem Prüfling einen absoluten Fehler größer 0,1W aufwies. Somit ist dieses Messgerät auf Grundlage der durchgeführten Messungen und unter Berücksichtigung eines Messfehlers von +0,1W für die angedachten Vormessungen beim Vollzug des EBPG brauchbar.

Im Anschluss führte das Gewerbeaufsichtsamt bei der Regierung von Schwaben im Handel Messungen mit dem Stecker-Leistungsmessgerät durch. In einer Messreihe wurden fast 50 Produkte aus der Unterhaltungselektronik untersucht:

  • Fernseher
  • Heimkinosysteme
  • Minianlagen
  • Radiogeräte
  • Hi-Fi-Recorder
  • DVD-Player

Alle überprüften Geräte hielten die Grenzwerte zum Energieverbrauch im Aus- und Bereitschaftszustand der EG-Verordnung ein. Mit dem kostengünstigen Stecker-Leistungsmessgerät konnten die Überprüfungen vor Ort schnell, einfach und zuverlässig durchgeführt werden.

Laufzeit: 2010