Tierschutz in der Sauenhaltung

In Bayern werden in etwa 5.500 landwirtschaftlichen Betrieben rund 3.285.000 Schweine gehalten. Im Zusammenhang mit einem Tierhaltungsverbot für einen der größten Schweineproduzenten Europas war das LGL als Fachbehörde an der Durchsuchung
einer der größten Schweinezuchtanlagen Bayerns beteiligt. Einer der Schwerpunkte der Aktion war die Haltung von Sauen in sogenannten Kastenständen. Das LGL hat im betreffenden Betrieb umfangreiche Vermessungen und Beobachtungen durchgeführt und fachlich bewertet, die in das laufende Verfahren einfließen. Im Rahmen der intensiven Schweineproduktion ist diese Haltungsform während der Besamung und zu Beginn der Trächtigkeit ein gängiges Verfahren, da sie erhebliche arbeitswirtschaftliche Vorteile bietet. Sie ist rechtlich zulässig, gerät jedoch zunehmend in die Kritik, weil die Schweine ihre artgemäßen Verhaltensweisen nicht ausüben können und die Haltung ein hohes Risiko für Erkrankungen und Verletzungen (Technopathien) mit sich bringt. Zudem treten vermehrt Verhaltensstörungen (Ethopathien) auf, die als Indikatoren für das Vorliegen erheblicher Leiden gelten. Der Gesetzgeber macht in § 24 Absatz 4 der Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung Vorgaben zur Gestaltung der Kastenstände: Sie dürfen bei den Sauen nicht zu Verletzungen führen und müssen ein Ausstrecken von Kopf und Gliedmaßen in Seitenlage erlauben. Dies soll den Tieren ein artgemäßes Ruheverhalten ermöglichen, da Schweine bei unstrukturierter Stallhaltung 80 bis 90 % des Tages liegen. Für große Tiere sind die normierten Kastenstände häufig zu eng. In diesen Fällen kommt es aufgrund der Bedeutung des Ruheverhaltens zu Leiden, weil die Tiere dieses Verhalten nicht artgemäß ausführen können. Leiden entstehen diesen Tieren im Zusammenhang mit Schmerzen durch die Zwangshaltung und die Unmöglichkeit, eine bequeme entspannte Liegeposition einzunehmen. Weitere Leiden entstehen im Zusammenhang mit eventuell auftretenden Verletzungen und Erkrankungen. Diese Leiden können die Grenze zur Erheblichkeit überschreiten und den Verdacht auf das Vorliegen einer Straftat begründen.

Ein aktuelles Urteil des Oberverwaltungsgerichts des Landes Sachsen-Anhalt fordert, dass den in einem Kastenstand gehaltenen (Jung-)Sauen die Möglichkeit eröffnet sein muss, jederzeit in dem Kastenstand eine Liegeposition in beiden Seitenlagen einzunehmen,
bei der ihre Gliedmaßen auch an dem vom Körper entferntesten Punkt nicht an Hindernisse stoßen. Diese Vorgabe erfüllen nach Auffassung des Gerichtes nur Kastenstände, deren Breite mindestens dem Stockmaß (das heißt der Widerristhöhe beziehungsweise der Entfernung vom Boden zum höchsten Punkt des stehenden Schweins) des darin untergebrachten Schweins entspricht oder Kastenstände, welche dem Tier die Möglichkeit eröffnen, die Gliedmaßen ohne Behinderung in die beiden benachbarten leeren Kastenstände oder beidseitige (unbelegte) Lücken durchzustrecken.