Tenuazonsäure in Babynahrung auf Hirsebasis - Untersuchungsergebnisse 2013

Tenuazonsäure ist ein Schimmelpilzgift, das von dem auf Pflanzen weit verbreiteten Schwärzepilz Alternaria produziert wird. Nachdem das LGL schon 2012 festgestellt hatte, dass hirsehaltige Getreide- und Milchbreie erhöhte Gehalte dieses Giftes aufweisen können, untersuchte das LGL im Jahr 2013 erneut 26 hirsehaltige Getreide- und Milchbreie (sechs verschiedene Produkte von fünf Herstellern) auf Tenuazonsäure. Im Breipulver lagen die Gehalte an Tenuazonsäure bei den rein hirsehaltigen Produkten etwas höher, bei den Produkten mit weiteren Zutaten etwas niedriger als im Vorjahr. Ein Grenzwert für eine unbedenkliche Tenuazonsäuremenge in Lebensmitteln ist bislang nicht festgelegt worden. Zur Beurteilung einer Kontamination zog das LGL daher den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugrunde gelegten Schwellenwert für Tenuazonsäure von 1,5 µg/kg Körpergewicht und Tag heran. Unter Berücksichtigung der analytischen Schwankungen ist ab einer Aufnahmemenge an Tenuazonsäure von 2,15 µg/kg nachweislich von einer Überschreitung des EFSA-Schwellenwertes auszugehen. Bei vier Babybreien auf reiner Hirsebasis (zwei verschiedene Produkte von zwei Herstellern) war die Tenuazonsäurekonzentration mit 1.219 bis 1.521 µg/kg so hoch, dass die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge für Säuglinge auch unter Berücksichtigung der Messunsicherheit (30 %) deutlich überschritten war (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Tenuazonsäure in Hirsehaltigen Getreide- und Milchbreien
Jahr Proben Tenuazonsäure im Breipulver Tenuazonsäure Aufnahmemenge* Proben zu beanstanden
Anzahl µg/kg µg/kg KG und Tag Anzahl
Getreidebrei rein Hirse 2012 10 269 bis 1.197 0,6 bis 4,2 3
Getreide- und Milchbreie mit Hirse und weiteren Zutaten 2012 7 108 bis 874 0,6 bis 2,7 4
Getreidebrei rein Hirse 2013 16 195 bis 1.521 0,7 bis 5,3 4
Getreide- und Milchbreie mit Hirse und weiteren Zutaten 2013 10 49 bis 559 0,2 bis 1,7** 0

* bezogen auf fünf Monate alten Säugling (mittleres Körpergewicht: 7,2 kg) und die Verzehrsempfehlung der Hersteller

** unter Berücksichtigung der Messunsicherheit

Das LGL verfolgt zu hohe Tenuazonsäuregehalte mit Nachdruck, um die Belastung für Säuglinge und Kleinkinder möglichst schnell zu verringern. Dies ist möglich, denn dieselben Hersteller, die Hirsebreiprodukte mit den höchsten Tenuazonsäuregehalten von mehr als 1.150 µg/kg produziert hatten, stellten Chargen von Hirsebrei mit erheblich niedrigeren Gehalten von 195 bis 602 µg/kg her. Offensichtlich kann durch eine sorgfältige Auswahl der Hirse verbunden mit einer sorgfältigen Kontrolle des Tenuazonsäuregehaltes problemlos Breipulver für Säuglinge und Kleinkinder mit niedrigen Gehalten dieses Schimmelpilzgiftes hergestellt werden. Das LGL wird auch im Jahr 2014 wieder hirsehaltige Babynahrung auf den Gehalt an Tenuazonsäure untersuchen.